Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

Warum weint sie nach 3 Monaten immer noch vor dem Einschlafen?

Hallo Frau Bentz.

Ich schreibe ihnen bereits zum 3. Mal. Aber jedes Mal haben sie mit ihren Antworten genau ins Schwarze getroffen und waren mir eine unheimlich große Hilfe dabei die Situation in meiner Familie zu erleichtern.
Deshalb schreibe ich auch jetzt wieder, da sich bei mir wieder eine unheimlich Unsicherheit breit macht.

Meine kleine Tochter ist mittlerweile 9 Monate alt. Im Alter von 6 Monaten habe ich sie vom Pucken und vom Schnuller entwöhnt. Sie konnte damals sehr gut mit diesen Hilfen einschlafen, wurde aber vermehrt wach, weil sie die Enge dann in der Nacht wohl nicht mehr mochte und außerdem immer wieder der Schnuller herausfiel und sie ihn suchte.
Nach wenigen Abenden mit längerem Weinen (ca45min) ist sie dann auch im Verlauf auch ohne dies Hilfsmittel schneller eingeschlafen (nach ca 5- meistens 20min) aber weiterhin unter Weinen und unter starker Unruhe. Bis heute! Sie wälzt sich hin und her und robbt mittlerweile durch das ganze Bett. Es ist seitdem erst 2 mal vorgekommen, dass sie vor dem Schlafen nicht gebrüllt hat. Nachts wird sie 1-2 mal wach. Dann stille ich und sie schläft danach meist problemlos wieder ein. Die Nacht ist meist um 5 vorbei.
Ich habe zum Einschlafen nachdem sie ca 3 Monate alt ist nie getragen oder gestillt, da es schon als kleines Baby nicht geklappt hat. Ich habe sie meist in ihr Bett im abgedunkelten Raum schlafen gelegt und lag bis vor einem Monat meist während der Schreizeit neben ihr (soweit das mit 2 kleinen Kindern möglich ist),habe allenfalls ruhig geredet oder die Hand auf ihren Rücken gelegt.
Mittlerweile gehe ich zwischendurch auch raus. Es macht offenbar keinen Unterschied ob ich bei ihr bin oder nicht.

Nun werde ich es nochmal mit dem Schnuller versuchen, denn mittlerweile sollte sie sich den ja auch selber wiedersuchen können oder ich verwende ihn nur die Zeit vor dem Schlafen gehen.

Ich möchte, dass die Kleine es auch mal lernt, dass man ohne Gebrüll einschlafen kann. Sie einen Weg finden kann, sich anders zu beruhigen. Ich fürchte dass sie es ja schon irgendwie "gewohnt" ist zum Schlafen zu brüllen (wenn auch nie länger als 20 min). Ich fürchte dass sie das Bett nur noch mit Geschrei und Unruhe in Verbindung bringt und nicht als angenehm.....
Mittlerweile weint sie schon beim Einschlafritual (Wickeln, Zahn putzen Spieluhr anmachen, Rolläden runter)
In den Wachphasen wirkt sie müde und ist oft quengelig.

Oder sind meine Sorgen unberechtigt? Wird sie das Weinen irgendwann noch ablegen (für mich nach 3 Monaten erfolglosen Abwartens kaum noch vorzustellen). Kann ich sie einfach weinen "lassen"
Ich verstehe nicht was bei uns falsch läuft.

Bei meiner jetzt 2 jährigen Tochter war das anders. Sie war ein Schreibaby.. Aber durch konsequentes Beruhigen im Bett, Rhythmus und Rituale hat sie bis auf wenige unruhige Phasen, welche meist max. eine Woche gingen seit sie 8 Monate alt ist ruhige Nächte. Mittlerweile geht sie sogar gerne ins Bett, sagt wenn sie müde ist und schläft ohne Probleme 12 Stunden in der Nacht durch. Ich werde darum von vielen anderen Müttern beneidet.


Vielen Dank für ihre Rückmeldung.
Ida

von IdaLönneberga am 18.08.2016, 14:07 Uhr

 
 

Antwort:

Warum weint sie nach 3 Monaten immer noch vor dem Einschlafen?

Kleine Ergänzung: Der Schnullerversuch scheint zu scheitern. Sie weiß anscheinend nicht mehr wozu er da ist.

von IdaLönneberga am 19.08.2016

Antwort:

Warum weint sie nach 3 Monaten immer noch vor dem Einschlafen?

Liebe Ida!

ach, herrje. Mit Ihren beiden Mädels haben Sie schon einiges mitgemacht und bleiben trotzdem liebevoll, besorgt und feinfühlig. Mache eine(r) hätte da schon dicht gemacht und resigniert. Sie aber kämpfen weiterhin wie eine Löwin. Mein Tipp: alles dokumentieren und zu den Hochzeiten der beiden vorspielen – (-;

Doch ernsthaft: eigentlich ist die Entwicklung gar nicht so schlecht. Das Weinen vor dem Schlafen ist ja schon deutlich besser geworden. Klar fühlen sich 15 Minuten wie eine Ewigkeit an, wenn das Kind weint. Schließlich möchte man nicht, dass die Kleinen sich quälen und Schlafen so etwas Ungutes bekommt. Doch wenn man sich die durchschnittliche Schreidauer anguckt, schreien Kinder ab dem fünften Monate immer noch durchschnittlich eine Stunde. Auch wenn die meisten Untersuchungen das Schreien nur bis dahin erfassen, wird klar, dass es auch für ein neun Monate altes Baby noch normal ist, für ein Weilchen zu schreien. Sie dürfen dabei nicht vergessen, von welchem Ausgangswert Sie gestartet sind!

