Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

Antwort:

Motziges Baby

Liebe Christl!

ich musste ein wenig bei Ihrer Beschreibung schmunzeln, den Begriff "turbobespaßt" werde ich mir merken!

Doch ganz im erst: Ein Baby, was einen derartig fordert, ist natürlich wirklich anstrengend! Da guckt man als Mutter schon mal neidisch auf die Buddha-Kinder, die den ganzen Tag fröhlich mit sich selbst beschäftigt sind und unbeirrt von allen Einflüssen ständig zufrieden mit sich und der Welt zu seien scheinen.

Doch wie bei uns Großen gibt es auch bei den Kleinen eben ganz unterschiedliche Temperamente. Eine gewisse Neigung (Disposition) zu mehr oder weniger Unruhe kann daher auch bereits durch die lieben Gene vorgegeben sein. Besonders kniffelig wird es dann, wenn man selber etwa ein sehr ruhebedürftiger Mensch ist, der dann ein Kind bekommt, was nach viel Aktion lechzt oder umgekehrt. Man spricht dann von "schlechter Passung". Gleichsam ist es so, dass mindestens ein ebenso großer Teil unseres Verhaltens gelernt ist, sprich nicht durch die Gene bestimmt, sondern durch die Umwelt beeinflusst ist.
Die Crux für Eltern ist nun
a) zu schauen, wie sie den Bedürfnissen Ihres Kindes gerecht werden und gleichzeitig dafür sorgen, dass
b) problematische Tendenzen nicht zusätzlich gefördert werden

Dies wäre etwa der Fall, wenn man einem aktiven, unruhigen Kind immer neue Reize bietet, um es abzulenken und zu beruhigen. Kurzfristig hilft das, langfristig kann so aus einem Temperatmentsbündel ein chronisch unruhiges, unzufriedenes Kind werden, was ständig Anregung von außen fordert, weil es nicht gelernt hat, seine Energie durch eigens Handeln positiv zu regulieren.

Das ist für Sie mit einem 5,5 Monate altem Kind natürlich noch sehr weit gedacht. Allerdings können Sie jetzt schon für gute Rahmenbedingungen sorgen, die Ihrer Kleine helfen, innere Spannungszustände mehr und mehr selbst zu lösen. Hierzu gehört aus meiner Sicht, dass keine Turbobespaßung rund um die Uhr erfolgt. Sie sagen es ja selbst, Ihre Kleine weint nicht immer völlig verzweifelt, sondern "motzt". Als Mutter können Sie das ja meist sehr leicht erkennen! Hier müssen Sie nicht sofort springen, sondern sollten Ihr die Gelegenheit geben, selbst "das Problem" zu lösen. Das bedeutet nicht, dass Sie sie einfach allein schreien lassen sollen. Doch wenn z.B. Ihre Kleine frustriert ist, weil sie nicht an ein Spielzeug kommt. und Sie gerade die Spülmaschine ausräumen, könnten Sie z.B. sagen "oh, du bist ärgerlich, dass du da nicht rankommst. Versuch noch mal! Ich bin hier gleich fertig und komm zu dir." Oder wenn sie mal gerade einen Tee trinken " Mama macht mal kurz eine Pause. Gleich spielen wir wieder." etc. Wenn Sie solche Situationen immer wieder im Alltag üben, wird das Ihrer Tochter sicher auf lange Sicht helfen, auf permanente Turbobespaßung zu verzichten.

Allerdings wird aus einem Temperamentsbündel höchstwahrscheinlich kein Buddhakind, und auch mit Phasen von verstärkter Unruhe ist bei kleinen Kindern immer zu rechnen - selbst wenn alles andere optimal läuft. Fazit: es ist jetzt weder ein stringentes "Erziehungspropramm" erforderlich, noch kann man erwarten, dass man als Eltern alles beeinflussen kann. Dennoch lassen sich sicher auch schon jetzt spielerisch die richtigen Weichen stellen.

Dabei wünsche ich Ihnen allen viel Spaß!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 23.11.2015, 10:38 Uhr

 
 
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