Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

Antwort:

Heftiges Schreien in der Nacht!

Liebe Lela,

zunächst finde ich es sehr schön zu lesen, wie sich Ihre Kleine nach und nach Ihren Platz in dieser Welt so mutig und neugierig erobert. Ich bin sicher, abgesehen von den Nächten haben Sie viel Freude an ihr!

Zu dem nächtlichen Aufwachen:

Zwei Dinge sind aus meiner Sicht denkbar.

a) Lebhafte Träume oder b) der sogen. Nachtschreck.

Für ersteres spricht, dass Ihre Tochter ansprechbar ist. Doch auch beim Nachtschreck ist es möglich, die Kinder zu erwecken, nur dass das eben sehr schwer geht.

Die Frage wäre also: Wacht Ihre Kleine von allein auf, schtreit dann und - sofern sie sprachlich schon Auskunft geben kann - kann sie sich morgens noch daran erinnern? Dann spricht es mehr für lebhaftes Träumen und meine erste Vermutung.
Oder:
Schreit Ihre Kleine und wecken Sie sie dann erst mit Mühe auf so dass sie erst danach ansprechbar ist?Dann deutet es eher auf Nachtschreck hin.

Von diesen Fragen hängt dann das weiter Vorgehen ab. Ich würde Folgendes empfehlen:


a) Vorgehen bei lebhaften Träumen:

Kinder im Alter Ihrer Tochter (und auch noch lange darüber hinaus), haben Schwierigkeiten, Phantasie von Reallität zu trennen. Daher können solche Reaktionen auf aufwühlende Träume auch recht heftig und lang andauernd sein. Sie sind aber - unabhängig davon, dass es natürlich für alle anstregend und nervenaufreiben ist - kein Zeichen für eine psychische Störung. Ob Alpträume etwa mit psychischen Belastungen / Stress einhergehen ist z.B. gar nicht so eindeutig geklärt, obwohl es augenscheinlich logisch klingt.

Erst wenn diese Träume längerfristig bestehen und dadurch bei allen die Angst vor der Angst, sprich die Angst vor dem Einschlafen auftritt, kann das zu einem Problem werden. Bei so kleinen Kindern hat man da leider nur begrenzt Möglichkeiten. Hier helfen präventiv ggf. Kuscheltiere ("Alptraumfresserchen"), ein Nachtlicht und der Verzicht auf abendliches Fernsehen, selbst wenn es nur kurz ist.
Wenn das Kind dann nachts erwacht, hilft ein immer wiederkehrender Ablauf, damit es lernt, dass es eben nichts zu fürchten oder zu bekämpfen gibt. Etwa so:

Zu dem Kind hingehen, es nicht anfassen, wenn es noch tobt und einfach immer wieder gleiche Sätze sagen - jedes Mal! Etwa so: "Es ist alles in Ordnung, du hast geträumt. Mama und Papa sind da" ggf. hilft auch kurz das Licht anzuschalten "Guck mal, alles ok. Jetzt mach ich wieder das Licht aus und wir können weiter schlafen." Ihr Kind ist dann so in Rage, dass es verbal nur begrenzt ansprechbar ist, doch der Tonfall und Ihre Ruhe senden wichtige Signale, die es versteht.
Ansonsten hilft es, möglichst gelassen bleiben! Auch wenn so ein Anfall sehr dramatisch aussieht. Ihre Tochter braucht einfach ein Weilchen, um runterzukommen und zu viel Beruhigungsmaßnahmen würden sie überfordern. Wichtig ist für sie nur, dass Sie da sind.

Sollten die Probleme anhalten oder Sie große Bedenken haben, kann Ihnen sonst vielleicht auch ein Gespräch bei einem Kinder- und Jugendpsychotherapeuten helfen und eine gesicherte Diagnose liefern.



b) das richtige Vorgehen bei Nachtschreck.

Hier ist es einfach: NICHT wecken! Selbst wenn so eine Attacke heftig aussehen kann. Mehr als dafür zu sorgen, dass Ihr Kind sich nicht verletzten kann, sollten Sie nicht tun, damit die Attacken nicht bewusst wahrgenommen werden und Ängst wecken. Morgens wachen die Kinder nämlich auf ohne sich an das Drama zu erinnern.


Ich drücke die Daumen, dass der Sanmann bald bessere Arbeit macht und schönere Träume schenkt!


Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 02.11.2015, 12:13 Uhr

 
 
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