Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

Antwort:

Was können wir tun

Liebe CCCC01,

verständlicherweise sind Sie aufgrund der unruhigen Nächte besorgt und erschöpft. Das so ein Problem an der Nahrung liegen kann, ist theoretisch möglich, aber eher selten - zumal die Probleme ja tagsüber nicht auftreten, oder? Anstatt selbst herumzuprobieren, empfehle ich immer vorab den Gang zum Kinderarzt, der Sie fachgerecht über Nahrungswechsel und ggf. auch eine Kuhmilcheiweißallergie /-Unverträglichkeit feststellen kann.

Ansonsten sind Unruhezustände, wie Sie es beschreiben, typisch für Kinder in diesem Alter. Es muss also nicht zwangläufig eine wirkliche Störung vorliegen, wenngleich das natürlich sehr, sehr anstrengend für alle Beteiligten ist. An Ihrem verdacht, diese Unruhezustände könnten durch das Schreienlassen am Mittag verursacht worden sein, könnte tatsächlich etwas dran sein. Leider wird diese Praxis mancherorts noch empfohlen, um Kinder zu einem guten Schlafverhalten zu "erziehen". Häufig wird dann so argumentiert, dass man die Kinder sonst zu sehr verwöhne.

Dieses Wissen ist jedoch überholt:

1) Zum einen weiß man heute, dass das Schlafen-Können in dieser Zeit immer noch sehr auch von der Hirnentwicklung (Reifung) abhängt, ein Faktor, den wir durch Erziehung von außen nicht beeinflussen können und der bei jedem Kind anders verläuft. Das eine Kind KANN eben rein physiologisch eher schlafen als ein anderes.

2) Zum anderen weiß man heute, dass Kinder in dem Alter weder ein Zeitgefühl haben, noch so richtig verstehen, dass Sie eben zwar allein im Raum, aber eben nicht einsam und verlassen sind. Dies kann massive Ängste und entsprechende Stressreaktionen auslösen. Das Fatale: dies erkennt man nicht immer daran, dass die Kinder schreien. Die allermeisten hören damit sogar ziemlich schnell auf, so dass die Methode augenscheinlich wirkt. Was ein Kind jedoch lernt ist, dass es mit seinen Ängsten allein bleibt. Das Aufhören des Weinens ist als gleichzusetzen mit Resignation.

Die nächtliche Unruhe Ihres Sohnes könnte also eine reine Orientierungsreaktion sein. Sprich, ist denkbar, dass er sich einfach nicht sicher ist, ob Sie noch da sind (weil eben Mittags das ja so ist) und muss sich daher immer wieder vergewissern, dass Sie es sind. Eine entsprechende Gegenmaßnahe wäre daher, das Schreienlassen am Mittag nicht zu praktizieren und ihm dadurch mehr Sicherheit und Ruhe zu vermitteln. Auch wenn sein Verhalten nervtötend ist, Ihre Sohn handelt nicht strategisch oder on böser Absicht. Im ist gar nicht bewusst, dass er Sie und sich selbst damit erschöpft. Befriedigt man die Grundbedürfnisse eines Babys nach Nähe und Sicherheit, werden sie später als Kinder nicht verwöhnter oder anspruchsvoller, sondern im Gegenteil, entspannter und weniger anklammern und ängstlich oder aggressiv-fordernd.

Doch Folgendes ist mir wichtig:
Ich möchte Ihnen an dieser Stelle keine Schuldgefühle vermitteln. Ich bin sicher, dass Sie nicht mit böser Absicht so handeln, sondern weil Sie vielleicht einfach sehr, sehr erschöpft sind und nicht mehr weiterwissen. Zudem ist dies ja auch nur eine Theorie aus der Ferne und vielleicht irre ich mich auch.

Dennoch: Es gibt viele sanfte Methoden, den Nachtschlaf Ihres Kindes zu verbessern, doch selbst dann ist ein andauerndes, störungsfreies Durchschlafen von mehr als 5 Stunden am Stück eher nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Doch diese kosten Nerven und vor allem Geduld.

Wichtig fände ich daher immer, dass Eltern gucken, wie sie für Entlastung und Unterstützung sorgen können. der Weg zum besseren Schlag geht nämlich nicht nur übers Kind, sondern betrifft in erster Linie die Eltern, die überhaupt erst einmal die Ruhe und die Kraft haben müssen, um mit liebevoller Konsequenz etwas zu ändern. Sind Eltern zu erschöpft, fehlt die Geduld und sie sind oft so mürbe, dass sie aus der Not zu ungünstigen Maßnahmen greifen, die allerdings eher das Problem verschärfen als lösen.

Von daher meine wichtigste Empfehlung: Gucken Sie einmal, wo Sie selbst Hilfe bekommen können. Früher wurden die Kinder ja schließlich nicht ohne Grund in Großfamilienbund aufgezogen. Heute fehlt diese Unterstützung meist. Sofern also Ihre Familie nicht einspringen kann, gibt es jedoch zahlreiche offizielle Anlaufstellen (Kinderschutzbund, Frühe Hilfen, Jugendamt etc.), die bei Ihnen vor Ort auch ganz unkompliziert einfach mal bei Dingen des Alltags unter die Arme greifen. Vielleicht kennen Sie ja auch einen zuverlässigen Babysitter, der Ihren Kleinen Mittags mal zum Schlafen mit dem Kinderwagen ausfährt, so dass Sie sich hinlegen können? Es sind ja oft die kleinen Dinge, die wirklich helfen. Schämen brauchen Sie sich nicht, denn offenbar ist es von der Natur einfach nicht vorgesehen, dass wir Eltern alles allein schultern.

Ansonsten gucken Sie sich doch mal die hier Tipps zum Thema Ein- und Durchschlafförderung an. Sie werden sehen, es gibt Alternativen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und dafür gute Nerven und die nötige Kraft! Dann bin ich sicher, dass die Nächte bald besser werden!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 30.11.2015, 16:11 Uhr

 
 
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