Dr. rer. nat. Meike Bentzs

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Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

Schlafstörungen 13 Monate

Hallo,
ich lese sehr oft und gerne in Ihrem Forum und konnte immer etwas mitnehmen. Nun ist es leider an der Zeit selbst zu fragen. Ich habe bereits eine große Tochter, mit der mir solche Probleme unbekannt waren. Nun geht's um meine 13-monate alte Tochter. Nach schwierigem Anfang mit Intensivstation und 4!-Monatskoliken hatte sich inzwischen ein wunderbarer Schlafrhythmus von etwa 12 Std ergeben. Vor einiger Zeit begann das Einschlafen am Abend, mittags ging es relativ gut, schwierig zu werden, mit sehr viel Theater. Sie bekommt die Flasche zum Einschlafen, ist erst seit zwei Monaten abgestillt, und ich wiege sie in den Schlaf.
Seit ein paar Tagen schläft sie zwar kurz ein, aber nach einer halben Stunde wacht sie auf und macht noch mindestens 3 Stunden großes Theater. Lässt sich nicht von mir beruhigen, jegliche Versuche scheitern. Irgendwann ist sie so müde, dass sie erschöpft einschläft. Es geht mir sehr an die Substanz. Ich hatte erst an Schmerzen gedacht, aber selbst Nurofensaft zeigte keine Wirkung. Wenn ich dann zum Beispiel ausnahmsweise den Fernseher angemacht habe, weil ich nicht mehr weiter wusste, war sie beruhigt, der nächste Versuch ging natürlich wieder schief, sie zum schlafen zu bringen. Das sehe ich auch nicht als Lösung.
Es könnten durchaus die Zähne sein, oder doch ein Entwicklungsschub?!???
Ich weiß einfach nicht, wie ich ihr helfen kann.
Können Sie mir einen Rat geben?
Vielen Dank im Voraus!

von Malus79 am 10.12.2015, 00:55 Uhr

 
 

Antwort:

Schlafstörungen 13 Monate

Liebe Malus79!

zunächst einmal freut es mich, dass Ihnen das Forum gefällt! Wenn das zweite Kind solche Schwierigkeiten hat, ist das für die Betroffenen häufig besonders schwierig, weil man ja eher damit rechnet, dass beim zweiten Kind eher alles einfacher wird. Zusätzlich kann man dann die Energie für das zweite Kind kaum noch kompensieren, da ja auch ein weiteres Kind betreut werden muss. Ich kann mir also vorstellen, wie schwierig die ersten Monate waren und gleichzeitig Ihre große Freude über den wunderbaren Schlafrhythmus gut nachvollziehen.

Letzteres ist auch etwas, was hier sehr ins Gewicht fällt und als sehr positiv zu bewerten ist. Natürlich sind Tage, wie Sie sie jetzt erlebt haben, zermürbend, doch Sie haben schon eine solide Basis, auf der Sie aufbauen und wirklich viel geschafft! Es gibt daher auch kein Grund zur Panik! Solche Phasen können immer mal wieder auftreten und haben auch bei ehemaligen Schreikindern meist gar nicht viel zu sagen. Vor allem bedeuten sie nicht zwangsläufig einen Rückfall. Rückfälle, die vom Kind allein ohne klaren Grund (ohne Erkrankung, große Veränderungen etc) ausgehen, sind eher selten. Viel häufiger ist dagegen zu beobachten, dass Eltern durch ängstliche Überreaktionen Rückfälle provozieren. Dies ist mehr als verständlich, wenn man einmal so eine harte Zeit durchgemacht hat und dann einfach panisch reagiert und eben alles macht, damit das Schreien nicht wieder beginnt. Sie sagen ja selbst, Fernsehen zum Einschlafen kann keine Dauerlösung sein. Natürlich kann es mal bei einer nicht aufhörendem Schreiattacke sinnvoll sein, den Kontext zu wechseln bzw. mit dem Kind die Situation zu verlassen (Schreien im Bett) und etwas anderes zu tun. Einmal kurz aufm Arm einen Rundgang machen. Doch dies gilt für Akutzustände und sollte kein Abendprogramm werden.

Was mir bei Ihrer Kleinen in den Sinn kam, ist Folgendes:
Ist sie abends wirklich müde? Oder würde es Ihrem Gefühl Sinn machen, Sie vielleicht einfach 1 Stunde später ins Bett zu legen bzw. den Mittagsschlaf zu verkürzen? Ein wichtiger Hinweis könnte ihre Laune am nächsten Tag sein. Wirkt sie trotz der fehlenden drei Stunden Schlaf fit und ausgeglichen, hat sie vielleicht einen Sprung gemacht und braucht nun einfach weniger Schlaf.

Wenn Sie dagegen schon gleich (nicht erst nach drei Stunden Schreierei) überreizt und müde wirkt, kann das genaue Gegenteil hilfreich sein, sprich früheres Einleiten des Abends und früheres ins Bett legen.

Ansonsten würde versuchen, beim Einschlafen das Tragen schrittweise abzubauen. Es ist wichtig, dass Ihre Tochter keine Bewegungsreize braucht, um in den Schlaf zu finden. Ansonsten kann es eben dazu kommen, dass sie nach (normalen!) nächtlichen Aufwachen, was sonst gar nicht bemerkt werden würde, einfach schreit, weil dieser Reiz fehlt. Wie das gelingen kann, dafür gibt es keine allgemeingültige Empfehlung. Machen Sie das in den Schritten, in denen Sie sich wohlfühlen und die sich sie beiden zutrauen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und spätestens zu Weihnachten einen besseren Sandmann!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 14.12.2015

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