Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

Schreibaby

Hallo Frau Bentz,
Meine kleine ist 11 wochenalt und ist nur am weinen trotz das sie frische windel halt satt ist und aufgestoßen hat...sie weint nur und bis sie einschläft ist wieder ein problem nur am weinen sie weint wie am spieß...musik, föhn , singen , reden beruhigt sie alles nicht und irgenwann um 00-1 uhr schläft sie ein...bis dahin sind mein partner und ich am ende mit den nerven was kann ich machen oder warum könnte sie weinen ?

von Yase1611 am 05.04.2016, 22:59 Uhr

 
 

Antwort:

Schreibaby

Haben Sie schon an ein Dondolo gedacht? Bei uns hat das immer geholfen. Es brauchte eine gewisse Angewöhnung, d.h. minutenlanges wippen, aber plötzlich war es so, dass wir unseren Sohn dort rein legten und ein bisschen wippten und dann war er die Zufriedenheit in Person. ob wach oder schlafend :-)
wirklich zu empfehlen.

von dya2013 am 08.04.2016

Antwort:

Schreibaby

Liebe Yase1611,

Leider ist das Ganze nicht so einfach: Kinder schreien nicht nur wegen einer vollen Windel oder Hunger. Sie drücken durch Ihr Schreien auch Dinge wie Unruhe, Überforderung, Irritation, Unwohlsein, Schmerzen uvm. aus. Nicht immer ist ein Grund für uns als Eltern, aber auch für Ärzte und Hebammen und andere Fachleute klar ersichtlich – zumindest wenn ehrlich ist. Die Frage, warum Ihr Kind schreit, wird man Ihnen also nicht immer mit Sicherheit beantworten können. In der Forschung spricht man in Bezug aus exzessives Säuglingsschreien von einer Ursachentrias: d.h. es gibt (1) Faktoren beim Kind (Gene, Temperament, Reifung, Reizhunger etc.), (2) bei den Eltern (schwierige Schwangerschaft, Ängste und andere psychische Belastungen wie Stress etc.) und (3) problematische Muster in der Eltern-Kind-Interaktion.

Das kling jetzt vielleicht furchtbar kompliziert, doch das was wirklich wichtig ist für Sie sind folgende Punkte:

- Das Schreien hat selten einen Grund, sondern ist der Ausdruck einer Schwierigkeit, die hochkomplex ist. Im Einzelfall lässt sich im Nachhinein niemals genau festlegen, was wirklich den Ausschlag gab. Wir haben es hier oft mit einem klassischen Henne-Ei-Problemen zu tun: Was war zuerst da? Das Schreien oder die Paarkonflikte, das Schreien oder die ungünstigen Muster beim Beruhigen und Schlafen legen, das Schreien oder die depressive Verstimmung der Mutter etc.Es geht daher auch niemals um Schuld –werde beim Kind noch bei den Eltern

- Es geht auch nicht darum, wer was falsch macht. Studien belegen., dass Eltern von Schreibabys ebenso feinfühlig wie andere Eltern sind. Sicher werden Sie Fehler machen, doch die machen andere Eltern auch- haben nur vielleicht ein Baby, was nicht so sensibel auf diese Dinge reagiert.


Was also können Sie tun? Um diese Frage zu beantworten, wurden ganze Bücher geschrieben. Es gibt aber generell ein paar Dinge, die grundsätzlich empfehlenswert sind:

- Regelmäßige Ruhepausen (ruhig alle 1,5 h) und Vermeidung von Überreizung

- Nicht ständig etwas Neues zum Beruhigen ausprobieren. Beruhigen kommt von Ruhe, deshalb sollte Überstimulation / Ablenkung beim Schlafen legen vermeiden, also bitte keinen Fön, kein Wippen auf dem Pezziball, kein Autofahren etc. Wenn Ihr Kind müde ist, brauch es einfach eine Pause. Ablenkungen sorgen zwar kurzfristig dafür, dass ein Kind nicht mehr weint, verhindern aber langfristig, dass es das bekommt, was es braucht, nämlich Ruhe. Immer neue, intensivere Reize überfordern ein Kind zudem – ein Teufelskreislauf…

- Für einen stabilen Tag-/ Nachrhythmus sorgen (soweit das eben bei einem jungen Kind möglich ist)

- Reagieren beim ersten Signal von Müdigkeit und Hunger reagieren. Ist ein Kind erst sehr müde und/ oder hungrig, ist es manchmal einfach schon so weit über den Punkt, dass gar nichts mehr geht.

- Alles was sie tun, müssen Sie nicht nur einmal, sondern immer wieder ausprobieren, um zu sehen, ob es Erfolg hat. Eine einmaliges Misslingen hat überhaupt keinen Aussagewert! Gegen Sie Ihrem Kind die Chance, sich an Dinge zu gewöhnen! Das geht nur über Wiederholungen. Faustregel: mindestens 14 Tage müssen Sie durchhalten. Wenn mal was nicht klappt: abhaken und beim nächsten Mal wieder probieren und eben nichts Neues starten. Weniger ist mehr!

- Sorgen Sie für ausreichend Entlastung und Unterstützung für sich. Das ist die beste Voraussetzung, um Teufelskreise zu verhindern und schwierige Phasen, die nahezu jedes Kind hat, ohne Panik und verzweifelte Schnellschussreaktionen zu überstehen.


Ansonsten hilft Ihnen vielleicht das Stöbern in diesem Forum oder Sie wenden sich bestenfalls gleich an einen Kollegen vor Ort (Schreiambulanz, Sozialpädiatrisches Zentrum, Früherkennungszentrum etc.). Weitere Hilfe erhalten Sie bei den Frühen Hilfen, dem Kinderschutzbund, dem Jugendamt etc. Nur keine Scheu oder falsche Scham! Der Alltag mit einem Baby ist nicht einfach, zumal in der heutigen Zeit die Unterstützung innerhalb der Familie oft nicht vorhanden ist. Dies wurde jedoch erkannt, so dass wirklich zahlreiche und gute Hilfsangebote existieren. Leider werden diese aber viel zu wenig von betroffenen Eltern in Anspruch genommen, obwohl sie vieles unnötige Leid verhindern können. Zudem bieten sie den Vorteil, wirklich neutrale Fachkräfte vor sich zu haben und eben nicht die Mutter/Schwiegermutter, die vielleicht ihre ganz eigenen Vorstellungen durchdrücken will und ein schlechtes Gewissen on top macht. Sie müssen da also nicht allein durch! Fragen Sie am besten mal Ihren Kinderarzt oder Hebamme, was es so in Ihrer Region gibt und lassen Sie sich unterstützen.


Ich wünsche Ihnen alles Gute und viel Kraft!

von Dr. Meike Bentz am 11.04.2016

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