Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

Diese Sache mit dem Kinderwagen..

Hallo Frau Dr. Bentz,
mein kleiner Sohn ist seit gestern 10 Wochen alt und ein Schreibaby mit Regulationsstörungen.

Es fing eigentlich schon im Krankenhaus an, die erste Nacht nach seiner Geburt (Notkaiserschnitt nach Geburtsstillstand mit abfallenden Herztönen) wollte er nur auf dem Arm der Schwester schlafen. Von Woche zu Woche steigerte sich das Schlafproblem und fand seinen Höhepunkt um die 7. Woche. Er schlief, wenn er mal schlief,ausschließlich auf dem Arm. Er brüllte im Maxi Cosi, im Kinderwagen, in der Federwiege und in der Wippe. Nachts hat er vielleicht 3 Stunden geschlafen, wobei ich nach jeder Fütterung 1,5 Stunden durchs Haus laufen musste damit er wieder für eine Stunde schläft. Ich habe viel Unterstützung von meiner Hebamme, meinem Mann und meiner Familie, alleine hätte ich das nicht geschafft.

Nachts schläft er mittllerweile von 7.00 Uhr abends bis 5 Uhr morgens. Manchmal mit einer Unterbrechung um 1.00 Uhr manchmal sogar durch.
Wir gehen zusammen ins Bett ich lege mich neben ihn und er schläft ein. Das haben wir nun 18 Tage geübt und es klappt super. Er knörrt 5 Minuten und schläft dann.

Nur Tagsüber haben wir immer noch Probleme, er schläft ausschließlich im Tragetuch. Was heißt er schläft, er lebt eigentlich in diesem Tuch. Er schaut raus wenn er wach ist, will ich ihn dann rausnehmen schreit er gleich los.Das ist mir auf Dauer zu anstrengend.

Mein aller größter Wunsch ist es, ihm im Kinderwagen zu fahren. Einmal in die Stadt einen Kaffee trinken während er selig schlummernd im Kinderwagen neben mir steht. Bekomme ich ihn irgendwie an den Kinderwagen gewöhnt?
Wie strukturiere ich am besten seinen Tagschlaf, zur Zeit packe ich ihn morgens um 5.00 Uhr bis abends um 18.00 Uhr ins Tuch und hole ihn nur zum Essen und spielen raus. Wenn er nölig wird packe ich ihn sofort wieder ein und er schläft. Vormittags und Nachmittags schläft er immer nur 30 Minuten, wobei die Anzahl der Nickerchen variiert. Zwischen 12.00 und 15.00 Uhr schläft er dann zweimal eine Stunde.

Tut mir leid für den langen Text. Ich weiß das ich das Schlimmste überstanden habe und schon viel geschafft habe. Durch die tollen Nächte
schaffe ich auch die anstrengenden Tage sehr gut.

von Baby2015meike am 21.09.2015, 09:32 Uhr

 
 

Antwort:

Diese Sache mit dem Kinderwagen..

Nachtrag:

Im wachen Zustand hat er kein Problem mit dem Kinderwagen, man kann ihn reinlegen und fahren, wird er müde fängt er an zu weinen und schreit sich dann regelrecht in Rage, gleiches gilt ebenfalls für den Maxi Cosi.
Also wie auch in der Wippe etc. findet er alles nur für 10 Minuten toll.

von Baby2015meike am 22.09.2015

Antwort:

Diese Sache mit dem Kinderwagen..

Liebe Baby2015,

wowo, erstmal bin ich beeindruckt, wie viel Sie wirklich schon geschafft haben! Das ist sicher eine sehr harte Zeit gewesen, doch es freut mich für Sie beide, dass es jetzt mit dem Bett schon gut klappt. Hoffentlich lesen auch andere Eltern Ihren Bericht, denn man kann ja immer viel erzählen, doch ein Bericht wie der Ihrige ist eeben mehr als Theorie und macht sicher vielen Mut!

