Dr. rer. nat. Meike Bentzs

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Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

Antwort:

Babys Entdeckerdrang

Liebe irimama!

Nun, nächst mal freut es mich, dass die tage entspannter geworden sind. Das ist ja schon einmal ein wichtiger Meilenstein, den Sie beide zusammen erreicht haben.

Hartnäckige Durchschlafprobleme, bei denen organische Ursachen ausgeschlossen sind, können im Wesentlichen 3 Hauptursachen haben:

a) Ein Kind schläft nicht gemäß seines Schlafbedarfs, also zu wenig oder – was oft vergessen wird!- zu viel bzw. es muss länger im Bett liegen, als es müde ist.

b) Die Verteilung des Schlafs ist ungünstig, so wird am Tag zu viel oder zu ungünstigen Zeiten geschlafen. Wichtig: der Gesamtschlafbedarf lässt sich nicht beeinflussen. Die Zeit, die ein Kind am Tag schläft, fällt daher vom Nachtschlaf weg. Wenn Zudem ein Kind zu spät am Tage noch ein Nickerchen hält, beeinflusst das den Nachtschlaf.

c) Ein Kind hat Regulationsschwierigkeiten und ist auf bestimmte Reize zum Einschlafen gewöhnt. Fallen diese Reize weg oder hören auf, ist es irritiert und schreit. Dabei ist nicht das Erwachen das eigentliche Problem ( denn das tun wir alle mehrfach in der Nacht ohne es zu merken), sondern die Unfähigkeit, selbst wieder einzuschlafen.

Positiv ist, dass Ihr Sohn tagsüber nicht müde und schlapp zu sein scheint, sondern interessiert aufgeweckt und energiegeladen. Dies spricht dafür, dass er grundsätzlich genügend Schlaf bekommt. Ich kann an dieser Stelle keine Diagnose stellen, doch möglicherweise haben Sie einen kleinen „Wenigschläfer“, der zusätzlich noch ein paar Schwierigkeiten mit der Selbstregulation hat.

Mit sieben Monaten muss Ihr Sohn natürlich noch nicht durchschlafen können, und viele Kinder wie er haben es nicht so gerne, abgelegt zu werden, oder brauchen noch Hilfe bei der Beruhigung. Dennoch sind dies Punkte, an denen sich gewisse Schwierigkeiten mit der Selbstregulation zeigen, und an denen man ansetzen kann.

Ich würde bei Ihnen so vorgehen, dass ich die berühmten 24-h-Protokolle über ca. 14 Tage führen würde, um herauszubekommen, wie der Schlafbedarf im Mittel ist und wie die Verteilung von Tag- und Nachtschlaf aussieht. Wenn mal der eine Tag so, der andere so aussieht, ist das nicht ungewöhnlich. Über 14 Tage jedoch bekommt man relativ verlässliche Werte.

Achten Sie dann darauf, einen festen Rhythmus zu etablieren mit festgelegten Schlafenzeiten. Ein zu individuelles Eingehen mit von Tag zu Tag unterschiedlichen Zeiten kann gerade bei Kindern mit Regulationsschwierigkeiten dazu führen, dass sich kein stabiler Rhythmus entwickelt. Selbstverständlich wird dies eine Umstellung für Ihr Kind bedeuten und vielleicht zu Beginn auch mehr Unruhe, doch dann wird sich sein Körper auf den Rhythmus einstellen. Damit hätten Sie dann die „biologische Basis“ für einen gesunden Schlaf geschaffen.

Dann wäre es aus meiner Sicht empfehlenswert, nachts längere Stillabstände von mindestens 3 Stunden einzuführen. Auch das wird nicht ohne Proteste gehen, schließlich ist Ihr Kleiner an diese Beruhigungshilfe gewöhnt und kann die Folgen seines Handelns nicht absehen. Hier können nur Sie konsequent sein, und ihm liebevoll zeigen, dass es auch anders geht. Wenn Sie sich aber anfänglich auf ein paar harte Nächte einstellen, oder vielleicht sogar sich den Kleinen durch den Papa zu festen Zeiten bringen lassen, wird sich das Ganze i.d.R. schnell einpegeln. Seien Sie daher nicht frustriert, wenn es anfänglich mehr Schreierei gibt, sondern halten Sie durch. Er braucht die widerholte Erfahrung, damit sein Verhalten sich ändern kann.

Ich wünsche viel Erfolg und dafür viel Kraft!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 18.07.2016, 12:42 Uhr

 
 
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