Dr. rer. nat. Meike Bentzs

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Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

Ein- und Durchschlafen, sowie Klammern

Guten Tag,

ich habe einige Fragen zum Verhalten meiner Tochter - sie ist 17 Monate jung.Krippenkind (8-15h). Kann keine 5 Minuten am gleichen Spielzeug spielen und ist immer in Bewegung. Sie ist auch arg eifersüchtig (meine Mama! wenn mein Mann zu mir kommt und knuddelt).

Leider schlief sie schon immer recht schlecht und nur im Arm ein. Es ist unmöglich sie wach ins Bettchen zu legen. Meist will sie auch nur mit mir schlafen gehen und nicht mit dem Papa. Sie weint dann, bis ich sie wieder nehme. Es ist auch immer verschieden wie lange sie zum Einschlafen braucht. Mal sind es nur 10 Minuten, mal bis zu 1,5 Stunden (obwohl sie
müde ist). Es ist immer auch natürlich davon abhängig, ob sie gerade einen Schub hat oder Zähne kommen. Aber langsam verzweifle ich.

Ich möchte sie ungerne weinen lassen. Sie steigert sich so schnell rein, dass sie anfängt zu husten und zu würgen und das nach nur 3-4 Minuten. Ich halte das einfach nicht aus und nehme sie wieder.

Sie schläft dann (meist) im Arm ein und ich lege sie in ihr Bettchen. Wenn es gar nichts geht, lasse ich sie direkt bei mir im Gästebett schlafen. Mit meinem Mann zusammen im Elternbett weigert sie sich strikt zu schlafen
und will nur mich alleine. Oft wacht sie in den ersten 2-3 Stunden ziemlich oft wach und ich nehme sie raus und beruhige sie. Oft schläft sie aber auch im Betti bis ca. 1h und dann nehme ich sie zu mir wo sie friedlich einschläft und vor allem auch durchschläft. Wenn ich sie im Bettchen lasse, weint sie immer und immer wieder. Natürlich…

Mein Mann würde sich langsam wünschen, dass wir uns das Ehebett wieder teilen, aber da ich arbeiten muss, habe ich es natürlich so leichter.

Ich denke mir, dass sie mich eben noch sehr braucht und möchte ihr natürlich diese Nähe geben. Mir macht es nichts aus mit ihr zusammen zu schlafen – so bekomme ich auch genug Schlaf. Aber mein Mann ist da anderer Meinung. Mich stört das ewige Einschlafen immens und das immer wieder aufwachen in den ersten Stunden. Was würden Sie mir zu dem gesamten Thema Schlaf raten? In der Krippe geht sie einfach so ins Bett und schläft alleine ein 

Das zweite Thema ist ihr übermäßiges Klammern:
Seit sie etwa 12-13 Monate alt ist klammert sie sehr an mir. Zuhause bleibt sie nicht alleine im Raum und spielt, sondern will ständig mich oder den Papa mit dabei haben. Wobei ich natürlich ihr Favorit bin. Ich darf den Raum nicht verlassen, sonst weint sie und läuft mir hinterher. Sie will oft auf dem Arm sein und auch wenn sie sieht, dass ich eine Jacke anziehe und sie
mit dem Papa alleine lassen muss, weint sie ganz arg. Sie spielt nicht alleine, sie kann sich sehr schlecht beschäftigen und ruft halt immer wieder Mama, Mama, Mama. Auch nachts wacht sie öfters auf und ruft nach mir, obwohl ich neben ihr liege. Was kann ich tun um das etwas zu entschärfen? Ich kann Zuhause nicht viel machen, wenn sie ständig an mir hängt. Und bei manchen Aufgaben kann ich sie nicht mit einbeziehen – sonst „hilft“ sie mir eben im Haushalt. Aber es bleibt halt so viel liegen und auch am Abend kann ich mich nicht mal in die Badewanne legen, denn wenn sie wach wird kann der Papa sie öfters nicht wieder zum Einschlafen bringen.

Was raten Sie mir/uns. Was ist normal für dieses Alter und auf was soll ich mich konzentrieren?

Vielen Dank für die Hilfe
Grüße
Valentina

von Valentina_Sunny am 25.05.2016, 12:35 Uhr

 
 

Antwort:

Ein- und Durchschlafen, sowie Klammern

Liebe Valentina!