Sie haben jetzt eine gute Ausgangsbasis. Ich würde vielleicht noch ein, zwei Wochen warten, damit sich die Änderungen auch festigen und Ihr Kind vielleicht schon so sehr von der neuen Nachtschlafsituation profitiert, dass auch für tagsüber Entwicklungen angestoßen werden.

Doch dann können Sie tatsächlich es so machen, wie beim Schlafen. Legen Sie Ihren Sohn in den Kinderwagen und halten Sie den Protest aus. Sprechen Sie beruhigend zu ihm, vielleicht pucken Sie ihn auch oder sorgen für Begrenzung durch ein Lagerungskissen. Manchmal ist so ein Kinderwagen einfach zu groß für ein Kind, dass sehr viele Nähe und Enge gewöhnt ist.

Greifen Sie nur ein, wenn es sich gar nicht beruhigt und legen Sie ihn dann wieder hin. Am nächsten Tag das gleiche usw., usw. usw. Sie wissen ja jetzt schon, dass Veränderungen Zeit brauchen und Ihr Sohn muss eben erst die Erfahrung machen, dass ihm im Kinderwagen nichts Schlimmes passiert, dass es auch dort schön ist und Mama ja auch dabei bleibt.

Um das Ganze zu erleichtern, würde ich es vormittags, immer in etwa um die gleiche Zeit verbunden mit einem Spaziergang einführen. So lernt ihr Kind, das dies eben das Programm ist, was vormittags läuft, dass man dann nach Hause kommt und dort wieder Gewohntes stattfindet. Wenn das gut klappt, spricht nichts dagegen, den Kinderwagen auch öfter im Wechseln mit dem Tuch einzusetzen.

Ferner würde ich mir eine Zeit aussuchen, in der Ihr Sohn erfahrungsgemäß ausgeruht, satt und zufrieden ist. Das Schlafen Kinderwagen kommt dann erfahrungsgemäß von allein, wenn er gelernt hat, den Kinderwagen zu akzeptieren. So können Sie ihn vielleicht bei der Neugier packen und er ist noch nicht so übermüdet und überrreizt, dass jede Neuerung einfach zu viel für ihn ist und er dann das Gewohnte (Tuch) will. Uns Erwachsenen geht es ja ähnlich, wenn wir erschöpft und gereizt sind, sind wir einfach nicht offen für Neues. Außerdem hilft uns Großen die Bewegung an der frischen Luft auch etwas dabei, den Schlafmangel besser zu bewältigen und bei Schreiaatcken ruhiger zu bleiben, als in den vier Wänden.

Vielleicht hilft es auch, auf die Matratze des Kinderwages immer ein paar Tropfen Bio-Lavendelöl zu geben. Lavendelöl hat nachweilich beruhigende Wirkung und wenn ihr Kind lernt, diesen Geruch mit etwas Angenehmen zu verbinden, kann das in vielen Situationen hilfreich sein. Acuh ein von Ihnen getragener Pulli (ungewaschen) kann diese Wirkung haben - die dann aber regelmäßig erneuert werden muss (-;

Zu Anfang wäre ich ebenfalls zurückhaltend, was auffällige Wagenketten und anderes Spielzeug betrifft. Kinder mit Regulationsschwierigkeiten neigen dazu, schnell zu überreizen und Schieben plus Kinderwagen plus Draußensein sind ja schon viele Reize.

Ansonsten würde ich empfehlen, immer das Tragetuch mitzunehmen und ein Spucktuch bereit zu halten, womit Sie ggf. den Kinderwagen abdecken können, wenn es Ihrem Kleinen mal draußen zuviel wird.

Außerdem hilft eine große Portion Gelassenheit bei eventuell mehr oder weniger wohlgemeinten Passanten, wenn Ihr Kind schreit. Lassen Sie sich nicht verunsichern, Ihre bisherigen Erfolge zeigen, dass Sie ein gutes Gefühl für Ihr Kind haben und wissen, was ihm gut tut!!!

Ich wünsche viel Erfolg! Das mit dem Sitzen im Café und dem Kinderwagen nebendran wird sicher bald klappen, wenn auch vielleicht nicht immer.

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 22.09.2015

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