Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

Schreien lassen?

Liebe Frau Dr. Bentz,

Ich wende mich an Sie, weil ich nicht sicher weiß, wie ich mich meiner Tochter gegenüber verhalten soll. Vllt. Darf ich kurz ausholen, um unsere Situation zu beschreiben. Die Kleine hat in den 1. 3 Monaten viel geschrien und war sehr schnell überreizt. Haben wir aber ganz gut hingenommen mit Ruhe und Tragen etc. Abends haben wir sie leider brüllend ind den Schlaf tragen müssen, weil nichts half. Dann kam eine lange Zeit des Einschlafstillens. Ritual ab 19 Uhr mit umziehen, essen, dann ins Schlafzimmer, ein Gedicht, ein Lied, Busen, Ruhe. Das klappte bis vor ungefähr 2 bis 3 Wochen. Sie ist 10 Monate alt und beginnt gerade das Laufen. Seitdem ist die kleine müde, gähnt, will zu mir als Mama...aber sobald wir das Schlafzimmer betreten ist Krawall. Meist wird sie aufgekratzt und will rumhüpfen und sich überall hochziehen. Von der Brust dreht sie sich weg, zappelt. Lege ich sie hin, steht sie auf oder weint. Ich versuche sie ub ihrem Bett zu lassen, motzen, nörgeln und jammern begleite ich mit Liedern oder ruhigen Worten. Ich streichle sie. Wenn sie dann bereit ist, kommt sie an und wird dann doch noch zum Einschlafen gestillt. Das macht mir nichts aus. Dauert knappe Stunde. Ist das OK so? Hauptsächlich scheibe ich, wei mich d er heutige Abend sehr verunsichert hat. Die kleine war schon eingeschlafen.... ausnahmsweise sehr schnell und nochmals aufgewacht. Ich bin zu ihr und habe versuxht sie schnell in den Schlaf zu bringne, sie war immer so halb weg. Dann hat sie blöderweise ein tragbares Nachtlicht, dss sie sehr liebt, das auf dem Bett lag, mit ihrem Händchen berührt und wollte es haben - wirde wacher. Also habe ich es ihr abgenommen. Und plötzlich brach sie in verzweifeltes Geschrei aus. Habe sie versucht tragend zu beruhigen aber sie hat sich so in meine Arme gehängt, dass ich sie nicht packte. Also wieder aufs Bett. Habe beruhigend gesprochen, versucht zu trösten. Nix. Sie war richtig verzweifelt am heulen. Irgendwann konnte ich es nicht lehr ertragen, habe sie an mich gezogen und zwischen meinen Beinen sitzen lassen, mit ihr gesprochen. Dann ging es langsam. 2x ist sie nochmal uns arge weinen gekommen, weil sie die Bändel meiner Kapuze nicht haben durfte. Ich wollte ja dass sie schläft und nicht spielt. Das ganze hat etwa bis zum erneuten Schlafen 50 Minuten gedauert, geweint hat sie vllt die halbe Zeit. Es war ein Kampf und sie tat mir so leid!
Ich weiß, dass sie sich soforr beruhigr hätte, hätte ich sie abgelenkt. Mit etwas interessantem zum Spielen, hätte ich das Licht angemacht oder wäre ich mit ihr aus dem Zimmer. Aber ich wollte nicht, dass das Thema Schlafen vorerst beendet wird. Ich war nicht genervt in der Situation und konnte sehr ruhig jnd stabil für sie da sein - trotzdem frage ich micj, ob meine Vorgehensweise ok war. Ab wann sollte sich ein Kind selbst beruhigen können und wie kann ich meine Tochter unterstützen dies zu lernen? Derzeit gehöre ich zu den Mamas, die alles tun, damit das Kind nicht schreit oder möglichst schnell wieder damit aufhört. Ich flitze immer sofort und tröste - eben auch bei Frustration oder Ärger. Nach der Aktion heute Abend frage ich mich allerdings, ob das so richtig ist oder ich der kleinen die Möglichkeit nehme zu lernen wie Beruhigung selbsr geht. Wo ist die Grenze zum "nicht fürs Kind da sein "? Bisher habe ich versucht sehr stark bindungsorientiert zu handelt.

