Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

Besuch

liebe Frau Dr. Bentz,

immer wenn wir mit unserem Sohn (5 Monate) zu jemandem zu Besuch fahren, schreit er mindestens eine halbe Stunde wenn wir dort ankommen ohne dass er sich beruhigen lässt. Auch wenn ihn Fremde länger anlächeln schreit er irgendwann los. Woran liegt das und muss ich mir Sorgen machen?

Vielen Dank Ihnen
Mäuschen

von Maueschen am 25.02.2016, 09:20 Uhr

 
 

Antwort:

Besuch

Liebes Mäuschen!

Nein - im Gegenteil! Diese Reaktion zeigt, dass Ihr Kleiner sich geistig weiterentwickelt hat und nun genauer zwischen "Bekannt" und "Unbekannt" differenziert. Babys können bereits sehr früh zwischen Gesichtern und Gesichtsausdrücken unterscheiden, und die elterlichen Gesichter werden auch länger angeschaut, doch es wird auch gern ein Papier mit einem aufgemalten Smiley angelacht - Hauptsache jemand oder etwas lacht.

Doch dann wird das Ganze reifer und deutlich personengebundener, d.h. eine bekannte Person sorgt für Wohlbefinden, eine unbekannte Person für Irritation und Unwohlsein. Diesen Schritt nennt man Fremdeln und erreicht meist seinen Höhepunkt um den 8. Lebensmonat herum. Später kommen dann noch konkretere Verlustängste hinzu, denn ein Kind muss erst durch Erfahrung lernen, dass seine Bezugspersonen, auch wenn sie gerade nicht anwesend sind, noch existieren und wiederkommen.

Mit Verwöhnen oder zu wenig sozialen Kontakten hat das übrigens nicht zu tun. Die Heftigkeit der Reaktion ist von Kind zu Kind sehr verschieden und in diesem Alter kaum eine Frage der Erziehung als des Temperaments. Manche Kinder reagieren sehr sensibel auf neue Reize und nehmen alles ganz genau wahr, während andere eher gelassener sind. Erwachsene (Großeltern Tanten, Nachbarn etc.) sollten daher auch nicht enttäuscht sein, wenn sie ein Kind anfremdelt, was vorher gut auf sie reagiert hat. Es ist kein Zeichen von Abneigung, sondern einfach eine (wichtige) Phase der Entwicklung.

Aus fachlicher Sicht ist eher die völlige Abwesenheit des Fremdelns ein Grund zur Sorge, also keine Panik! Ihr Kleiner ist normal. Reagieren Sie gelassen und respektieren Sie es, wenn er signalisiert, dass es ihm zu viel ist! So ein kleines Wesen nimmt eine unvorstellbare Menge an Detailinformationen auf und muss diese verarbeiten, während wir schon Filter vorgeschaltet haben, die viele Informationen überhaupt nicht bewusst werden lassen. Das Leben eines Babys ist somit geistiger Höchtsleistungssport und braucht daher regelmäßige Erholungspausen. Das müssen Besucher eben akzeptieren.

Und schließlich ist Mama eben doch die Beste (-;

Ihnen alles Gute!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 28.02.2016

Antwort:

Besuch

Vielen lieben Dank!
Sie schreiben immer so toll zurück und es tut so gut, Ihre Beiträge zu lesen. Mir hilft das sehr und macht mich deutlich sicherer!!

von Maueschen am 29.02.2016

Die letzten 10 Beiträge
Mobile Ansicht

Impressum Über uns Mediadaten Nutzungsbedingungen Datenschutz Forenarchiv

© Copyright 1998-2021 by USMedia.   Alle Rechte vorbehalten.