Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

In Rage schreien vorm schlafen

Sehr geehrte Frau Dr bentz,

Ich habe die Frage schon Dr. Busse gestellt und nun Ihnen mit der Bitte um Hilfe..

Kurz zur Vorgeschichte:
Unser Baby war ein Schreibaby mit bis zu 8 Stunden schreien Tag und Nacht... Seit der 10 Woche circa ist es nun vorbei. Unser Kind war noch nie ein guter Schläfer (max. 3-4 Stunden) und liegend einschlafen (auch mit unserer Hilfe) klappt so gut wie nie...

Nun ja jetzt wird er morgen 18 Wochen und seit circa 1,5 Wochen schreit er sich vor dem Schlafen regelrecht in Rage... und wenn er nachts aufwacht (alle 1 - 2 Stunden) das gleiche.. Am Anfang konnten wir ihn noch beruhigen, sodass er weiter geschlafen hat, aber jetzt nicht mehr - er lässt sich nur noch durch die Brust beruhigen.. Es hilft weder streicheln, ruhig reden noch Händchen halten...

Er schläft inzwischen auch nicht mehr in seinem Bett (steht neben unserem) sondern nur noch bei uns und selbst da schreit er vor dem Einschlafen und nach dem Aufwachen...

Er schläft in der Tragehilfe super ein, aber sobald er dann nachts in seinem Bett abgelegt wird, wacht er auf und schreit weiter... wir wissen einfach nicht mehr weiter...

Und das Zweite was uns beschäftigt ist: Seit genau dieser Zeit hat er einen heißen Hinterkopf (aber keine Temperatur) und sobald er weint/schreit bekommt er richtige Schweißperlen auf dem Gesicht... Zu warm angezogen ist er eigentlich nicht... Laut Kinderarzt ist das nicht schlimm solang er im Ruhe Zustand nicht schwitzt... aber wieso kommt das so plötzlich?

Gestern ist er dann urplötzlich in der Babyschale (als wir unterwegs waren) eingeschlafen ohne Geschrei und zu Hause wieder wie gewohnt 30 min gebrüllt bis er vor Erschöpfung eingeschlafen ist...

Schreiambulanz wie von Herrn Dr. Busse empfohlen kommt für uns nicht in Betracht da wir beim letzen Mal eher nicht so erfolgversprechend beraten wurden und uns eher vermittelt wurde dass wir schuld sind -.-

Entschuldigen sie den langen Text...

von Navtan86 am 21.03.2016, 08:26 Uhr

 
 

Antwort:

In Rage schreien vorm schlafen

Ergänzend kann ich mich sagen dass der kleine leider keinen Schnuller nimmt...

von Navtan86 am 21.03.2016

Antwort:

In Rage schreien vorm schlafen

Liebe Navtan86!

Sie suchen verzweifelt nach Möglichkeiten, Ihrem Kleinen zu helfen. Das ist mehr als verständlich! Dennoch kann gerade darin ein Teil des Übels liegen. Ich stelle immer wieder fest, wie Eltern von Pontius zu Pilatus rennen und nachher durch zu viele Meinungen und Informationen so verwirrt sind, dass Sie nahezu handlungsunfähig werden. Der Umgang mit dem Kind ist dann manchmal so kopflastig, angstbeladen und überkontrolliert, das tatsächlich das natürliche Gespür für die Signale eines Kindes beeinträchtig sein kann. Wenn nur noch in Dimensionen wie "wie verhindere ich die nächste Brüllperiode?" gedacht wird, kommt man schnell in einen Teufelskreis. Es wird immer wieder etwas Neues ausprobiert, weil man wieder was hier oder da gelesen hat und das Kind ja immer noch schreit, gleichsam wächst der Frust darüber, dass scheinbar nichts und niemand hilft. Das alles wiederum zehrt die Ressourcen so sehr auf, dass man für Änderungen nicht mehr die notwendige Kraft und Geduld hat.

Das Internet und damit auch Foren wie diese sind für solche Eltern kontraproduktiv, denn was sie suchen (die finale Antwort und Sicherheit) gibt es definitiv nicht - auch wenn dies manchmal so suggeriert wird.
Was diesen Eltern weit mehr als der x-te Tipp hilft, ist der Gewinn von mehr Sicherheit und Vertrauen. Dafür kann es in sehr vielen Fällen tatsächlich wichtig sein, sich extern unterstützen und länger begleiten zu lassen. Ich verstehe, dass Sie nach einem unglücklichen Versuch hier eine gesunde Skepsis haben - das sollten Sie auch, schließlich geht es um Ihr Kind.
Dennoch würde auch ich Ihnen empfehlen, noch mal einen Versuch zu starten. Wenn Sie einmal bei einem Frisör waren, der Ihre Haare verschnitten hat, heißt es ja auch nicht, dass es keine Frisör gibt, der Ihre Haare schneiden kann.

Um Schuld geht es dabei nicht, weder bezogen auf das Kind noch auf die Eltern. Dafür ist das Phänomen zu komplex und liefert keine einfachen Antworten. Wohl aber ist es wichtig, eigene Anteile, die zu einer Aufrechterhaltung oder Verschlimmerung des Problems beitragen, zu identifizieren und zu ändern. Das heißt auch, dass Ihnen niemand die eigentliche Arbeit abnehmen kann, In einer Schreiambulanz wird kein Baby dahingehend therapiert, dass es nicht mehr schreit.

Naturgemäß liegt der Hauptfokus auf Ihnen, da die Impulse zu Änderungen von Ihnen ausgehen müssen. Beim Baby fehlt uns einfach das Medium Sprache! Wir können uns zwar angucken, was für Signale es zeigt, wie es sich verhält, wir können Entspannungshilfen und neue Reize geben und noch einiges mehr, doch im Wesentlichen geht es um Elternarbeit. Dies dürfen Sie jedoch nicht als Zeichen dafür missverstehen, dass man Sie für schuldig oder inkompetent hält.

Vielleicht sind Sie momentan einfach ein bisschen empfindlich auf diesem Ohr, weil Sie die so verzweifelt ersehnte Hilfe noch nicht bekommen haben und sich missverstanden fühlen? Das geht vielen Eltern in ähnlicher Lage so und ist ja auch verständlich.

Ich möchte Sie dennoch ermutigen, einen erneuten Versuch zu starten! Ein Forum wie dieses kann einfach nur Dinge etwas genauer erläutern und Denkanstöße bieten, ersetzt aber keine Behandlung!

Also, lassen Sie sich nicht gleich entmutigen! Sie brauchen keine weiteren Tipps, sondern mehr Klarheit, Ruhe und Sicherheit. Dann sehen Sie auch wieder den Wald trotz lauter Bäume...

Alles Gute Ihnen allen!

Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 23.03.2016

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