Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

Antwort:

Was sollen wir tun?

Liebe Moni Zitroni,

es tut mir leid, dass Ihre Schwierigkeiten andauern. Ruhe und Struktur am Tag sind sicher ein wichtige Basis. Was jetzt vielleicht noch fehlt, ist etwas mehr Geduld beim Durchhalten von Maßnahmen. Sie berichten, das Sie sehr schnell viele wechselnde Möglichkeiten anbieten, wenn Ihr Sohn schreit. Besser wäre trotz des Schreiens bei einer Sache zu bleiben, d.h. mindesten zwei Wochen. Vorher sehen Sie eh nicht, ob eine Methode klappt oder nicht. Verhaltensänderungen brauchen Zeit - das betone ich hier immer wieder!

Wenn Sie zudem häufig was Neues machen, mal im Elternbett schlafen lassen, mal im einen Bett etc. wird Ihr Sohn zunehmend verwirrter, denn es ist ja alles jedes mal anders. Wie soll, er da wissen, was von ihm erwartet wird. Es ist zudem häufig ein Irrtum, dass man nur DIE Methode finden müsste, um ein Kind zu schlafen zu bringen. Sonst gäbe es ja auch dieses Forum sehr wahrscheinlich nicht... Es ist wichtige, dass Sie EINE Methode finden, die zu Ihnen passt und die Sie dauerhaft durchhalten können - sei es nun Familienbett, Bettchen im Elternzimmer oder Schlafen im Kinderzimmer etc. In den kinderärztlichen Leitlinien seit längerem wird übrigens empfohlen, dass ein Kind im ersten Lebensjahr im einen Bett, aber im Zimmer der Eltern schlafen soll.

Die Aussage Ihres Kinderarztes kann ich daher nicht nachvollziehen und auch nicht empfehlen. Die sogen. Cry-Out-Methode, als ein schlichtes Schreien lassen, ist zwar effektiv (das Schreien hört auf), doch mit erheblichen Risiken für die psychische Gesundheit Ihre Kindes. Selbst die Ferber- Methode (die als abgemilderte Form des Cry-Outs entwickelt wurde) wird in der Säuglings- und Kleinkindpsychologie nur ab einem Alter von zwölf Monaten unter strenger Abwägung des Kosten-Nutzens-Verhältnisses empfohlen. Mit sieben Monaten ist Ihr Kind für jegliche Form von Schlaftraining einfach zu jung!

In diesem Alter ist Schlafenkönnen nicht bloße Erziehungssache, sondern auch eine Frage der Hirnreife. D.H. Ihr Kind muss erst durch seine Entwicklung in der Lage sein, durchschlafen zu können. Mit sieben Monaten tun das zwar viele Kinder, viele aber auch nicht. Die Erwartungen müssen daher auch realistisch sein, sonst macht man sich und dem Kind Zuviel Druck. Durschlafen ist übrigens definiert als 5-6h - nicht die ganze Nacht.

Wenn Sie sich unsicher sind, was die Nahrungsmenge betrifft, könnten Sie für die Nacht auf abgepumpte Milch umstellen. Dann sehen Sie ja , was er zu sich nimmt. Oder Sie machen mal ein zwei Nächte Stillproben (vor- und nach dem Stillen wiegen mit gleicher Windel). Ansonsten könnte ich mir auch nachts die teilweise Umstellung auf Pre-Nahrung vorstellen. D.H. Sie könnten spätabends / nachts die letzte Stillmalzeit geben, zwischendurch gibt es Fläschchen und dann frühmorgens wieder normal Stillen. Diese sogen. Zwimilchmethode kann einen Kompromiss darstellen, wenn das alleinige Stillen sonst zu sehr zur Belastung wird und ans komplette Abstillen gedacht wird. Zudem könnte der Papa mal übernehmen. Vielleicht fragen Sie hierzu einfach mal Ihre Hebamme. Die kennt Sie und Ihren Fall ja besser als ich.

Ansonsten wünsche ich Ihnen weiterhin alles Gute und genießen Sie die Glückmomente, die sicher bald noch mehr werden, wenn die Entwicklung voranschreitet!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 28.11.2015, 00:21 Uhr

 
 
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