Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

Antwort:

Hört das Einschlafschreien irgendwann auf?

Liebe IchWerdeMami2015,

herrje, Sie haben ja wirklich schon viel hinter sich! Es ist sehr gut nachvollziehbar, dass Sie sich endlich nach Ruhe sehnen und enttäuscht sind, dass bisher keine Besserung eingetreten ist.

Doch ist das wirklich der Fall? Aus meiner Sicht haben Sie ja wirklich schon eine Menge erreicht, wenn Sie es schaffen, dass Ihre Tochter allein einschläft- hin und wieder ja auch schon ohne Probleme und Sie zudem einen festen Ablauf etablieren konnten. Gerade wenn man von einem sehr belastendenden Ausgangsniveau kommt, fallen einem oft die kleinen Schritte nicht so auf, denn natürlich ist 20 Minuten Schreien beim Hinlegen immer noch belastend. Nur dass es vorher vielleicht 30 Minuten und mehr waren..?

Natürlich heißt das nicht, dass Sie keinen Grund haben, sich zu beschweren. Sie haben eine verdammt anstrengende Zeit hinter sich und Sie sagen selbst dass Sie von Ruhe noch weit entfernt sind. Sie dürfen also erschöpft, enttäuscht, traurig und wütend sein. Gleichzeitig finde ich es jedoch wichtig, sich die kleinen Erfolge immer wieder bewusst zu machen und auch die Tatsache, dass das Schreien bei jedem Kind aufhören wird.

Vielleicht hilft es Ihnen deshalb, den Druck ein wenig rauszunehmen. Sie können das Schreien nicht immer durch ihr Verhalten abstellen! Gäbe es einen Aus-Knopf für Ihr Kind hätten Sie ihn sicher schon gefunden. Damit meine ich nicht, dass Sie resignieren sollen, doch ein Teil des Schreiens lernen zu akzeptieren. Ihr Kind wird keinen Schaden davon behalten, wenn es merkt, dass Sie bei ihm sind und es bei seinen Schwierigkeiten, zur Ruhe zu kommen begleiten. Es braucht auch keine Dauerbespaßung als Lösung für seine Probleme, selbst wenn es diese hartnäckig einfordert. Der Weg zur Ruhe führt eben nur über mehr Ruhe und nicht über mehr Reize. Diese Erfahrung muss ihre Tochter erst machen und das kann sie nur, wenn Sie sie lassen. D.h. fahren Sie einen Gang runter, versuchen Sie nicht, das Schreien durch noch mehr Aktivität oder das xte Spielzeug abzustellen.

Dies ist hart, denn Schlafmangel und Stress macht mürbe, doch anstatt beim Schreien gleich mit Reizgabe zu reagieren, sollten Sie ruhig bleiben Ihrer Tochter zeigen, dass nichts Schlimmes passiert, wenn da mal nichts passiert und ihr Reizhunger einmal nicht befriedigt wird, sondern das dahinterstehende, eigentliche Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung. Ihre Tochter hat gelernt, innere Unruhe- und Spannungszustände durch Reizzuwendung "wegzudrücken", doch überreizt sie sich damit permanent selbst. Aus diesem Teufelskreis können Sie ihr nur helfen, wenn Sie Ihr andere Erfahrungen ermöglichen, auch wenn das zunächst eine Verschlimmerung bedeuten kann. denn jede Umstellung ist anstrengend und schwierig für Sie alle!

Fazit: Leider müssen Eltern manchmal einfach akzeptieren, dass ihr Kind - egal was sie tun - diese Startschwierigkeiten hat. Sie müssen sich vor blinden Aktionismus hüten, denn dieser führt eben nicht zur nötigen Ruhe und Entspannung! Weniger ist einfach mehr!

Und das gilt auch für jegliche Form des Perfektionismus. Sie müssen nicht immer alle perfekt machen, Sie dürfen auch Grenzen haben und sich helfen lassen! Wenn Sie schon eine Haushaltshilfe haben - schön! Doch das heißt jedoch nicht, dass Sie nicht nach weiterer Unterstützung (Babysitter?) suchen dürfen, nur weil andere dies vielleicht nicht haben.

Also, ich bin sicher, dass der Spuk bald vorbei ist, denn es fehlt ja gar nicht mehr so viel. Sie haben ein Großteil schon geschafft! Für den weiteren Weg wünsche ich Ihnen noch viel Kraft, Geduld (auch mit sich selbst) und alles Gute!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 23.11.2015, 11:50 Uhr

 
 
Unten die bisherigen Antworten. Sie befinden sich in dem Beitrag mit dem grünen Pfeil.
Die letzten 10 Beiträge
Mobile Ansicht

Impressum Über uns Mediadaten Nutzungsbedingungen Datenschutz Forenarchiv

© Copyright 1998-2021 by USMedia.   Alle Rechte vorbehalten.