Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

Kind -14 Monate- wird stündlich wach

Guten Abend Fr. Dr. Bentz,

ich bin mir nicht sicher, ob Sie in Sachen Schlafprobleme die richtige Ansprechpartnerin sind. Andernfalls würde ich Sie bitte, mir zu schreiben, an wen ich mich statt dessen wenden kann.

Meine Tochter wacht seit ihrem achten Lebensmonat sowohl bei ihrem Tagschlaf (1-2 Stunden) als auch in der Nacht (11-12 Stunden) stündlich, manchmal öfter, manchmal auch "erst" nach zwei Stunden auf. Wenn es mal drei Stunden sind, haben wir Glück.

Sie ist tagsüber ein fröhliches, aufgewecktes Mädchen. Auffällig ist höchstens, dass sie sehr viel isst, aber trotzdem klein und leicht ist. Sie wiegt 8,5 kg und ist 73 cm groß. Mein Kinderarzt sagt aber jedes Mal, dass alles noch im Rahmen ist.

Unser Tagesablauf ist ziemlich geregelt und abends wird immer das gleiche Programm abgespult. Ohne Hand schafft sie es allerdings nicht einzuschlafen. Auch ein Kuscheltier, an das ich sie gewöhnt habe, tröstet sie nicht. Ich muss so lange bei ihr bleiben, bis sie eingeschlafen ist. Wenn sie ihr Papa oder die Großeltern ins Bett bringen, weint sie bereits beim Waschen, sodass hauptsächlich ich sie ins Bett bringe.

Der Versuch, sie schreien zu lassen war kläglich und hat nach zwei Tagen damit geendet, dass sie sich vom ganzen Brüllen übergeben hat. Danach war es echt mühsam, sie überhaupt zum Schlafen zu bringen.

Ich habe das Gefühl, dass sie einfach große Angst hat, allein zu sein, obwohl sie keinen Grund dazu hat. Ich bin fürsorglich, aber auch keine Helikopter-Mutter. Jeden Abend und jede Nacht denke ich, was sie nur hat oder wie wir ihr helfen können. Hinzu kommt, dass wir uns kaum im Haus bewegen könne, weil sie bei jedem kleinen Geräusch wach zu werden droht.

Da ich in Kürze anfange zu arbeiten und meine Tochter dann in die Krippe kommt, befürchte ich, dass mich das alles so sehr stresst, dass ich ihr gegenüber vollkommen entnervt sein werde. Ich hoffe zwar, dass das mit dem Schlafen in der Kita schon klappen wird, aber ich glaube nicht, dass die Erzieher sie nach ihrer Stunde Schlaf immer noch mal in den Schlaf begleiten können. Und eine Stunde ist definitiv zu wenig Schlaf für sie.

Daneben mache ich mir außerdem Sorgen, dass sie vielleicht ein gesundheitliches Problem hat. Sei es eine Nahrungsmittelunverträglichkeit, irgendwelche Blockaden oder sonst was.

Vielen Dank, für Ihre Hilfe

Beste Grüße

Elli W.

von Elli W am 18.08.2015, 20:41 Uhr

 
 

Antwort:

Kind -14 Monate- wird stündlich wach

Nachdem auch die letzte Nacht wieder ein Graus war und ich viel Zeit zum Nachdenken hatte, ist mir bewusst geworden, dass die Schlafstörungen schon viel länger vorhanden sind. Wir dachten erst, nach dem Abstillen wird es bestimmt besser (um den achten Monat herum) bzw. wenn wir sie ausquartieren (kurz nach dem Abstillen), aber nichts hat eine Besserung gebracht.

Im Moment liegen unsere Nerven einfach nur noch blank.

von Elli W am 19.08.2015

Antwort:

Kind -14 Monate- wird stündlich wach

Liebe Elli,

ich bin zumindest eine mögliche Ansprechpartnerin auf dieser Seite. Aber auch das Expertenforum von Frau Höfel sowie von Herrn Dr. Busse sind sicher gute Adressen. Jeder sagt immer ein bisschen was anderes und jeder hat eine andere Perspektive. Auch die Elterforen sind ein guter Platz, um sich auszutauschen und vielleicht auch mal den Frust von der Seele zu reden. Schauen Sie einfach, was Ihnen am besten hilft! Sie werden sehen, Sie sind mit Ihren Problemen nicht allein!

Hier also meine Antwort:

Grundsätzlich ist es so, dass ich Ihnen empfehlen würde, Ihre Tochter einmal genauer kinderärztlich untersuchen zu lassen. Zwar ist es so, dass rein organisch bedingte Schlafstörungen bei Kleinkindern weit weniger häufig als Schlafstörungen vorkommen, die auf Regulationsschwierigkeiten und/ oder Schwierigkeiten in der Eltern-Kind-Interaktion basieren, aber natürlich gibt es sie - und es wär ärgerlich, sie zu übersehen.

