Dr. rer. nat. Meike Bentzs

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Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

Baby wehrt sich gegen das Einschlafen. tipps oder Ideen?

Meine kleine ist inzwischen 8 Monate alt.
wir waren 8 Tage über ET und wurden eingeleitet. Zwischen wehen und Geburt wars grad mal ne halbe stunde,wir waren total überfahren.
Wir waren beim Kinderarzt, da ist alles Ok. wir waren beim Osteopath. Hatte ne Blockade im Rücken. Mussten Magnesium nehmen.
unser Problem ist das mit dem Schlafen. Sie schreit und tobt wenns ans schlafen geht..tagsüber meckert und heult sie auch ..aber vorm schlafen, egal zu welcher Tageszeit..furchtbar..
sie ist ab morgens 5 Uhr wach..um ca. 8.30 Uhr ist sie wieder müde und zeigt Müdigkeitszeichen. dann hab ich schon alles probiert. Wiegen, Fläschen, Tragetuch, Kinderwagen, Auto fahrn usw. sie wehr sich regelrecht gegens einschlafen. und heult sich total in Rage. wenn ich glück hab schläft sie irgendwann ein. aber nur 30min. Mittags das gleiche. Mittagschlaf geht nur ca.30-45min. Nachmittags schläft sie äusserst selten nochmal. dann ist sie natürlich gegen 17.30 sooo müde, so dass ich sie wieder ins Bett bringe..und das gleiche spiel geht von vorne los...
ich hab schon echt alles probiert..
Beistellbett, Familienbett, eigenes Bett. Mit Nachtlicht, ohne Nachtlicht, mit Musik, ohne Musik..vorsingen, vorlesen..usw.
und wenn sie dann mal eingeschlafen ist.wacht sie nachts mindestens 8-10x auf und heult los..von 0 auf 100. so dass natürlich alle wach sind. oft lässt sie sich nicht beruhigen, heult und heult und dann ist meine grosse (3,5 Jahre) auch wach. manchmal hat sie Hunger, aber bis sie was trinkt, brüllt sie erstmal die Flasche minutenlang an.
Morgens ist dann die Nacht vorbei.
Sie wehrt sich regelrecht gegen das Schlafen und Weiterschlafen.
Tagsüber 1,5 Stunden schlafen ist doch auch Zuwenig..da müsste sie doch nachts total gut und lang schlafen..
hoffe auf ihre Ideen und Anregungen.

von windelbomber am 16.08.2016, 20:43 Uhr

 
 

Antwort:

Baby wehrt sich gegen das Einschlafen. tipps oder Ideen?

Liebe Windelbomber!

das klingt wirklich sehr anstrengend. Ich nehme mal an, dass diese Schlafprobleme schon länger bestehen, von daher bin ich etwas erstaunt, wie Sie diese Situation zu Hause so lange durchhalten konnten. 8-10 maliges Erwachen pro Nacht ist wirklich viel. Doch die Häufigkeit allein ist nicht ausschlaggebend. Wichtig ist zudem die Entwicklung: Auch wenn Ihr Kind keineswegs mit acht Monaten Durchschlafen muss, so sollte sich langsam eine deutliche Besserung zeigen. Mir scheint dies jedoch nicht der Fall zu sein.

Ich kann hier keine Ferndiagnosen stellen, doch bei ausgeprägten Schlafstörungen ist es nicht einfach mal so mit einem Tipp getan. Sie sagen ja selbst, Sie haben schon etliche Dinge probiert, und nichts hilft. Hier brauchen Sie ein ganzheitliches Konzept, was nicht nur das Thema Schlaf, sondern den gesamten Alltag umfasst. Ohne zu wissen, wo der Schuh drückt, ist jeder Versuch ein Schuss ins Blaue, der nur weitere Unruhe und Verunsicherung mit sich bringt.

