Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

Musik ganze Nacht durch?

Guten Morgen Frau Bentz,

meine 10 Monate junge Tochter ist eine schlechte Schläferin. Am 7.11 haben wir deshalb einen Termin in der Klinik wegen der Regulationsstörung.

Sie wird nachts mind 3x wach, eher mehr (bis zu 15x) und braucht dann zum Einschlafen meine Hilfe (5-60Min).

Zusätzlich ist sie sehr geräuschempfindlich, sie hört alles und wird oft davon wach. Mein Mann braucht nur 3 Zimmer weiter ein Fenster zu kippen, oder zu niesen, da ist sie oft wach.

Mit 6 Monaten ist sie ins KiZi gezogen und so schlafen alle besser. Nur das Manko daran ist, dass es 3x die Woche ein Markt vor dem Haus statt findet und sie gegen 5h dann davon geweckt wird. Eigentlich ist davon die ganze Wohnung betroffen, also überall zu laut.

Ist es sinnvoll, eine leise Hintergrundmusik laufen zu lassen, damit sie besser schläft? Ich bin echt am verzweifeln. Ich habe in den 10 Monaten 3 Nächte durchgeschlafen, aber meist habe ich nur 1-2 Std am Stück.

Das schlaucht ungemein und ab Januar muss ich arbeiten. :(

Ich bin auch eher ruhig und rede zwar viel am Tag mit ihr, aber habe kaum Radio oder so laufen.

Ist es gesund für Babys ganze Nacht Geräusche zu haben? Was wäre eine Möglichkeit, sie an den Lärm zu gewöhnen? Von alleine schafft sie es wohl nicht.

Vielen Dank
Valentina

von Valentina_Sunny am 27.10.2015, 06:19 Uhr

 
 

Antwort:

Musik ganze Nacht durch?

Ich habe mich durch das Forum etwas durchgelesen, um vielleicht noch andere Tipps zu bekommen und muss sagen, dass Sie hier eine tolle Arbeit leisten!

Sie gehen wirklich auf die Fragen ein - leider ist das nicht in jedem Forum hier so. Was nützt uns eine verallgemeinerte Antwort, wenn sie zu der Situation gar nicht passt.

Super! Man fühlt sich direkt getröstet und abgeholt.

Dankeschön

von Valentina_Sunny am 27.10.2015

Antwort:

Musik ganze Nacht durch?

Liebe Valentina_sunny,

prima, dass Sie sich nicht gescheut haben, Hilfe zu holen! So häufiges Aufwachen mit diesen langen Wiedereinschlafbemühungen sind auf die Dauer nicht nur für alle anstregend, sondern auch in einem "ungesunden Rahmen".

Zu Ihrer Frage:
Das mit der Hintergrundmusik ist augenscheinlich plausibel und könnte kurzfristig vielleicht auch helfen, mittel- und langfristig sind solche Dinge aber genau das, was dazu führt, dass die Schwierigkeiten Ihrer Tochter sich nicht bessern und weiter verfestigen.
Ich würde dringend dahon abraten:

1. ist es wichtig, dass Ihre Tochter lernt, dass Ein-und Durchschlafen nicht an bestimmte Reize zu koppeln, die sie dann auch immer einfordert. D.h. Sie gleitet beim Schlafen in einen wachren Zustand (das an sich ist normal) - der Reiz (Musik, Umhertragen, Singen etc.) fehlt - sie wird richtig wach - und fordert den gewohnten Reiz

2. Gerade wenn Ihre Tochter sensibel auf Reize reagiert, sollte darauf geachtet werden, dass Beruhigungsversuche nicht noch weiter starke Reize bieten. Diese lenken zwar kurzfristig ab und das Weinen hört auf, weil das Kind dadaurch die Müdigkeit gedanklich wegdrücken kann, aber in Folge führen sie natürlich zu einem Teufelskreis aus Reizdarbietung - Überreizung - erneuter Reizdarbietung.

3. Wir alle haben irgendwann uns einen Filter aufbaut, der wichtige von unwichtigen Geräuschen unterscheidet. d.h. natürlich schlatet sich im Schlaf unser Gehör nicht ab, doch unser Hirn macht uns nur wach, wenn bedeutsame oder ungewohnte Geräusche wahrgenommen werden (etwa Schreien, wenn etwas lautes zu Boden fällt und zerbricht, Telefonklingeln etc.). Unwichtige Dinge, die nicht mit einer Gefahr verbunden werden (Wind, vorbeifahrende Autos, etc.) werden zum Hintergrundrauschen. Diesen Filter muss sich Ihre Tochter erst aufbauen und das kann sie nur durch Erfahrungen.

Was heißt das?

Natürlich braucht Ihr Kind auch regelmäßige Pausen und zum Schlafen ein ruhiges Umfeld. Aber nicht Totenstille und völlige Reizisolation! Die normalen Alltagsgeräusche müssen und sollten daher auch nicht reduziert werden. Ein Küchenkind, welches bei laufendem Staubsauger, Radio und rauschender Dunstabzugshaube friedlich schläft, wird Ihre Kleine sicher nicht, doch das muss ja auch absolut nicht sein und ist mehr eine Frage des Typs. Dennoch:Ihr Gehirn muss lernen, nicht bei jedem Geräusch hochzudrehen und das kann es nur durch die immer wiederkehrende Erfahrung, dass nichts Schlimmes passiert. Kann es diese Erfahrung aber nicht machen, weil Sie - natürlich ohne böse Absicht!! - versuchen Ihre Tochter immer mehr "in Watte" zu packen, wird es immer sensibel reagieren. Zudem ist es ja auch meist unmöglich für völlige Stille zu sorgen. Man tut den Kindern daher auch für ihr späteres Leben keinen Gefallen.


Das jetzt mal so vorab. Besprechen Sie auf jeden Fall auch diese Thematik in der Beratung! Die Kollegen können aufgrund einer indivuellen Diagnose Ihnen auch noch individueller helfen und alternative Wege aufzeigen.

Ich wünschen Ihnen viel Erfolg dabei und alles Gute,

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 29.10.2015

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