Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

Hinlegen oder rumfahren/-tragen?

Guten Tag,
unsere Tochter (fünfzehn Wochen, fünf Tage verspätet auf die Welt gekommen) ist absolut kein Schreibaby, es gibt lediglich ein "Schreiproblem", was ihren Tagschlaf betrifft. Da sie sich momentan außerdem im Wachstumsschub befindet, bin ich etwas unsicher, wie man die Situation angehen sollte.
Seit ein paar Tagen schläft die Kleine völlig unproblematisch nach einem immer gleichbleibenden Ritual allein im Bettchen (neben unserem Bett) ein und auch bis auf ein paar Stillunterbrechungen gut durch. Davor gab es (vermutlich schubbedingt) etwas Schwierigkeiten, sie wurde häufig wach und wollte trinken und schlief abends auch erst nach Weinen ein. Wir hatten ihr vor einiger Zeit außerdem den Schnuller wieder abgewöhnt, weil sie völlig abhängig war und jede Nacht x-mal aufwachte, wenn sie ihn verloren hatte. Das brachte bereits eine deutliche Verbesserung ihres Nachtschlafs. Wir haben sie nie allein weinen lassen, aber nur in Ausnahmefällen aus dem Bett genommen (weil ich den Eindruck hatte, dass sie das noch mehr aufregt), sondern im Bett beruhigt.
Nun zum eigentlichen Problem: Tagsüber wird sie regelmäßig müde (sie ist ein sehr aktives, waches Kind) und lässt sich seit einiger Zeit dann aber partout nicht zum Schlafen hinlegen. Nach kurzer Zeit schreit sie wie am Spieß, weint bitterlich und lässt sich im Bett auch nicht beruhigen. Rausnehmen und Kuscheln, Wiegen etc. bringen ebenfalls nichts. Im Fliegergriff hört sie zu weinen auf, schläft aber nicht ein (Bauchschmerzen können wir ausschließen, da sie ansonsten kaum/nicht weint). Gelegentlich beruhigt sie sich auch bei meinem Mann in der Tragehilfe und schläft dann dort ein, aber nicht immer. Legt man sie dagegen in den Kinderwagen und geht spazieren, ist sie innerhalb einer Minute eingeschlafen.
Ich frage mich nun, ob es sinnvoll ist, sie trotz ihrer Abwehr für die Tagesschläfchen immer wieder hinzulegen und konsequent zu bleiben beim Trösten im Bett? Oder sollten wir sie rausnehmen und immer und immer wieder reinlegen, bis sie irgendwann einschläft? Oder sollen wir sie von vornherein tragen/fahren und darauf hoffen, dass sich die Situation von selbst verändert und demzufolge immer mal wieder (aber nicht täglich) versuchen, sie hinzulegen? Im Grunde ist es ja schon eine sehr schöne Sache, dass es abends momentan so gut klappt.
Das Bett ist übrigens dasselbe wie abends und mobil (wir haben es auch schon an anderen Orten versucht, z.B. bei uns in der Wohnküche), wir führen aber tagsüber kein so konsequentes Ritual durch. Kann es daran liegen, dass es momentan abends so gut klappt und tagsüber nicht? Oder daran, dass es abends dunkel ist (wir sind auf der Südhalbkugel)? Ich hoffe, dass sie das Bett nicht irgendwann mit etwas Negativem verbindet, wenn wir sie tagsüber immer wieder reinlegen und rausnehmen und dann abends auch nicht mehr darin schlafen mag. Familienbett kommt aus verschiedenen Gründen nicht in Frage, tagsüber macht es sowieso keinen Sinn, da ich mich selten hinlege. Zum abendlichen und morgendlichen Kuscheln und nächtlichen Stillen dagegen nehme ich sie schon in unser Bett.
Im Auto schläft unsere Tochter übrigens meistens auch ein.
Viele Grüße und Dank im Voraus!

von lolainberlin am 17.05.2016, 02:31 Uhr

 
 

Antwort:

Hinlegen oder rumfahren/-tragen?

Liebe Lolaiberlin!

zunächst einmal klingt alles prima! Wenn Ihre Kleine abends und nachts gut schläft (soweit man das eben in diesem Alter schon kann) sind zwei Dinge sicher: Ihr Tochter kann schlafen (hat also keine organische Schlafstörung) und verfügt über entsprechende Selbstregulationsfähigkeiten (es liegt also kein Interaktions- oder Regulationsproblem vor)

Dass sie tagsüber nun Probleme hat, kann an verschiedenen Dingen liegen:

a) zu lange oder zu kurze Schlafabstände, d.h. Ihre Kleine ist entweder zu müde oder noch nicht müde. Bei so kleinen Kindern unter sechs Monaten ist meist ersteres der Fall. Es wird schlicht die Zeit, die sie am Stück wach bleiben können überschätzt, und zwar besonders bei aktiven, lebhaften Kindern denen es eben sehr gut gelingt, Müdigkeit für eine Weile auszublenden bis dann gar nicht mehr geht.

b) der tatsächliche Schlafbedarf wird überschätzt, d.h. ein Kind braucht keinen Mittagsschlaf mehr, was ich aber aufgrund des Alters ausschließe. bei älteren (Klein-)kindern ist dies jedoch immer wieder ein Punkt, der im Auge zu behalten ist.

c) die Ablenkung ist tagsüber zu groß, das Wachsein zu attraktiv. Hier kann es hilfreich sein, Umgebungsreize zu reduzieren und das Kind in einem ruhigen, abgedunkelten Raum zu schlafen zu bringen.

d) die berühmte Mischung von allem (-;
Tragen oder Fahren im Kinderwagen ist natürlich eine Kopplung von Bewegungsreizen an Einschlafen, doch ich sehe das nicht ganz so streng. Kinder sind durchaus in der Lage, zwischen Tag und Nacht zu unterscheiden und erkennen dann bei entsprechender Konsequenz auch, dass nachts eben ein anderes Programm läuft, als am Tag. Also warum sollten Sie sich das Leben schwer machen? Es ist vielleicht nicht nach Lehrbuch, doch wenn so Ihre Kleine unkompliziert schläft und es auch für Sie eine Erleichterung ist, hätte ich nichts dagegen einzuwenden.

Selbst wenn Sie dann eine Gewohnheit schaffen, alles lässt sich wieder mit etwas Liebe und Geduld abgewöhnen, wenn die Zeit reif ist. Das haben Sie ja mit dem Schnuller auch so gemacht.

Im Übrigen scheinen Sie wirklich ein gutes Gefühl für Ihre Tochter zu haben und sie genau zu beobachten. Da bin ich sehr optimistisch, dass das Thema Schlaf auch am Tage mit zunehmender Reife leichter wird, auch wenn Sie mal Dinge machen, die so in keinem Ratgeber stehen. Sie sind ja bereits auf einem sehr guten Weg!

Weiterhin alles Gute!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 18.05.2016

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