Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

Antwort:

Nuckel

Liebe, Sonnenblume,

Sie müssen sich nicht entschuldigen! So aber kann ich viel präziser antworten:

Zunächst warum tut ihre Tochter das?

Nun ja, leider können wir sie ja nicht direkt fragen. Doch ist es sehr wahrscheinlich, dass sie das Einschlafen sehr mit dem Schnuller verbindet. So sollte es ja auch sein, denn Sie haben ihr ja den Schnuller auch als Hilfe zur Beruhigung angeboten. Nun kann es aber sein, dass diese Verknüpfung etwas zu eng geworden, spricht der Schnuller ist für das Schlafen unverzichtbar geworden. Mehr wie etwa "Sehnsucht" oder gar Bindungsverhalten oder Ähnliches würde ich nicht hinein interpretieren. Es handelt sich meiner Meinung nach schlicht um eine Gewohnheit, die nun lästig geworden ist und gesunden Schlaf für sie beide verhindert.

Mit diesen Problemen sind Sie nicht allein! Viele Eltern berichten, wie der Schnuller anfangs noch gut funktioniert hat um dann quasi zur Sucht zu werden. Sie müssen sich jedoch keine Vorwürfe machen, nicht immer haben wir alles in der Hand, und auch ihre Tochter kann ja nichts dafür-sie sieht ja die negativen Folgen nicht kennt es nicht anders. Selbst wenn es ausgesprochene Schnuller-Gegner gibt, bin ich nicht grundsätzlich gegen ihren Einsatz, da er für viele Kinder tatsächlich eine gute Beruhigungshilfe darstellt und seit neusten sogar in den Katalog der Präventionsempfehlungen gegen den plötzlichen Kindstod aufgenommen wurde. Eine Verhaltensänderung beziehungsweise ein Abgewöhnen ist nervig, aber machbar. Es kostet nur etwas Geduld und Konsequenz!

Meine Empfehlung: Geben Sie Ihrem Kind den Schnuller abends nur zum einschlafen. Verliert sie ihn danach, reichen Sie ihn nicht erneut. Trösten Sie Ihre Tochter denn sicher wird ihr der Schnuller fehlen. Ein schrittweises Vorgehen halte ich aber in diesem Fall nicht für sinnvoll, da es ihre Tochter verwirren wird, wenn sie nachts den Schnuller manchmal aber nicht eben immer bekommt. Eine sinnvolle Abstufung sehe ich hier nicht. Wenn sie aber konsequent darauf verzichten, nachts den Schnuller immer wieder zu geben, wird sie langfristig lernen,sich auch anderweitig zu beruhigen. Als geliebtes Einschlafritual zum Einleiten der Nacht ist er ja vorher auch noch o.k.

Davon unabhängig stimme ich Ihnen zu, eine gleichzeitige Änderung des Bettchens wäre vermutlich eine Überforderung. Hier sollten Sie Prioritäten setzen. Wenn Ihnen das Schlafen im eigenen Bett zunächst wichtiger ist, ändern Sie das zuerst und gewöhnen dann den Schnuller ab. Oder eben umgekehrt.

Diese Zeit wird für Sie beide so oder so nicht ganz einfach. Doch wenn Sie sich darauf einstellen und immer wieder bewusst machen, dass dieser Zeitraum begrenzt ist, wird es sicher leichter. Außerdem macht es in solchen Situation in immer Sinn, sich gut mit dem Partner abzustimmen, für möglichst viel Entlastung zu sorgen und nicht auch noch weiterer anstrengende Baustellen zu bearbeiten. Wenn Sie also besondere Aufgaben oder Termine haben, ist das ein eher ungünstiger Zeitpunkt. Und bei aller Konsequenz: weder für Sie noch für ihr Kind sollte so etwas zu einer Leistungsprüfung werden. Unnötiger Druck und überzogene Erwartungen machen nur Stress und verhindern dass Sie die nötige Ruhe für die Verhaltensänderung mitbringen. Veränderungen brauchen Zeit und Rückschritte sind normal.

Ich wünsche Ihnen abschließend ganz viel Erfolg und bald ruhigere Nächte!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 17.11.2015, 11:14 Uhr

 
 
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