Noch eine zweite Frage: Stillen war eigentlich tagsüber abgehakt und nur noch abends und 1x nachts Thema. Eben auch seit 3 Wochen verlangt die Kleine sich wieder viel mehr die Brust und Krabbelt mir ins Shirt. Gleichzeitig darf Papa im Moment gar nichts und wird allenfslls geduldet. Zu anderen Personen geht sie aber gern. Für meine Mann kst das schwieirg zur ertragen und für micj anstrengend. Ist das einfach ein Entwicklungsschritt in Richtung "Nähe tanken, bevor ich mich von Mama weg traue"? Wie damit umgehen? Die Omas werden laut und meinen, man düefe dem Kind nicjmht gewähren den Vater abzulehnen.... es gehr insbesondere ums bettfein machen , was schon immer sein Part war. Im moment will sie dss von mir. Unsere Tendenz ist, Papa probieren lassen und wenn das Geschrei zu groß wird, übernehme ich. GUT? Zu wissen, was dahinter steckt und ob das eine normale Phase ist würde schon sehr helfen...

Sie sehen, bei uns ist es derzeit turbulent mit eigene Köpfen, die durchgesetzt werden wollen.... Eigentlich kommen wir sehr gut zurecht, bloß wüsste ich wirklich gerne, wie wir ihrem teils heftigem Protest oder Frust- Geschrei begegnen sollen. Willen geben und/ oder schnell ablenken? Oder muss sie durch, in Bezug auf Papa? Und wie mache ich das mit dem Protest beim Einschlafen, wenn so eine eingefahrene Situation nochmals vorkommt?

Vielen Dank im Voraus!

S.

PS bitte verzeihen Sie die tausend Tippfehler- ich schreibe auf meinem Telefon und habe Wurstfinger.... :-)

von Siegfriedstochter am 16.06.2016, 00:13 Uhr

 
 

Antwort:

Schreien "lassen"?

Liebe Frau Bentz,

ich schreibe nochmals, weil wir eine auffällig schlechte Nacht hinter uns haben. Meine Tochter ist zwar grundsätzlich eine, die nicht durchschläft und nachts auch einmal an die Brust will, aber letzte Nacht war es abschnittsweise stündlich mit viel weinen und ohne Busen ging nichts. Sie wollte quasi Dauernuckeln und hat auch den Schnuller als Ersatz nicht akzeptiert, was sie sonst nach kurzem Trinken tut.
Jetzt habe ich natürlich doppelte Zweifel ob mein sie "alleine" lassen in ihrer müden Verzweiflung OK war, oder ob ich sie damit traumatisiert habe.
Ich war ja aber die ganze Zeit da und habe mit ihr geredet und teilweise auch geschmust. Nur habe ich eben nicht alles gemacht, was ich hätte können, um das Schreien zu kupieren - sprich die ganze Einschlaferei erstmal abbrechen. Ich bin traurig und unsicher. Ich möchte ihr so gerne alles geben, was sie braucht. Eben im Zweifel auch die Möglichkeit zu lernen sich selber zu regulieren. Wie gehe ich richtig mit diesem kleinen Menschen um, der mittlerweile vermehrt seinen Willen findet und teils eben auch gegen meine Entscheidungen rebelliert?

von Siegfriedstochter am 16.06.2016

Antwort:

Schreien "lassen"?

Hallo , die kleinen Mäuse brauchen dich als Mama nach wie vor im ersten Jahr sehr intensiv .Auch darüber hinaus .Ein 10 Monate altes Baby muss nicht im geringsten alleine einschlafen .Unser Sohn ist 9 Monate , wacht jede Nacht 5 mal auf und ist ein Dauernuckler.Aber er braucht seine Mama und deshalb bin ich immer für ihn da .Schreien lassen ist sehr schädlich für die kleinen und verursacht großen Stress...Ich frage mich ,ob ihr vielleicht etwas zu unruhig mit eurer kleinen seid , oder ob etwas medizinisches im Raum steht , wenn sie so lange benötigt um einzuschlagen. Besucht doch mal einen Osteopathen.Das rate ich jeder Mami. ...Sei weiterhin für die kleine da .Sie hat jetzt auch einem wachstumsschub. In diesem Zeitraum lernen die kleinem so viel und kommen mit dem neu erlernten nicht klar.Liebe Grüße

von Franzi1993 am 17.06.2016

Antwort:

Schreien "lassen"?

Liebe Siegfiredstochter!


vielen Dank für Ihren ausführlichen Beitrag. Ich denke, auch andere Eltern finden sich in dem Beschriebenen wieder und sind ebenso verunsichert.

