Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

Antwort:

Wie kann eine extreme Bezogenheit auf die Mutter erweitert werden?

Liebe Mira Marie!

zunächst einmal finde ich es sehr rührend, wie viel sorgen Sie sich um ihre Tochter und Enkelin machen. Sie schildern wirklich einen dramatischen Start für die beiden und sicher sind die Probleme der beiden auch ihren verankert. Mich wundert es nicht, dass jetzt die Nähe-Distanz-Regulation der beiden vielleicht noch nicht so klappt wie bei Eltern ohne diese Vorgeschichte. Das Verhalten ihrer Tochter und ihre Enkelin hat ja gute Gründe. Selbst wenn daher die körperliche Krise überwunden ist, heißt es noch nicht, dass auch die Seele mit hinterher kommt. So kann es nach derartigen Erfahrungen noch lange Zeit sein, dass alles im Alarmmodus ist und entsprechend reagiert. Wichtig für Außenstehende es daher vor allem Geduld und viel Verständnis, selbst wenn man vielleicht Fehler und Handlungsbedarf leichter erkennt als die Betroffenen selbst. Es ist daher wichtig äußerst sensibel mit Ratschlägen und Tipps umzugehen.Auch sollte man sich davor hüten, die Probleme stellvertretend lösen zu wollen. Selbst wenn Sie verständlicherweise Ihrer Tochter und Enkelin helfen wollen, die Initiative muss von Ihrer Tochter ausgehen. Von daher halte ich es auch für wenig hilfreich, wenn Sie sie mit Tipps und Ratschlägen von mir konfrontieren. Besser wäre, wenn Ihre Tochter selbst eine entsprechende Frage stellen würde sofern sie es überhaupt möchte.

Sie jedoch nicht ganz im luftleeren Raum stehen zu lassen hier noch ein paar Gedanken:
Die Nähe-Distanz-Regulation ist keine Einbahnstraße. D.h. sie betrifft Mutter / Vater und Kind. Auch wenn ihre Enkelin das auffällige Verhalten zeigt, ist nicht nur das Kind zu betrachten sondern die gesamte Interaktion. Zum Loslassen-Können gehört eben auch das Loslasssen-Dürfen. Wenn hier alte Ängste dazu führen dass dem Kind signalisiert wird du bleibst besser in meiner Nähe, die Welt ist gefährlich, dann wird sich das Kind entsprechend verhalten. Entschwindend sind daher folgende Dinge:

die alten Ängste müssen bearbeitet werden, und es müssen neue (korrigierende) Erfahrungen möglich gemacht werden. Sowohl Eltern als auch das Kind brauchen mehr Vertrauen. Vertrauen in sich und die Anderen. Eltern müssen zudem häufig erst begreifen, dass die bedrohliche Situation zu Ende ist und sie ihrem Kind nun mehr zutrauen und zumuten können. Umstellung vom reinen Pflege-Sorge-Modus auf einen Erziehungs-Modus ist nach solchen Erlebnis man halt besonders schwierig. Von daher kann eine Beratung durch entsprechende Fachleute (Psychologen, Erziehungsberater) helfen.

Doch auch hier muss die Initiative von ihrer Tochter selbst ausgehen. Natürlich können Sie entsprechende Vorschläge sensibel und verständnisvoll anbringen. Sie sollten aber nicht verärgert sein, wenn Ihre Tochter diese ablehnt oder einen anderen Weg beschreitet.

Das war jetzt wahrscheinlich nicht die Antwort die Sie erhofft haben. Ich weiß wie unbefriedigend es ist, das Offensichtliche zu sehen und helfen zu wollen, sich aber zurückhalten. Doch das Beste was sie für Ihre Tochter und Enkelin tun können ist eben einfach weiter für sie da zu sein und ein offenes Ohr zu haben. Zudem können Sie selbst einfach durch Ihre wahrscheinlich etwas unbeschwertere Art dazu beitragen, korrigierende Erfahrungen zu machen. Ihre Tochter wird sich nach dieser schweren Zeit nach Alltag sehnen- geben Sie ihr also genau das. Seien Sie aus voller Herzenslust Mutter und Großmutter und nicht Psychotherapeut.

Dafür wünsche ich Ihnen viel Glück und viel Freude!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 17.11.2015, 10:26 Uhr

 
 
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