Die Basis für das weitere Vorgehen ist daher eine genaue Analyse, was mittels 24-h-Protokollen und genauer Anamnese geschieht. Manchmal macht es Sinn, sogar noch gründlicher einzusteigen, und ein komplettes Schlaflabor stationär in einer spezialisierten Einrichtung durchzuführen. Auf jeden Fall wäre es aus meiner Sicht empfehlenswert, hier einmal jemanden gucken zu lassen, der sich auf das Thema frühkindliche Schlafstörungen / Regulationsstörungen spezialisiert hat. Dies bedeutet nicht gleich, Ihrem Kind irgendwelche Störungen anzudichten oder voreilig zu pathologisieren. Vielleicht haben sich ungünstige Muster etabliert, oder es fehlt einfach noch ein Schubser in die richtige Richtung. Doch möglichweise hat Ihr Kind auch besondere Bedürfnisse und die Probleme bedürfen einer intensiveren Behandlung.
Natürlich ist es auch möglich, sich hier im Forum zu informieren oder sich Bücher zum Thema Schlaf zu besorgen, doch ich bin mir sicher, dass Sie dazu schon einiges recherchiert haben, sonst wäre Sie ja vermutlich auch gar nicht hier gelandet. Doch auch wenn dies manchmal so suggeriert wird, den einen Aus-Knopf gibt es nicht. Was sollte ich Ihnen hier sagen, was Sie nicht längst schon ausprobiert haben – zumal Sie Ihr Kind ja viel besser kennen als ich.

Nicht selten liegt genau darin das Problem: es wird mal dies, mal das probiert, doch nichts wirklich konsequent über einen längeren Zeitraum. Schlaf ist jedoch ein träges Gewohnheitstier und braucht Zeit, bis sich Änderungen / Verbesserungen zeigen. Viele Eltern sehen in dem Weinen ihres Kindes viel zu früh ein Zeichen dafür, dass etwas falsch ist oder eben nicht funktioniert, und hangeln sich mit besten Absichten von einem Tipp zu nächsten – bis sie und ihr Kind am Ende völlig von der Rolle sind und scheinbar gar nicht mehr klappt. In Wirklichkeit fehlt jedoch oftmals einfach die Zeit, dass sich Kinder an etwas gewöhnen können.

Um Verhaltensänderungen zu erzielen bedarf es der wiederholten Erfahrungen, sprich, man muss etwas wieder und wieder tun, damit sich ein Lerneffekt abzeichnen kann. Wir können ja auch nicht gleich am ersten Fahrschultag Autofahren, und ich erinnere mich noch mit Grausen an meine erste Fahrstunde, die ich panisch und mit schwitzenden Händen absolviert habe.

Bei den Kleinen, für die eh alles neu ist, ist das natürlich nicht anders. Wenn Eltern mir erzählen, Ihr Kind lehne beispielsweise das Tragetuch nach, ist meine erste Frage immer, wie oft das denn probiert wurde, und wie lange die Versuche denn gedauert haben. Meist bekomme ich dann berichtet, dass das Kind im Tuch angefangen habe zu weinen und man es denn noch ein, zweimal probiert habe, doch es genauso war und man es daher gelassen habe. Das ist verständlich, denn wer möchte schon gern sein Kind weinen sehen, doch es ist viel zu kurz, um wirklich davon sprechen zu können, dass ein Kind das Tragen nicht mag (was natürlich auch vorkommt).

Des Weiteren ist ein häufiges Problem, dass nur an einzelnen Symptomen herumgedoktert wird. Selbstverständlich ist z.B. das ins Bett bringen eine klassische Schlüsselsituation, die besondere Aufmerksamkeit erfordert, doch die Hauptarbeit für gesunden Schlaf liegt am Tag. Wenn hier ein Kind dauerhaft keinen Rhythmus entwickelt, immer wieder zu völlig unterschiedlichen Zeiten schläft, und isst, und /oder der Tag mit zu vielen Aktivitäten überlastet ist, so kann dann abends nicht einfach Schluss sein.

Ich kenne Ihre private Situation nicht, und vielleicht sind das alles Dinge, die Sie so schon betrachtet haben, doch so oder so würde ich raten, sich nicht mehr weiter durch den Tag und durch die Nacht zu quälen, sondern sich externen Rat und Unterstützung einzuholen. Wie immer betone ich dabei, dass dies kein Zeichen von Schwäche ist, sondern von Verantwortung – für das Kind, für sich und die Familie. Auch wenn sich bei den ganz Kleinen viele Dinge von selbst erledigen und man sicher auch nicht immer erwarten kann, voll ausgeruht in den Tag zu starten - dauerhafte Schlafprobleme sind nicht nur extrem belastend, sondern können auch ein Entwicklungsrisiko darstellen.

Ich drücke Ihnen daher die Daumen, dass sie schnell kompetente Hilfe finden!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 18.08.2016

Antwort:

vielen dank

vielen lieben dank für ihre aufbauenden Worte

von windelbomber am 18.08.2016

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