Dr. rer. nat. Meike Bentzs

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Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

Baby schläft nicht alleine

Guten Morgen Frau Bentz,

ich hoffe Sie haben ein paar Ratschläge für mich. Unsere Tochter (6 Wochen) schläft nur aufm Arm. Wenn man sie ablegt, dauert das höchstens 10 Minuten und sie wird wach und fängt an zu weinen. Danach lässt sie sich nur an der Brust beruhigen. Egal ob Tag oder Nacht. Habe beobachtet, dass sie meist zusammen zuckt bevor sie wach wird und sich dabei erschreckt. Gegen das Pucken wehrt sie sich. Was kann ich machen?

Kann ihr Verhalten jetzt noch mit der dramatischen Geburt zusammen hängen? (Notkaiserschnitt nach vorzeitiger Plazenta-Ablösung)

Vielen Dank im Voraus!

von Brina84 am 17.05.2016, 09:14 Uhr

 
 

Antwort:

Baby schläft nicht alleine

Hallo,
ich kann nach derartiger Geburt immer wieder nur dazu raten zum Osteopath der sich auf Säuglinge spezialisiert hat zu gehen. Hab nicht viel davon gehalten, aber hat nach ewiger Geburt mit Notkaiserschnitt etc. Wunder gewirkt. Konnte ihn vorher auch nicht ablegen. Jeder Termin (5insgrsamt) hat immer zu einer Verbesserung verschiedener Aspekt geführt (bspw ablegen, Entspannung etc)
Lg

von Hasenbande am 17.05.2016

Antwort:

Baby schläft nicht alleine

Liebe Brina84!

Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Sie und Ihre Tochter haben Großartiges geleistet und dass sollte man sich immer wieder bewusst machen.Dass der Start kein schönes Erlebnis war, ist wirklich bedauerlich und es wäre Ihnen beiden wirklich anders zu wünschen gewesen.

Allerdings kann die (weitverbreitete) Annahme, dass eine schwierige Geburt auch „schwierige Kinder“ nach sich zieht, durch entsprechende Studien nicht bestätigt werden. Vielmehr scheint es so zu sein, dass die Kinder über eine Art Schutzmechanismus verfügen, der auch in extremen Situationen greift. Für die Mütter wiederum kann das natürlich ganz anders aussehen. Für sie kann so eine Geburt tatsächlich ein Trauma darstellen, was sich indirekt dann schon auch auf das Kind auswirken kann. Doch ich rate hier zur Vorsicht und einen sorgsamen Umgang mit dem Begriff Trauma in Bezug auf ein Neugeborenes. Auch wenn ein Baby und selbst ein Embryo sicher keine emotionslosen Zellhäufchen sind, so sollte man m. E. nicht die gleichen Konzepte anwenden wie bei Erwachsenen. Wir wissen einfach nicht, was in ihren Köpfen vorgeht und können nur durch bestimmte Dinge indirekt schlussfolgern, doch letztendlich fehlt hier das Medium Sprache. Jeder seriöse Hirnforscher weiß, dass wir lange noch nicht alles wissen. Ich habe daher auch meine Schwierigkeiten damit, wenn sehr weitreichende Dinge postuliert werden, die Eltern höchst verunsichern und enorme Schuldgefühle - insbesondere bei den Müttern- wecken können.
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Ich erleb immer wieder, dass so etwas sich zu einer regelrechten „fixen Idee“ ausarten kann und später alle möglichen Schwierigkeiten immer wieder auf die „schwere Geburt“ zurückgeführt und teilweise auch gerechtfertigt werden. Es ist nicht auszuschließen, dass in ein paar Jahren hierzu neue Erkenntnisse erscheinen und ich mich korrigieren muss. Bislang rate ich aber guten Gewissens dazu, die Bedeutung derartiger Erlebnisse für das Kind (!) nicht überzubewerten.


Was heißt das nun für Sie?
Vorausgesetzt der Kinderarzt und Ihre Hebamme sind zufrieden mit der Entwicklung Ihres Kindes sehe ich keinen Grund zur Besorgnis. Damit will ich nicht sagen, dass Sie keinen Grund haben, sich zu beklagen! Im Gegenteil – die Bandbreite dessen, was als normal und extrem gilt ist breit, d.h. Kinder müssen nicht krank oder gestört sein, können aber trotzdem anstrengender und fordernder als andere sein.

Was Sie jedoch beachten sollten ist, dass es nach den ersten 1-2 Wochen relativer Ruhe nach der Geburt ein deutlicher Anstieg der alltäglichen Schreidauer typisch ist. Mit ca. 8-12 Wochen erreichen Kinder dann ihren Schreigipfel um in den allermeisten Fällen danach deutlich ruhiger zu werden.

