Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

Antwort:

Ständige Unruhe und kaum Schlaf

Liebe Louis,

dass meine Antwort nun ja etwas spät kommt, bitte ich zu entschuldigen. Ich hoffe, der Infekt ist mittlerweile angeklungen?

Ansonsten würde ich sicherheitshalber zum Kinderarzt, denn Ihr Kleiner ist ja noch sehr jung. Wenn Sie sich dort mit Ihren Sorgen nicht ernst genug genommen fühlen, sprechen sie das einfach offen und freundlich an, ggf. wechseln Sie Ihren Kinderarzt, denn es sich wichtig, ein gutes Vertrauensverhältnis zu haben.

Was die Unruhe betrifft: Natürlich führen Infekte wie diese zu mehr Unruhe, uns Erwachsenen geht es da ja ähnlich. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Ihr Kind Regulationsschwierigkeiten hat oder sich zu einem Schreibaby entwickelt. Den Tipp, Ihr Kind zu pucken und tagsüber auch viel im Tuch zu tragen, ist sicher auch so gut. Auch ein Lagerungskissen kann Ihrem Kind zusätzlich helfen, im Bett etwas mehr Begrenzung zu erfahren, die er ja jetzt so auf Ihrem Bauch bekommt. Sofern er erkältet ist, empfiehlt es sich zudem, den Oberkörper auch etwas höher zu lagen.

Abraten würde ich persönlich sehr vom ständigen Schuckeln und dem "Weißen Rauschen". Natürlich ist es ok, wenn Sie leise zu Ihrem Kind "sch-sch-sch" sagen und es sanft wiegen, um es zu beruhigen. Doch das Etablieren einer permanent begleitenden Geräuschkulisse zum Einschlafen etwa durch einen laufenden Fön, Staubsaueger etc. und starke Bewegungsreize durch etwa Wippen auf einem Pezziball - so wie es mancherorts empfohlen wird - führt zwar kurzfristig zu Erfolg. Langfristig wird Ihr Kind sich aber daran gewöhnen, nur mit Schuckeln und diesen Geräuschen einzuschlafen und diese auch entsprechend einzufordern, wenn er zwischendurch wach wird bzw. wird wach werden, wenn Sie damit aufhören. Dies kann zu einem regelrechten Teufelskreis führen, in dem Ihr Kind immer mehr überreizt.

Der Schlüssel zu mehr Ruhe führt daher auch nur über weniger Reize. Im Alltag mit so kleinen Kinder heißt das ca. alle 1,5 Stunden eine Ruhepause einführen, auch wenn Ihr Kind noch keine eindeutigen Müdigkeitssignale zeigt. Sorgen Sie in diesen Zeiten für etwas Reizabschottung (kein Fernseher, Radio, Zimmer / Kinderwagen etwas abdunkeln etc.). Ihr Kind muss nicht schlafen, sollte aber Gelegenheit haben, etwas runterzukommen. Sie dürfen nicht vergessen - selbst Kleinigkeiten wie Autofahren, Musik etc. sind starke und neue Reize, die Ihr Kind verarbeiten muss. Sie müssen ihn nicht vollkommen abschotten, doch diese Reize wohl dosieren.

Sorgen Sie für Rituale und einen möglichst gleichförmigen Tagesablauf. Gut für Sie beide ist, wenn Sie etwa jeden Morgen raus zum Spazieren gehen, dann sich etwas hinlegen. Überlegen Sie sich, wie Sie den Nachmittag gestalteten können, um es für Sie beide angenehm zu machen und sorgen Sie dafür, dass am späten Nachmittags nicht mehr so viel Aufregendes passiert. Abends können Sie ihr Kind dann vorm Schlafen baden oder eine kleine Massage durchführen etc. So kann sich Ihr Kind schneller in einen 24-Rhythmus einfühlen.

Ansonsten: wenn alles nichts hilft und die Unruhe- und Schreiphasen sich verschlimmern, zögern sie nicht, deswegen professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dafür muss sich niemand schämen und es ist besser, früher vielleicht ein,zwei Termine in Anspruch zu nehmen , als so lange zu warten, bis sich das Problem auf so viele Lebensbereiche ausgeweitet hat, dass alle am Rande des Zusammenbruchs stehen.

Ich drücke Ihnen auf jeden Fall die Daumen, dass Sie und Ihr Sohn so oder so schnell zu mehr Ruhe finden!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 23.11.2015, 09:52 Uhr

 
 
Unten die bisherigen Antworten. Sie befinden sich in dem Beitrag mit dem grünen Pfeil.
Die letzten 10 Beiträge
Mobile Ansicht

Impressum Über uns Mediadaten Nutzungsbedingungen Datenschutz Forenarchiv

© Copyright 1998-2021 by USMedia.   Alle Rechte vorbehalten.