Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

Antwort:

Kann sich ein 8 Wochen altes Baby noch zum Schreibaby entwickeln

Liebe Steffi!

das Wichtigste zuerst: KEINE PANIK! Bei Ihnen gehen jetzt verständlicherweise die Alarmglocken an und die ganzen Bilder von früher kommen hoch. Sie haben mit Ihrem ersten Kind eine schlimme Erfahrung gemacht und das provoziert jetzt einfach Angstreaktionen.

Damit sind Sie nicht allein! Ich kenne kein Elternteil eines ehemaligen Schreibabys, was beim nachfolgenden Geschwisterkind diese Sorgen nicht hat und ganz unbeschwert in die Schwangerschaft und die Zeit danach geht. Wäre auch irgendwie seltsam, oder?

Also: Ihr Sorgen sind nachvollziehbar und logisch. Doch bitte beachten Sie:

- natürlich kann ein an sich ruhiges Kind mit acht Wochen anfangen , exzessiv zu schreien, doch das ist eher ungewöhnlich und kann meist auch durch externe Dinge erklärt werden (Anpassungsschwierigkeiten nach einer Erkrankung und / oder Krankenhausaufenthalt etc.)

- mit acht Wochen ist eine Zeit, wo rein statistisch alle Babys viel und mehr schreien, als am Anfang. Dieser Schreigipfel ist typisch und kein Zeichen, dass etwas nicht stimmt. In den allermeisten Fällen ist der Spuk dann mit ca. 12-16 Wochen vorbei.

- 4 Tage haben für einen allgemeinen Verlauf gar keinen Aussagewert für eine Diagnose.


Das Beste, was Sie jetzt für sich und Ihren Kleinen tun können, ist Ruhe bewahren und nicht in blinden, angsterfüllten Aktionismus zu verfallen! Sonst besteht tatsächlich die Gefahr, dass aus einer Phase ein längerfristiges Problem entwickelt.

Doch wie können Sie das schaffen?

Alles, was Sie für Ihren Sohn tun können (Struktur, regelmäßige Ruhepausen, Vermeidung von Reizübeflutung und häufig wechselnden Beruhigungstechniken, im Schreien begleiten etc.) können Sie hier im Forum unter Tipps Schreibaby nachgucken. Ich bin aber überzeugt, dass Sie dies alles schon wissen.

Wichtig ist, dass Sie Zutrauen in Ihre Fähigkeiten als Mutter haben! Das Schreien Ihre Kindes ist eben nicht gleichbedeutend damit, dass Sie alles falsch machen und jetzt alles anders gemacht werden muss.
Vertrauen Sie Ihrem Gefühl! Ihr Kleiner findet Sie super und das auch wenn er Ihnen ins Ohr schreit!

Denken Sie daran:

- die Situation mag Sie an früher erinnern, ist aber eine andere. Auch Ihr Kind ist ein anderes und auch Sie sind zwischenzeitlich sicher in dem ein oder anderen Punkt nicht wie damals! Bleiben Sie gedanklich im Hier und Jetzt!

- machen Sie sich bewusst, dass Sie in der Lage wären, so eine schwierige Situation zu meistern. Selbst wenn Ihr Kind ein Schreibaby werden sollte, könnten Sie das nachweislich schaffen! Natürlich wünscht sich das niemand und Gedanken wie, "das schaffe ich nicht noch einmal", sind naheliegend, doch Letzteres stimmt eben nicht. Sie würden es schaffen, wenn Sie müssten.

- Sie haben aus Ihrer Erfahrung gelernt, was m Notfall hilfreich sein kann. Überlegen Sie sich also mal in Ruhe, was damals geholfen hat und wie Sie sich Unterstützung für den Eventualfall holen könnten. So einen "Notfallfahrplan" in der Hinterhand zu haben, kann unheimlich erleichtern.

- Falls Ihr Sorgen und Ängste zu belastend werden, suchen Sie doch mal nach einer Möglichkeit vor Ort, ein Gespräch mit Leuten vom Fach zu führen (Schreiambulanz, Frühe Hilfen etc.). Dann haben Sie auch schon Ansprechpartner, wenn Sie sie brauchen sollten.

Wie gesagt, das wichtigste ist keine Panik: Ihr Sohn braucht Sie und die Sicherheit, die Sie ihm vermitteln - keine Wundermethoden oder Wundermittel.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und ganz viel Zuversicht!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 03.11.2015, 12:03 Uhr

 
 
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