Zudem nehme ich an, dass Ihre Kleine nicht hysterisch schreit und völlig außer sich ist, sondern einfach quengelig und unruhig ist. Kinder reagieren unterschiedlich auf Müdigkeit. Manche spüren sie recht gut und senden rechtzeitig entsprechende Signale, und müssen daher nicht weinen. Manche wiederum nehmen die Müdigkeit als solche nicht wahr und zeigen ambivalente Signale (Stichwort: Ablenkbarkeit) oder melden sich erst dann wenn es zu spät ist. Wieder andere sind generell etwas „dünnhäutig“ und drehen gleich lautstark auf… Weinen ist also nicht gleich Weinen! Ihre Tochter zeigt einfach, dass sie erschöpft ist und nicht mehr kann. Die motorische Unruhe als Begleiterscheinung ist dabei nicht untypisch. Hierdurch versucht Ihre Tochter, Spannungen und Erregung abzubauen. Da das ganze neurologisch noch nicht so gut klappt, kann das in einer ziemlichen Fuchtelei, und Wühlerei ausarten, ist aber an sich völlig harmlos. Dieses Weinen (anders als das Schreien) und das Zappeln sind also auch als Wege der Selbstregulation zu verstehen. So viele andere Möglichkeiten hat sie ja nun einmal noch nicht.

Aus fachlicher Sicht finde ich die Spanne, die Ihre Tochter zum Einschlafen braucht, ebenfalls durchaus in Ordnung. Auch hierfür würden Sie viele Eltern beneiden! Ich denke, dass Sie diese Viertelstunde an sich auch gut ertragen könnten, sofern Sie eben nicht so verunsichert wären, ob es so ok ist.
Die Frage, „was läuft bei uns schief“ macht dies ja deutlich. Ich würde die Frage gern umformulieren und dem mehr Zeit widmen, „was alles richtig läuft“:

Aus meiner Sicht sind dies folgende Dinge:

- Sie haben die abendliche Einschlafzeit um mehr als die Hälfte(!) reduziert, oft schläft Ihre Kleine sogar nach 5-10 Minuten!
- Ihre Kleine meldet sich nachts altersangemessen 1-2 Mal, also kein Dauerstillen etc.
- Sie verzichten auf Überstimulation und haben einen gut strukturierten Alltag
- Ihre Große hat anfänglichen Schwierigkeiten völlig überwunden

So: lesen Sie sich das bitte laut vor, drucken es aus und hängen es an Ihren Spiegel! Sie haben keinen Grund, so unsicher zu sein! Welche Beweise brauchen Sie denn noch?

Ich will damit nicht sagen, dass alles super ist, denn ich sehe schon, dass Ihr Alltag noch sehr anstrengend ist. Doch würde etwas schief laufen, wäre die Entwicklung nicht so positiv. Ich würde lediglich empfehlen, tatsächlich noch bei Ihrer Tochter zu bleiben. Dass Sie nicht aufhört zu weinen, obwohl Sie da sind, heißt nicht, dass Sie sie nicht braucht oder Sie ihr nicht helfen. Sie ist noch sehr jung und die Sicherheit „ Mama ist ja da“ einfach noch wichtig. Der Trost liegt also darin, dass Sie trotz des Weinens noch da sind, gleichsam aber durch Ihre Ruhe vermitteln, dass nichts Schlimmes passiert.

Diese Ruhe wiederum können Sie nur haben, wenn Sie Ihrer Sache sicher sind, und da beißt sich die Katze wieder in den Schwanz.
Ich glaube, dass eine Aufarbeitung der Erfahrungen mit beiden Töchtern sicher hilfreich wäre und ich kann mich nicht mehr erinnern, on Sie dies schon mal angestrebt haben. Falls nicht, wäre das meine Empfehlung. Nicht, weil ich Sie für psychisch gestört halte, sondern weil eine derartige Historien manchmal eben nicht mit dem Stoppen des Schreiens aufhört. Manche Eltern, die zu mir kommen zeigen noch sehr lange Symptome, die teilweise sogar in Richtung Trauma gehen, inklusive Flashbacks (unkontrollierbare, sich aufdrängende, szenenhafte Erinnerungen). Für einen natürlichen Umgang mit Kindern ist es wichtig, sich selbst in der Elternrolle zu vertrauen – mit vielleicht einem kleinen Teil Selbstaufmerksamkeit, doch nicht grundsätzlichen Zweifeln.

Ich selbst habe keinerlei Zweifel, dass Sie es gut schaffen werden und Sie bald nur noch mit Staunen auf die schwierige Anfangszeit zurückblicken!
Ich wünsche Ihnen dafür alles Gute und möchte mich gleichzeitig verabschieden, da meine Zusammenarbeit mit rund-ums-baby ab dem 01.09. zu meinem Bedauern leider endet. Sie finden hier jedoch sicher noch weitere offene Ohren und kompetenten Rat bei den vielen Kollegen!

Vielen Dank daher für Ihr Vertrauen!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 23.08.2016

Antwort:

Warum weint sie nach 3 Monaten immer noch vor dem Einschlafen?

Ich weiß nicht ob sie diese Antwort noch lesen, aber ich will es nicht unversucht lassen:

Danke! Danke! Danke!

Ich wünsche Ihnen alles Gute und hoffe für Sie und alle Mütter mit kleinen Brüllern dass sie neben ihrer Praxis einen guten Weg finden weiterhin eine so große Hilfe (auch überregional) anzubieten.

Es war schlichtweg großartig was sie hier getan haben!

von IdaLönneberga am 31.08.2016

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