Dr. rer. nat. Meike Bentzs

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Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

Verhalten bei quengenden Kind

Guten Abend Frau Dr. Bentz,

ich habe eine Fragen, die nicht ganz zu dem Thema des Forums passt. Dennoch erhoffe mir eine Rückmeldung und ein paar Tipps.

Mein Sohn (1 Jahr) ist sehr aufgeweckt und neugirig, aber auch quengelig (ca. seit 1 Monat) und fordernd (seit einigen Monaten). Er möchte viel mit mir spielen und ständig Neues entdecken. Er ist auch sehr anhänglich und möchte häufig in den Arm genommen werden. Er quengelt laut, wenn ich den Raum verlasse (macht er seit 3 Monaten) und läuft mir hinterher. Obwohl ich ankündige, dass ich den Raum verlasse und ihm sage wohin ich gehe.

Mein Wunsch wäre, dass er sich mehr alleine beschäftigt und akzeptiert wenn ich "JETZT" nicht kann, weil ich z.B. gerade koche. Er beschwert sich dann lauthals. Wie soll ich auf das Verhalten reagieren? Ihn quengeln lassen und es aushalten, wenn er sich beschwert? Oft ist es so, dass er sich reinsteigert und er zu weinen anfängt. Wenn ich ihn dann hochnehmen, hört er auf.

Ich bin gespannt auf Ihre Rückmeldung.

von TaToMa am 18.01.2016, 22:43 Uhr

 
 

Antwort:

Verhalten bei quengenden Kind

Liebe TaToMa,

es freut mich, dass Sie so einen kleinen, aufgeweckten Jungen haben, acuh wenn Sie es nicht immer ganz leicht mit ihm haben. Das eine bringt meist das andere mit sich mit - zumindest phasenweise.

Was die Lösung betrifft, so haben Sie sich selbst schon die Antwort gegeben. Um selbstständiger zu werden, muss Ihr Kind die Erfahrung machen, dass man sich auch ohne Mama beschäftigen kann. Dies ist jedoch ein längerer Prozess und geschieht in vielen Einzelschritten. Ihr Vorgehen ist also richtig, wenngleich nicht zu erwarten ist, dass es sofort wirkt. Manchmal überschätzen Eltern zudem die Spanne, die ein Kind in diesem Alter sich selbst beschäftigen kann, denn mehr als 10-15 Minuten wären in diesem Alter überdurchschnittlich. Es ist also durchaus altergemäß, wenn Ihr Kleiner noch viel Anregung und Aufmerksamkeit braucht, auch wenn es Kinder gibt, die sich schon sehr früh prima allein beschäftigen können. Kein Kind braucht aber Dauerbespaßung - im Gegenteil! Kinder müssen lernen, dass sie innere Spannungszustände auch durch ihr eigenes Verhalten auflösen können, etwa Langeweile durch Beschäftigung. Viel wichtiger als eine Dauerbespaßung sind gezielte Einheiten ungeteilter Aufmerksamkeit, die sich mit elterlichem Rückzug aus dem Spiel abwechseln. Klingt technisch, machen aber die meisten Eltern intuitiv genau so. Wichtig ist dabei, dass ein Kind in seinem Selbstbewusstsein etwas alleine machen zu können, ständig gefördert wird. Wahrnehmen, Anerkennen und Loben für alle gelungenen Versuche ist also wichtig ebenso wie Motivieren: "Du kannst das schaffen!" , "Probier's jetzt mal allein" "Prima, wie du das jetzt schon allein kannst!" "Oh, hast du das ganz allein gebaut? Ist ja toll!" etc. Grundsätzlich ist daruaf zu achten, dass "ohne Mama" eben keinen Strafcharakter bekommt, sondern eine positive Herausforderung ist.

Ungünstig ist dagegen, wenn ein Kind dauerbespaßt und animiert wird. Dies kann Eltern so erschöpfen, die dann auf alle möglichen Reaktionen des Kindes automatisch, mechanisch und genervt mit der Gabe von Spielzeug etc. reagieren, ohne wirklich in Kontakt zu treten und wahrzunehmen, was das Kind möchte. Den ganzen Tag halbe Aufmerksamkeit kann dann dazu führen, dass ein Kind immer fordernder nach ungeteilter Aufmerksamkeit verlangt - ein möglicher Teufelskreis, wie er oft im Zusammenhang mit Spielunlust berichtet wird.

Also: bleiben Sie dabei! Ihr Gefühl wird Ihnen zuverlässig sagen, wann Ihr Kind wirklich etwas fehlt oder sie braucht, oder wann es nur aus Langeweile quengelt.

Gutes Gelingen und viel Spaß!

Herzlichst,

Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 20.01.2016

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