Ihre Situation ist wirklich nicht einfach – für alle Beteiligten! Für Sie, das Sie eh schon sehr durch Arbeit und Co belastet sind und Aus-Zeiten dringend brauchen könnten, für den Papa, der ständig auf Ablehnung stößt und auch für die Kleine, die irgendwie nicht richtig zur Ruhe kommt.
So eine Situation in einzelne Faktoren aufzudröseln ist gar nicht einfach und ist in einem Forum wie diesem sicher nicht zu leisten. Ich würde daher raten, mir vor Ort Unterstützung z.B. durch die Erziehungsberatung (die auch längerfristig kostenlos beraten kann) vor Ort zu holen. Das heißt nicht, dass ich Sie oder Ihr Kind voreilig pathologisieren will, es geht vielmehr um eine neutrale Einschätzung Ihrer Situation mit mehr Zeit und gründlicher als hier möglich ist. Ob dann eine Behandlung notwendig ist, steht auf einem anderen Blatt. Ich denke, ein einfaches Konzept für das Schlafenlegen und die Einbindung des Vaters würde für sehr viel Erleichterung sorgen.


Parallel wäre es vielleicht sinnvoll, sich um eine Mutter-Kind-Kur zu bemühen. So eine Zeit bringt nicht nur Erholung, sondern auch neue Perspektiven und Impulse. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass man nicht die Erwartung hegt, alles würde sich nur durch diese eine Maßnahme bessern. Wichtig ist, dass man nach einer solchen Kur den Transfer zum Alltag zu Hause schafft.

Davon unabhängig:
Was ich beruhigend finde, ist die Tatsache, dass Ihre Kleine die Probleme in der Krippe nicht zeigt. Für Sie als Eltern ist das natürlich nicht so schön, dass es woanders, aber nicht zu Hause klappt. Schnell ist man dann bei Schuldgefühlen und Selbstzweifeln. Doch reinfachlich bedeutet dies, dass Ihre Tochter grundsätzlich in der Lage ist, zu schlafen oder sich zu beschäftigen, also keine grundlegende Entwicklungsverzögerung oder Störung vorliegt, die ihr das über verschiedenen Situationen hinweg grundsätzlich nicht ermöglichen würde.

Was die Krippenthematik angeht, die Sie sicher nicht ohne Grund erwähnt haben, so konnte man durch Vergleiche von fremdbetreuten und zu Hause betreuten Kindern tatsächlich feststellen, dass Situationen wie ins Bett bringen länger dauern und intensiver ausfallen. Das ist auch ganz verständlich, schließlich verteilt sich die Aufmerksamkeit bei zu Hause betreuten Kindern über den ganzen Tag, bei fremdbetreuten Kindern konzentriert sie sich eben auf die gemeinsamen Zeiten. Das bedeutet jedoch nicht, dass die ein oder andere Betreuungsform per se besser ist als die andere. Ein schlechtes Gewissen brauchen Sie daher nicht zu haben. Es ist zwar beliebt, aber nicht haltbar, Verhaltensprobleme auf die Art der Betreuung zurückzuführen. Hier ist immer die gesamte Familie zu betrachten und von Fall zu Fall entscheiden.

Was aber durchaus berücksichtigt werden muss, ist dass ihre Tochter in der Krippe viele Anregungen bekommt und somit auch vielleicht manchmal überdreht ist, obwohl sie eigentlich Erholung bräuchte. Hier helfen feste Übergangsrituale, wie etwa ein kurzer Spaziergang nach der Kita um „unterzukommen“. Auch sollte die Zeit nach dem Abholen „exklusiv“ sein, d.h. ungeteilte Aufmerksamkeit, Handy aus, und möglichst keine hektischen Pflichtaktivitäten wie Einlaufen, bei denen Ihre Tochter gleich funktionieren muss, Weniger ist gerade bei Krippenkindern oftmals mehr, doch Eltern von fremdbetreuten Kindern überfrachten oft auch die Freizeit, weil sie meinen, sie müssten Ihre Abwesenheit besonders kompensieren.
Also, zögern Sie nicht aus falscher Scham aktiv zu werden und sich um Hilfe zu bemühen. Oft sind es ja nur Kleinigkeiten, die schon den Unterschied ausmachen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und viel Kraft!

Herzlichst,

Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 29.05.2016

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