Um diese erste harte Zeit einigermaßen unbeschadet zu überstehen, macht es Sinn, sich zu überlegen, wie Sie einen möglichst guten Kompromiss aus den Bedürfnissen Ihres Babys und Ihren körperlichen und seelischen Grenzen finden. Sicher sind besonders in der ersten Zeit einige Zugeständnisse notwendig, jedoch sollte diese nicht bis zur totalen Aufopferung gehen. Vielleicht hilft Ihnen ein Tragetuch einerseits Nähe, anderseits frei Hände zu haben. Schwierige Schreiphasen können mit Ohrenstöpseln etwas erträglicher werden, da sich so die schrillen Obertöne abpuffern lassen. Gegen Müdigkeit hilft Bewegung an der frischen Luft, am besten vormittags.

Auch das Pucken würde ich nicht vorzeitig aufgeben. Elter junger Säuglinge verwechseln die unkoordinierten Zuckungen häufig mit Ablehnung und Abwehren, das ist es aber i.d.R. nicht. Säuglinge können reifebedingt ihre Gliedmaßen noch nicht willentlich so steuern wie wir, d.h. die Impulse für Anspannung und Entspannung, für Ruhe und Bewegung funktionieren noch nicht einwandfrei (ähnlich wie beim Zucken der Beine wie viele Erwachsene es bei Einschlafen haben). Gerade unruhigen Kindern hilft die Begrenzung, da diese willkürlichen Zuckungen Babys auch erschrecken und aufwecken können. Bei zu schnellem Hinlegen kann zudem ein Reflex ausgelöst werden, was dann wirklich wie ein ängstliches Zusammenfahren aussieht. Das legt sich aber mit der Zeit.

Das A und O ist jedoch, dass Sie nicht den Anspruch haben, alles allein und perfekt machen zu müssen. Lassen Sie sich – wo nur möglich – tatkräftig unterstützen. Wenn dies nicht in der Familie möglich sein sollte, gibt es zahlreiche tolle Angebote wie etwa die Frühen Hilfen, den Kinderschutzbund, Wellcome oder auch das Jungendamt, Caritas und Diakonie etc.

Davon unabhängig kann ich als Mutter Ihnen vergewisern: auch wenn nicht immer alle Tage mit einem Neugeborenen eitel Sonneschein sind – die Entwicklung und damit auch die Fortschritte Ihres Kindes schreiten wahnsinnig schnell voran. Vieles was heute noch ein Drama ist, kann morgen schon Vergangenheit bedeuten.

In diesem Sinne – Ihnen und Ihrer Kleinen alles Gute und viel Freude an- und miteinander!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 18.05.2016

Antwort:

Baby schläft nicht alleine

Hey hey,
Also ich hab zwar keine Ahnung über die Auswirkungen einer schweren Geburt aber ich kenne das gut dass das Kind nur aufem arm schlafen will.
Mein Sohn ist mittlerweile 7 Monate alt und schläft in seinem Bett und sogar meist durch aber das hat viel Geduld und Träne mit sich gebracht.
In den ersten 4 Monaten hat er nur auf meinem Arm oder meiner Brust geschlafen. Ans ablegen war nicht zu denken und selbst Nachts ging es nur ganz nah an mir dran. Er brauchte das einfach und ich hab ihn gelasse, uch wenn ich oft der Verzweiflung sehr nah stand und viele Tränen der Erschöpfung gefallen sind.
Und ohne meine täglichen kurzen Schlafphasen wenn der Papa da war wäre ich wahrscheinlich komplett verzweifelt.

Ab dem vierten Monat habe ich dann bewusst angefangen ihn abends in sein Bett zu legen zum einschlafen. Die ersten Tage waren schlimm und es hat bis zu drei Stunden gedauert bis er in den Schlaf gefunden hat, wobei ich ihn wenn er angefangen hat wieder richtig zu weinen auch immer wieder hoch genommen habe und ihn danach zurück gelegt habe. Ausserdem ham wir fast die ganze Zeit Händchen gehalten.
Nach der ersten Woche wurde es langsam besser auch wenn ich ihn nachts (meist nach drei Stunden Schlaf) dann wieder mit zu mir ins Bett genommen habe.
Und umso mehr Zeit verging umso besser funktionierte sein einschlafen im eigenen Bett und verlängerte sich die anfängliche Schlafphase. Bis wir heute sagen können er schläft die ganze Nacht in seinem Bett und wird nur noch selten einmal die Nacht wach.

Wichtig is glaub ich den Moment zu erkennen wo man dem Kind helfen kann sich ein wenig mehr zu zu trauen, darauf vertrauen zu können das man da ist auch wenn es nicht auf dem Arm schläft und eine Engelsgeduld an den tag zu legen.

Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Glück und Kraft es immer wieder zu probieren. Lg

von Dietzel am 20.05.2016

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