Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

Antwort:

Regulationsstörung oder Gewöhnung

Liebe Lifie,

es tut mir leid, das zu hören. Leider kann ich an dieser Stelle immer nur allgemeine Empfehlungen oder Tipps geben - eine Beratung kann ich jedoch nicht ersetzen.

Es wäre aus meiner Sicht daher ratsam, nicht mehr länger allein herumzudoktern. Ich würde Ihnen raten, sich an ein Sozialpädiatrisches Zentrum oder Früherkennungszentrum zu wenden, um sowohl die ärztliche als auch die psychologische Seite abgedeckt zu haben. Möglicherweise wird man dann ein Schlaflabor machen, d.h., gucken, ob es irgendwelche organischen Auffälligkeiten gibt, in dem man EEK, EKG, Sauerstoffsättigung usw. mal nachts beobachtet und ein großes Blutbild macht. Es gibt verschiedene neurologische Erkrankungen, Herzerkrankungen und Stoffwechselstörungen, die Schlafprobleme verursachen können. Diese sind zwar selten, doch wenn man nicht weiter kommt, sollte man noch mal einen Schritt zurückgehen und alles unter die Lupe nehmen. Unter stationären Bedingungen ist es dann einfach möglich, viel gründlicher und umfassender zu gucken.

Das begleitete Weinen ist letztendlich nur eine Einzelmaßnahme, die nicht greifen kann, wenn die Voraussetzungen für gesunden Schlaf fehlen, also kein Rhythmus entwickelt wurde, der Schlafbedarf nicht zu den Bettzeiten passt, ein Kind zu müde oder zu wach ist, um zu schlafen etc. Die Hauptarbeit liegt also am Tage, nicht erst beim Einschlafen und die Basis für das weitere Vorgehen sollte auch hier eine sehr gründliche, professionelle Analyse sein.


Dennoch, auch wenn ich Ihnen dringend rate, sich professionelle Hilfe vor Ort zu holen, besteht kein Grund zur Panik! Es ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht und es gibt noch viele Möglichkeiten, zu einer Besserung zu gelangen. Abwarten bis ins Kleinkind alter sollte man allerding nicht, denn es zeigt sich in verschiedenen Langzeitstudien deutlich, dass frühes Intervenieren sinnvoll ist, um späteren Schlafproblemen vorzubeugen.

Was die Tagesmutter betrifft, so wäre ich hier kritisch. Was versteht sie unter „selbstständigem Schlafen", wie legt sie die Kinder ins Bett, was macht sie, wenn ein Kind weint etc. Eine Tagesmutter, die so junge Kinder betreut, sollte wissen, dass das Thema Schlaf in diese Alter nicht problemlos klappt und über entsprechende Kompetenz verfügen. Hat sie diese nicht und erwartet pflegeleichte, problemlose Kinder ist sie möglicherweise nicht die Richtige für Ihre Situation. Diesen Druck können Sie nicht auch noch gebrauchen. Davon abgesehen klappt es mit dem Schlafen in der Fremdbetreuung oftmals besser als zu Hause. Die Kinder können schon sehr genau zwischen verschiedenen Bezugspersonen differenzieren und können sich auf unterschiedliche Kontexte gut einstellen. Vorausgesetzt sie sind gesund und prinzipiell dazu in der Lage - womit wir wieder beim ersten Punkt wären...

Also, ran ans telefon und einen Termin vereinbaren und nicht entmutigen lassen. Ihre Tochter ist noch sehr jung, da ist noch kein Kind in den Brunnen gefallen!

Alles Gute weiterhin!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 11.07.2016, 14:02 Uhr

 
 
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