Dr. rer. nat. Meike Bentzs

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Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

Bindung gestört ?

Hallo,

Danke das sie mir schon so super geholfen habe. Jetzt hätte ich noch eine Frage zu dem Schlafverhalten bzw aufwachen meiner Tochter , 22 Monate.


mein Mann musste wegen einer Hirnhautentzündung im März ins Krankenhaus.
Meine Tochter war im Krankenhaus eingeschlafen und meine Nachbarin (hatte mich ins Krankenhaus gefahren) hat den Kinderwagen in der Zeit geschoben.
Meine Tochter damals 18'Monate ist bei ihr dann aufgewacht.
Da ich noch bei meinem Mann war, hat sie meine Tochter in der Zeit beschäftigt.
Meine Tochter hatte aber zu dem Zeitpunkt gefremdelt.
Lt Nachbarin hat sie nicht geweint.
Nach ca 15 Minuten hab ich sie dann wieder genommen.
Auch war ich öfters mittags im Krankenhaus und meine Tochter wurde beim aufwachen von meiner Oma betreut.


Seit dem ganzen ist es so, dass meine Tochter immer beim aufwachen sich an mir klammert und wenn jemand anderes (Papa od Oma) da sind heult und nein schreit.
Sie braucht dann immer 5 Minuten bis sie auf andere wieder zugeht.

Ist die Bindung jetzt gestört, weil meine Tochter 15 Min aufm Arm jemand anderes war und sie hatte Angst, hab es ihr angesehen und seitdem hat sie immer Angst beim aufwachen.

Hab ich dadurch etwas kaputt gemacht ? Aber in dem Moment hatte ich einfach anderes im Kopf .

Wird sich das Verhalten wieder legen ? Kann ich irgend etwas dafür tun?
In 1 Monat kommt sie in die Krippe, ich weiß nicht wie das gehen soll .

Danke und LG

von JEW am 19.08.2015, 09:24 Uhr

 
 

Antwort:

Bindung gestört ?

Liebe JEW,

oh, je, da haben Sie ja wirklich schon eine Menge mitgemacht. Ich hoffe, dass Ihr Mann sich wieder gut erholt hat.

Zu Ihrer Frage: Ich finde es sehr rührend, wie sehr Sie sich sorgen, doch aus meiner Sicht gibt es dazu keinen Anlass.

Viele Eltern werden dadurch, dass nun überall von Bindung gesprochen wird, sehr stark verunsichert. Das Gespenst "Bindungsstörung" scheint daher über allem Möglichen zu drohen. Doch was heißt überhaupt Bindungsstörung?

Entgegen der häufig zu findenen Annahme handelt es sich dabei bei nicht um unsichere Bindungstypen - die eine Normvariante darstellen - sondern um eine wirklich klinisch relevantes, pathologisches Störungsbild, wie es etwa nach schweren körperlichen und / oder seelischen Misshandlungen, Vernachlässigung oder dem gänzlichen Fehlen positiver Bindungserfahrungen, häufig wechselnder Heimunterbringung etc. zu beobachten ist.

Eine Bindungsstörung wird Ihre Tochter daher sicher nicht erlitten haben! Die Bindungsqualität basiert nicht auf Einzelerlebnissen, sondern ist ein Prozess (sehen wir mal von wirklich sehr traumatischen Bindunsgerlebnissen wie sie etwa Kinder in Kriegsgebieten erleben ab). Natürlich kann so ein Erlebniss wie das von Ihnen skizzierte ein Kleinkind wie Ihre Tochter irritieren- nicht zuletzt deshalb, weil sie Ihre Ängste und Sorgen ja auch spürt!

.Ihre Nachbarin ist ja zudem zwar etwas "fremder", aber keine traumatische Bindungserfahrung - im Gegenteil: Ihre Tochter konnte so erfahren, dass auch wenn Mama mal nicht da ist, sie nicht allein ist und jemand sich kümmert. Dass das von den Kleinen nicht immer so gewollt ist, ist natürlich eine andere Sache...Dass Kinder zudem auf unterschiedliche Bezugspersonen zu verschiedenen Phasen und in verschiedenen Situationen unterschiedlich reagieren, ist zudem normal. Kinder sind schon sehr früh in der Lage, zwischen unterschiedlichen Personen und den damit verbundenen Rollen zu differenzieren.

Fazit: Eine sichere Bindung setzt nicht voraus, dass immer zu allen Zeiten immer alles perfekt sein muss! So ist das Leben nun mal nicht! Was wäre denn die Alternative gewesen? Wären Sie eine bessere Mutter gewesen, wenn Sie Ihrem Kind die Hekttik und Dramatik einer Notaufnahme und Intensivstation zugemutet hätten? Vielleicht beantworten Sie sich die Frage selbst, indem Sie sich vorstellen, eine andere Mutter hätte so wie Sie gehandelt und würde Ihnen davon berichten. Was würden Sie denken?

Mein Rat: Bleiben Sie ruhig und gelassen und gönnen Sie Ihrer Kleinen ihre "5 Minuten" ohne dies zu kommentieren oder zu ermutigen (Bitte kein: "dass ist doch die liebe Oma etc") und lassen Sie sie dann von sich aus auf Papas, Omas oder Nachbarinnen Arm. Bleiben Sie ein Weilchen dabei und wenn Sie den Raum verlassenn, kündigen Sie es IMMER an (ich geh mal kurz auf die Toilette. Papa bleibt bei dir etc), auch wenn es zum Weinen kommt und man sich vielleicht lieber kruz rausschleichen würde. Machen Sie dabei den anderen klar, dass das Verhalten Ihrer Tochter kein Zeichen für Ablehnung ist, sondern einfach für Irritation. Vor allem Papas und Omas sind sonst schnell gekränkt...(-;


Weiterhin alles Gute!

Herzlichst,

Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 20.08.2015

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