Dr. rer. nat. Meike Bentzs

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Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

Antwort:

Kind weint plötzlich beim einschlafen

Liebe Murmel5214,

die letzten vier Monate dürften für Sie alle recht schwierig gewesen sein. Viele Menschen, die sich trennen, machen sich große Sorgen und Vorwürfe, wie ein solches Ereignis die Entwicklung ihrer Kinder beeinträchtigen kann. Natürlich ist eine Trennung ein "bindungsrelevantes" Ereignis, es muss aber nicht zu einem "bindungsbelastenden" Ereignis werden. Zum Leben gehören eben leider nicht nur die schönen Momente und auch wenn wir unsere Kleinen gern vor allem schützen möchten, Krisen lassen sich nicht immer vermeiden. Von daher ist es auch entscheidender, wie mit ihnen umgegangen wird. Hier sind wir ein wichtiges Modell für unsere Kinder und können ihnen damit die wertvolle Erfahrung liefern, dass man trotz Konflikt und Streit noch resektvoll und partnerschaftlich miteinander umgehen kann.

Auch wenn wir es in unseren Köpfen als Ideal haben, eine sichere Bindung erfordert kein perfektes Leben und perfekte Eltern, sondern Eltern, die zeigen, dass sie da sind, sich interessieren, verlässlich kümmern und die kindlichen Bedürfnisse wahrnehmen und es respektieren.

Doch dies nur vorweg...

Was genau nun zu den Schlafproblemen Ihres Sohnes geführt hat, kann ich nicht sagen. Ihre Vernutung klingt jedoch plausibel, denn auch wenn ihr Sohn noch klein ist, betreffen die Veränderungen ihn ja ebenso und er muss sich - genauso wie Sie - erst orientieren. Gefühle der Trauer, Wut, Sehnsucht, Enttäuschung sind bei ihm zwar nicht so gedanklich verankert wie bei uns, aber auch er wird emotional betroffen sein und hat eben noch weniger Ausdruckmittel dies zu verarbeiten.

D.H. genauso wie Sie wird er einfach eine Zeit brauchen und diese Zeit sollte man ihm lassen. Die Botschaft sollte daher immer lauten, es ist ok, wenn du traurig, wütend oder ängstlich bist oder dir Papa fehlt, deshalb hab ich dich nicht weniger lieb. Unterstützend gibt es viele Bücher zu dem Thema Trennung zum Vorlesen auch für kleine Kinder, die Sie unterstützend nutzen können. Ahcten Sie jedoch immer auf seine Signale. Wenn er sich zurückzieht und abschalten, lassen sie ihn. Er wird im Laufe der Zeit und mit fortschreitender Entwicklung von selbst die Fragen stellen, die für ihn wichtig sind.

Viele Erziehungsberatungsstellen bieten zudem auch eine Beratung für Eltern in dieser Situation an - ein Maßnahme, die ich sehr sinnvoll finde. Vielleicht ist es ja möglich, dass Sie so einen Termin gemeinsam wahrnehmen? Es muss ja nicht sofort sein, doch wenn sich die Wogen vielleicht etwas geglättet haben, ist es sicher sehr gut für Ihren Sohn, wenn Sie eine gemeinsame Linie haben.

Ansonsten hilft Ihrem Sohn jetzt möglichst viel Routine, Regelmäßigkeit und Vertrautes als Anker. Versuchen Sie nicht, Probleme wegzulächeln, doch sorgen Sie für Alltag. Versuchen Sie nicht, Ihr schelchtes Gewissen zu kompensieren, sondern sorgen Sie für Verlässlichkeit und Respekt - auch sich selbst gegenüber...

in disem Sinne viel Kraft und alles Gute,

Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 10.11.2015, 16:24 Uhr

 
 
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