Moderne, bindungsorientierte Erziehungsideale machen es in vielen Situationen für Eltern nicht gerade leicht. Im Gegensatz zu früher, wo Schreienlassen nicht nur als eine legitime, sondern auch als notwendige Erziehungsmaßnahme galt, wäre die Antwort auf Ihre Frage eben sehr einfach gewesen. Sie wiederum wissen um die Bedeutung von Bindung, wollen bedürfnisorientiert und feinfühlig auf Ihr Kind eingehen und merken aber, dass Sie trotzdem an Grenzen geraten und auf Schwierigkeiten stoßen. Das kann sehr frustrierend sein und ich höre dann immer wieder Dinge wie „ich habe doch immer alles für mein Kind getan. Es nie schreien lassen und doch klappt dies oder jenes nicht…“

Doch hier liegt ein Denkfehler vor. Das Vorhandensein von Problemen heißt nicht gleich, dass ein Erziehungsproblem oder ein falscher Umgang mit dem Kind vorliegt u.u. Schafprobleme sind grundsätzlich für kleine Kinder nicht ungewöhnlich. Dass sie bei Ihrer Tochter auftreten, müssen Sie sich also nicht zum Vorwurf machen. Gleichwohl lohnt es sich natürlich immer zu gucken, ob man durch etwas die Probleme aufrechterhält oder verschärft. Und hier gibt es einen kleinen, aber feinen Unterschied. Häufig höre ich das Argument, dass es bindungs- und bedürfnisorientiert sei, Schlafprobleme als gegeben hinzunehmen, weil sie „natürlich“ seien und zum Großwerden quasi dazugehörten. Man müsse nur abwarten, Geduld haben und dann wachse sich alles aus. Doch dieser Argumentation mag ich nicht folgen. Probleme sind da, um sie zu lösen. Und wenn ein Kind ein „normales Problem“ mit dem Schlafen hat, kann ich Dinge tun, um die Situation zu verbessern. Die Mittel sind dabei eben keinesfalls auf Schreienlassen begrenzt.

Tatsächlich habe ich den Eindruck, dass weniger Aktion und Durcheinander Ihnen beiden gut tun würde. Statt immer wieder neu zu reagieren, dies zu machen, jenes zu versuchen, würde ich bei einer Sache bleiben, auch wenn dies heißt, dass Ihre Tochter dann mal weint. Sie sind ja bei ihr und geben ihr die Nähe, die sie braucht. Sie vermuten es ja selbst, manchmal kann man auch in einer Art „vorauseilendem Gehorsam“ zu schnell reagieren und immer wieder dem Kind Ablenkung und eine neue Beruhigungshilfe anbieten, so dass es gar nicht die Möglichkeit hat, sich selbst mal runterzufahren.

Natürlich ist dies ein Balanceakt wobei sich mit zunehmendem Alter das prompte Reagieren mehr zu einem stützenden „Ich bin da, wenn du mich brauchst“ werden sollte. Fehlt dieser Schritt und fehlt das Zutrauen in die zunehmenden Fähigkeiten des Kindes kann keine Entwicklung stattfinden – auch beim Schlaf. Ihre Kleine ist noch sehr jung, aber eben auch kein Neugeborenes mehr. Sie können und sollten ihr also auch mehr zutrauen. Muss Ihre Kleine durchschlafen und selbstständig einschlafen? Nein, doch die Entwicklung sollte in die richtige Richtung gehen. Ein dauerhafter Stillstand oder gar eine Negativentwicklung sind eben nicht hinzunehmen. Hier sollten wir Eltern – selbstverständlich unter Berücksichtung des Alters und der individuellen Besonderheiten – und ruhig trauen, das Ganze in die Hand zu nehmen und aktiv zu beeinflussen und nicht bloß abzuwarten.

Doch was können Sie tun? Ich würde vorschlagen, Sie sehen sich mal die Beiträge zum begleiteten Weinen an. Für mich ein Kompromiss aus lerntheoretischen Ansätzen zur Schlafförderung und bindungsorientiertem Vorgehen, von dem ich mir vorstellen könnte, dass er für Sie tragbar sein könnte.
Ansonsten: zweifeln Sie nicht so an sich! Sie können und müssen gar nicht immer alles richtig machen und dürfen auch unsicher sein. Und wenn Sie dann mal was machen, was nicht so im Lehrbuch steht und es funktioniert, wen stört’s…

Ich bin mir sicher, dass Sie Ihren Weg finden und wünsche dafür alles Gute!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 18.06.2016

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