Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

wie nachts besser schlafen,stündlich wach

Hallo,
Ich bin sehr dankbar für dieses Forum. Sie leisten außergewöhnlich tolle Arbeit!
Nun zu uns: ich bin Mama eines 2 jährigen Sohns und einer 12 Wochen alten Tochter. Mein Sohn war ein absolutes Schreikind,zwar hat er nachts super geschlafen,dafür tagsüber nur geschrien,wenn man ihn nicht beschäftigt hat. Dadurch hatte ich eine schwere Wochenbettdepression. Nun habe ich gehofft,dass das zweite Kind entspannter wird. Tagsüber kann ich die kleine Dame zwar ablegen,aber die Nächte sind sie Hölle.
Ich gehe um 7 abends mit ihr ins Schlafzimmer und stille sie. Meist schreit sie beim stillen schon so sehr,dass ich sie wach ins beistellbett lege und die Spieluhr anmache und rausgehe. Sie schläft ohne Probleme und ohne schreien dann allein ein,viel besser als mit Einschlafbegleitung. Das Problem ist nun aber,dass sie stündlich wach wird und sich nur durch trinken an der Brust beruhigt. Sie trinkt dann auch und schläft wieder ein. Geschrei gibt es nachts nicht. Um halb 7 früh möchte sie aufstehen. Wie bekomme ich sie dazu,länger am Stück zu schlafen?
Tagsüber haben wir weiter das Problem,dass sie maximal 1 Stunde wach ist,dann schon wieder gähnt und schlafen will und wenn ich mit dem schlafen nicht schnell genug bin,sich in Rage schreit. Dadurch trinkt sie tagsüber wenig,holt sie sich die Milch dann nachts? Tagsüber schläft sie wie folgt: von 8 bis 9 in der trage, von 10 bis 12 im Kinderwagen, von 12:30 bis 14 aufm Arm, von 15 bis 16 in der trage und dann wach bis zur bettgehzeit. Ist das nicht zu viel? Sollte ich sie tagsüber auch ins bett legen wenn sie müde wird?
Wir sind hier alle sehr verzweifelt, da mein Sohn tagsüber sehr fordernd ist und nachts leider an schlaf nicht zu denken ist.
Danke schon einmal fürs "zuhören".

Viele grüße

von gorgeous2610 am 02.03.2016, 13:55 Uhr

 
 

Antwort:

wie nachts besser schlafen,stündlich wach

Liebe gorgeous2610!

Danke für das Kompliment! Leider schreiben auch Sie mir ja aus einem nicht gerade schönen Anlass, weshalb es vielleicht schräg klingt, dass die Arbeit mir Spaß macht, doch sie tut es!

Zu Ihren Fragen:

Nach meiner Einschätzung fehlt es Ihrer Kleinen tatsächlich noch ein der Synchronisation ihres Rhythmus mit der realen Tag-/ Nachtzeit. Auch wenn ein Kind reifebedingt mit 12 Wochen noch keinen total festen Rhythmus hat, sollte dieser Schritt schon bewältigt worden sein. Die Gründe, warum Ihre Kleine damit Schwierigkeiten hat, können ganz unterschiedlich sein:
Neben einer Frühgeburtlichkeit (auch einer späten!), können auch langes Liegen in der Schwangerschaft, sowie einige Medikamente und organische Störungen der Auslöser sein (ggf. daher immer zum Kinderarzt!).

Häufig liegt es jedoch daran, dass zu Hause einfach kein fester Rhythmus mehr gelebt wird, da das Baby alles durcheinander gebracht hat. Für die ersten Wochen ist das auch ok - hier gehört etwas Chaos quasi zum Programm. Dann aber ist es hilfreich, Kindern durch feste Strukturen und Abläufe sowie passende Rituale zu helfen, einen Rhythmus zu entwickeln.

Nutzen Sie daher unbedingt soziale Taktgeber wie Licht, Geräusche und Bewegung! Gehen Sie am besten jeden Vormittag für mindestens eine halbe Stunde raus an die frische Luft, denn Licht steuert die Hormone, die für einen Tag-/ Nachtrhythmus wichtig sein. Auch der Einsatz von Tageslichtlampen mit Blauanteil (natürlich keine Solarien, Gesichtsbräuner etc.) könnte helfen. Tagsüber sollten Sie Ihr Baby ruhig tragen oder im Kinderwagen fahren. Dieser Unterschied zwischen Tages- und Nachtprogramm ist sogar hilfreich, wenn es darum geht, dass Ihr Baby einen Rhythmus etabliert.

Ebenso würde ich Ihrem Kind ruhig alle 1- 1,5 Stunden eine Verschnaufpause gönnen und die aktiven Wachzeiten mittendrin dafür nutzen, dass Sie ordentlich trinkt. Sie sollte wach, aber nicht zu abgelenkt sein. Hier hilft ein ruhiger, leicht abgedunkelter Raum oder eine Stillschürze / Tuch. Wecken ist in diesem Alter meist nicht zweckmäßig und da Ihre Kleine ja auch nachts weiter schläft, scheint sie eben zu den Vielschläfern zu gehören. Wenn sich das Ganze aber hinzieht, können Sie in Ihrem Fall vielleicht so ab dem fünften Monat anfangen, die Länge der Vor- und Nachmittagsschläfchen durch Wecken zu reduzieren. Das Ihre Kleine von 19:00 bis 07:00 in einem Stück durchschläft, wäre eher ungewöhnlich, doch dauerhafte Unterbrechungen alle Stunde sind natürlich zuviel.

Vielleicht versuchen Sie daher, es wie beim Abendprogramm zu machen und geben Ihrer Tochter etwas Zeit, bevor Sie eingreifen. Kleine Kinder starten nämlich mit einer aktiven Schlafphase, in der sie leicht erweckbar sind. Greift man hier zu früh ein (weil vielleicht das Kind grummelt, stöhnt oder sich hin- und her wälzt, jedoch nicht wirklich wach ist), stört dies den Übergang in den Tiefschlaf.

Hilfreich ist vielleicht auch die Gewöhnung an einen Schnuller, was aber auch einiges an Geduld erfordert und von einigen Stillexperten auch kritisch gesehen wird. Sind Sie hinsichtlich der Trinkmenge unsicher, können Sie ein Stillprobe machen (einfach Kind vor und nach dem Stillen wiegen und die Differenz berechnen). Manche Eltern setzt dies aber zusätzlich zu sehr unter Druck. Da kennen Sie sich besser.

Ansonsten kann auch in diesem Alter Begrenzung immer noch hilfreich sein, Pucken würde ich - falls nicht schon etabliert - nicht mehr einführen, wohl aber vielleicht ein Lagerungskissen.

Falls die Probleme anhalten, sollten Sie besser nicht ewig warten und sich einen fachlichen Rat bei einer Schreiambulanz, einem Früherkennungszentrum, oder einen Sozialpädiatrischen Zentrum einholen. je eher mal Regulationsschwierigkeiten behandelt, desto leichter und schneller kann man eine Verbesserung erzielen und desto günstiger die Prognosen. Babys sind eben nicht dafür gemacht, dass man als Mutter mit ihnen alles allein wuppt. Da heute familiäre Unterstützung nicht immer gegeben ist, muss man eben auf externe Fachleute ausweichen - was also keinesfalls ein Zeichen von Schwäche, sondern der heutigen soziale Umstände ist!

Ihnen allen alles Gute und einen besseren Sandmann!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 07.03.2016

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