Zudem machen Sie sich ja diesbezüglich sehr große Sorgen, so dass es auch für Sie wichtig sein dürfte, hier mehr Sicherheit und so etwas wie eine "gefühlte Erlaubnis" zu erlangen, etwas zu ändern. Mit dem ständigen Hintergedanken, mein Kind hat was, meinem Kind geht es schlecht, meine Kind ist krank geht das natürlich nicht.

Ansonsten wären für mich folgende Fragen wichtig:
- wie sieht das nächliche Aufwachen aus? Ist Sie richtig wach oder "grummelt" sie nur
- was machen Sie dann, um sie wieder in den Schlaf zu bekommen? Wie lange dauert das?
- wie schläft Ihre Tochter ? Im Familienbett oder allein?
- Wie lange brauchen Sie, um sie abends und mittags zum schlafen zu bringen?

Da mir hier die Details fehlen, kann ich nur allgemein antworten. Schlafprobleme können dadurch enstehen, dass Kinder nicht gelernt haben, sich bei kurzen - normalen! - Aufwachphasen in der Nacht wieder selbst zu beruhigen. Im Gegensatz zu anderen Kindern werden sie richtig wach, weil Ihnen der gewohnte Reiz - eben die Hand - fehlt oder sie merken, dass die Person, die noch beim Einschlafen da war, nicht mehr da ist. Dabei ist es natürlich kein "Verbrechen", dass Sie Ihre Tochter so liebevoll umsorgen - manche Kinder kommen problemlos damit klar und entwickeln trotzdem die Fähigkeit, sich selbst zu regulieren, andere aber eben nicht. Das Fazit hieraus heißt nicht unbedingt ein radikales Schlafprogramm - hier gibt es viele, sanftere Abstufungen, die allerdings immer die Entwöhnung und damit eben auch ein gewisses Maß an Protest innehalten. Auch das Familienbett kann da eine Option sein - vorausgesetzt alle können sich damit anfreunden. Hier müsste man allerdings sehen, dass sich das nächtliche Aufwachen tatsächlich auch reduziert, denn nur die Tatsache, dass es dann etwas bequemer ist, weil man eben schnell die Hand rüberlegen kann, würde mir aus fachlicher Sicht nicht reichen. Dann wären die Schlafprobleme kaschiert, aber nicht überwunden.

Sehr wichtig finde ich dabei auch die aktive Einbindung des Vaters. Wenn Sie hier Protest nachgeben, indem nur Sie Ihre Tochter abend umsorgen, bringen Sie sie (und Ihren Partner) um die wertvolle Erfahrung, dass Papa auch trösten kann und auch für sie da ist. Hier kann man als Mutter leicht in die Falle tappen, dass man genervt ist, weil das Kind nur ein "Mama-Kind" ist, ohne zu erkennen, dass man hier selbst mit verursachend wirkt. Diese Ambivalenzen, die mit dieser ausschließlichen Nähe und der daraus resultierenden Überlastung einhergehen können, spüren die Kinder sehr deutlich und reagieren oft mit massiven Forderungen nach noch mehr Mama und / oder vermehrten Anklammern und Ängstlichkeit. Klar, denn sie haben gelernt, dass Sicherheit nur Mama bieten kann. "Mamaexklusivität" - v.a. über das Säuglingsalter hinausgehend - wird daher auch von einigen Kollegen in der Kinder- und Jungendpsychologie als eher kontraproduktiv gesehen. Papa oder eben andere liebevolle, verlässliche und feinfühlige Bezugspersonen sind lt. diesen Arbeiten eben wichtig für mehr Sicherheit. Hierzu zählen übrigens auch Erzieher, wenngleich natürlich nicht als Elternersatz sondern eben als das, was sie sind.

Abschließend ist es mir wichtig, wiederholt in diesem Forum zu betonen, dass es keine Regel gibt, wieviel ein Kind in welchem Alter schlafen muss, um ausgeschlafen zu sein. D.H. manche Schlafprobleme enstehen wie bei Erwachsenen auch durch eine zu lange Bettzeit, die nicht zum individuellen Schlafbedürfniss passt. Sie schreiben, dass Sie fürchten, dass Ihre Tochter in der Kita nur 1 Stunde Schlaf Mittags bekäme und dies nicht ausreicht. Ist das wirklich so? Ist sie dann quengelig und wirkt unausgeschlafen? Wenn nicht, ist es völig ok, wenn sie weniger schläft! Sie muss nicht schlafen, wenn sie nicht kann, weil sie nicht müde ist.

Vielleicht reicht Ihnen das ja schon mal als grobe Orientierung. Ansonsten reichen Sie bitte die Antworten zu den o.a. Fragen nach und wir sehen weiter!

Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen bald einen zuverlässigen Sandmann!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 19.08.2015

Antwort:

Kind -14 Monate- wird stündlich wach

Liebe Fr. Dr. Bentz,

vielen Dank schon einmal für Ihre ausführliche Antwort. Es tut sehr gut, bei diesem Thema erst genommen zu werden und nicht gleich die Antwort zu erhalten, dass es bei kleinen Kindern nun mal so ist.

