Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

Ich bin am verzweifeln... Was hat er nur?

Hallo,

mein 5 Wo alter Sohn schläft, trinkt und schreit. Es gibt nur wenige "aktive Wachphasen", die sehr kurz sind und in denen er recht unbeteiligt irgendwas rechts oder links oben anstarrt ohne zu Blinzeln.

Ich habe das Gefühl dass immer ca 10-15 Minuten nach dem Stillen das Geschrei losgeht (er trinkt so alle 2 Std). Außerdem wie als würde er es ahnen- in jedem Laden ist Geschrei, sobald ich zur Tür rausbin ist wieder Ruhe. Die Leute starren mich böse an, nix hilft. Trinken will er nicht, getragen werden hilft nicht, Schnulli hilft nicht. Gegen Abend hin wird das noch schlimmer. Mein Mann hält mich für eine Versagerin als Mutter weil er ständig nur unberuhigbares Gebrüll hört.

Mein 2jähriger Großer muss ständig zurückstecken weil das Baby schreit oder so leidlich im Tuch ruhig ist. Zu ihm hinsetzen und spielen ist undenkbar.

Der Große war schon ein Fall für die Schreiambulanz, er hat geguckt und geguckt und ist nie darüber eingeschlafen. War ständig überreizt. Der zweite schläft jetzt zwar nachts gut und tags mal größere Stücke, schreit aber in den Wachphasen fast nur. Von der Schreiambulanz erhoffe ich mir keine Hilfe- beim Großen war ferbern die einzige Idee, da will ich nicht mehr hin deshalb.

Haben Sie noch eine Idee was ich tun kann außer Regelmäßigkeit, viel frische Luft und Ruhe? Ruhe kehrt bei uns halt selten voll ein weil mein Großer daheim rumtobt. Oder ist das Baby gelangweilt- er ist zwar immer mit dabei, aber ich kann natürlich nicht wie beim Großen Exklusivprogramm fahren sondern er guckt halt beim Spielen und Lesen mit dem großen Bruder zu. Ist das genug "Programm"?

Er ist quasi ständig am Körper oder mal zum Beruhigen in der Federwiege, iz also nicht unterkuschelt.

Ach ja: Ich habe keine Oma auf die wir zurückgreifen können, mein Mann ist abends erst ab 19 Uhr da und irgendwelche Hilfseinrichtungen gibt es hier auf dem Land nicht....

Liebe Grüße!

von Where2Go am 23.09.2015, 12:03 Uhr

 
 

Antwort:

Ich bin am verzweifeln... Was hat er nur?

Liebe where2go!

Sie hatten sich ja schon mal an mich bezüglich Ihres ersten Sohnes gewendet. Es tut mir leid zu hören, dass nun ähnliche Schwierigkeiten auch beim zweiten Kind auftreten.

Leider kann ich Ihnen keine vollkommen neue Tipps zum Umgang mit einem Schreibaby geben. Das Basisprogramm dreht sich halt immer um regelmäßige Ruhepausen, Struktur, Reizabschottung, rechtzeitigen Abendausklang etc. Ein kurzes schönes Abendritual, wenn das Kind satt , aber noch nicht zu müde ist usw.

Als Alternative können Sie es mal mit Aromatherapie (Bäder mit 2-3 Spritzern Lavendelö, dazu Olivenöl und etwas Milch als Emulgator oder 1-2 Tropfen aufs Bettlaken). Beim Großen kann man in Absprache mit dem Kinderarzt es auch mal mit Baldriantee versuchen, beim Kleinen gäbe es noch homöopthische Zäpchen zur Beruhigung.

Ansonsten würde ich aber wirklich noch einmal versuchen, mir Unterstützung zu holen. Alle Veränderungen brauchen Kraft und gerade die kleinen Brüller Eltern, die Ruhe vermitteln können. Sie scheinen mir ziemlich isoliert und tagsüber viel allein mit den Kindern zu sein und ich stelle mir das sehr belastend vor. Auch auf dem Lande gibt es Hilfsangebote! Sie haben sogar einen gesetzlichen Anspruch. Wenden Sie sich doch bitte das zuständige Jugendamt oder die Frühen Hilfen. Dort kann man Sie kompetent beraten und entsprechende Hilfe organisieren. Keine falsche Scheu! Dort wartet man nicht darauf , Ihnen die Kinder weg zu nehmen!! Präventionsarbeit ist dort allen lieber und es ist eben ein Zeichen von Verantwortung, wenn man sich Hilfe holt. Das muss einem auch gegenüber Dritten nicht peinlich sein!

Vielleicht muss man an der ein oder anderen Stelle seine Komfortzone etwas verlassen und offen sein für neue Impulse. Vielleicht bekommt man in der Beratung auch mal Dinge gespiegelt, die man nicht so gern hören will oder die anstregend sind. Vielleicht findet man sein Gegenüber doof, inkompetent oder besserwisserisch. Das ist aber auch schon alles, was passieren kann.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass es schon sehr gut wäre, wenn Ihnen tagsüber mal eines der Kinder für 1-2 Stunden abgenommen wird, so dass Sie mal für sich sein, schlafen und etwas entspannen können.

Ich finde es zudem schön, dass Sie sich mit anderen Betroffenen austauschen wollen. Doch würde ich zusätzlich sehr empfehlen, wenn Sie das auch im realen leben und nicht nur online machen. So schön das Medium Internet ist, es kann niemals echte face-to face Hilfe, Beratung, Therapie oder Kontakte ersetzen - erst recht nicht, bei so komplexen Problemen. Das gilt leider auch für dieses Forum.


Also, geben Sie sich einen Ruck - es gibt Hilfe - vielleicht nicht immer so, wie man es haben will und vielleicht ist der Zugang auch etwas kompliziert, doch es gibt sie - ganz sicher!!!

Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und viel Kraft!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 24.09.2015

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