Hier die Antworten auf Ihre Fragen:

Wenn unsere Tochter aufwacht ist es ganz unterschiedlich. Manchmal grummelt sie nur und dann gehen wir natürlich nicht zu ihr. Wenn wir aber merken, dass sie wacher wird, sich nicht selbst wieder beruhigt und anfängt zu weinen, gehen wir zu ihr. Manchmal fängt sie aus dem nichts an zu kreischen, sodass wir natürlich sofort nach ihr sehen. In dem meisten Fällen sitzt sie in ihrem Bett und wartet bereits auf uns und streckt ihre Ärmchen nach uns aus. Sie benutzt nachts einen Nuckel, der aber meist in ihrem Mund steckt, wenn wir zu ihr gehen. Sie findet ihn eigentlich allein, das scheint also nicht das Problem zu sein.
Meist legen wir sie dann wieder hin und geben ihr die Hand, damit sie wieder in den Schlaf finden kan. Manchmal, wenn sie ganz aufgelöst ist, nehmen wir sie auch hoch und trösten sie. Je nachdem, wie lange wir warten, ob sie wieder allein in den Schlaf findet, dauert es länger oder kürzer bis sie wieder einschläft. In der Regel würde ich aber 5-15 Minuten schätzen. Sie hat eine Zeit (22:48 Uhr ;-), man kann die Uhr fast danach stellen), zu der sie wacher ist und schwerer in den Schlaf findet. Oft bleibe ich dann neben ihr auf dem Boden liegen und schlafe meist mit ein, weil sie beim "Rausschleichen" häufig wieder wach wird.
Unsere Tochter schläft in ihrem eigenen Zimmer im Gitterbettchen.
Das Einschlafen dauert im Schnitt so zwischen 20 und 40 Minuten. An guten Tagen schleiche ich mich nach einer viertel Stunde raus. An schlechten Tagen dauerts aber auch mal eine Stunde oder länger.

Das Familienbett kommt für uns weniger in Frage. Wir holen unsere Tochter manchmal zu uns, wenn sie kaum zur Ruhe kommt. Meistens schläft unsere Tochter dann aber trotzdem nicht besser. Sie wühlt weiter viel rum und setzt sich auf, um zu gucken, ob einer da ist. Wir können Sie dann natürlich schneller wieder hinlegen und ihr unsere Hand geben. Schlafen tun wir dann aber alle schlecht.

Ich denke, dass sie ca. zwei Stunden benötigt, da sie sonst quengelig und unausgeglichen ist. Heute hat sie aber z.B. nicht einmal 1,5 Stunden geschlafen. Da sie dann aber ziemlich wach war und nicht mehr schlafen wollte, hab ich sie natürlich aus dem Bett geholt.

Wir haben das Schlafverhalten natürlich auch schon analysiert und beobachtet wie sie mit mehr oder weniger Schlaf auskommt. Dabei ist nicht jeder Tag wie der andere, weshalb wir aber gerade dann versuchen auf ihre Bedürfnisse und ihre Signale einzugehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein koplett strickter Tagesablauf dazu beiträgt, dass sie nachts besser schläft.

Wie Sie auch geschrieben haben, ist bei unserer Tochter denke ich das Problem, dass sie nicht selbst in den Schlaf findet, weil sie nicht die Situation vorfindet bei der sie eingeschlafen ist. Ich weiß aber beim besten Willen nicht, wie ich ihr abgewöhnen kann, dass sie ohne eine Hand oder die Anwesenheit ihrer Eltern in den Schlaf findet. Wir hatten es kurzzeitig mal geschafft, dass sie zumindest die Hand nicht brauchte. Dann wollte ich den nächsten Schritt gehen und das Zimmer verlassen bzw. mich vom Bett entfernen, während sie noch wach war. Hierbei habe ich sie dann 2-3 Minuten auch mal schreien lassen, was dann leider den entgegengesetzten Effekte hatte und sie noch schlechter einschlief.

Beste Grüße

Elli

von Elli W am 20.08.2015

Antwort:

Kind -14 Monate- wird stündlich wach

Guten Abend Frau Dr. Bentz,

da mein Beitrag bereits auf die nächste Seite gerutscht ist, ohne eine Antwort von Ihnen, hoffe ich dass Sie mich lediglich vergessen haben und selbst nicht auch ratlos sind. Ich rufe mich daher einfach mal in Erinnerung.

Beste Grüße

Elli W

von Elli W am 28.08.2015

Antwort:

Kind -14 Monate- wird stündlich wach

Hey! So rutscht dein Beitrag leider nicht hoch ..... vielleicht schreibst du besser nochmal neu und erinnerst an diesen Beitrag?! LG

von IdaLönneberga am 02.09.2015

Die letzten 10 Beiträge
Mobile Ansicht

Impressum Über uns Neutralitätsversprechen Mediadaten Nutzungsbedingungen Datenschutz Forenarchiv

© Copyright 1998-2022 by USMedia.   Alle Rechte vorbehalten.