Dr. rer. nat. Meike Bentzs

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Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

Baby schläft nicht alleine ein

Hallo,

meine Tochter ist 6,5 Monate alt. Sie ist ein Schreikind, weshalb es seit sie ca. 8 Wochen alt ist, sehr anstrengend ist. Wir waren in einer Schreiambulanz, in der uns gesagt wurde, dass wir alles richtig machen würden. Wir waren zur 5-S Methode nach Karp übergegangen. Sie hat danach nicht mehr ganz so viel geschriehen und das Einschlafen ging etwas besser. Vor ca. 2 Monaten habe ich angefangen sie nicht mehr zu Tragen zum Einschlafen, da sie auch sehr groß und schwer ist. Anfangs dauerte das Einschlafen im Bett sehr lange. Sie schläft mit mir im Bett und schläft nur ein, wenn ich daneben liege und sie im Arm halte. Tagsüber teilweise schon nach 5 Minuten, abends ist es oft ein Kampf. Sie wird nachts sehr oft wach und weint, ich darf sie aber nicht mehr so oft stillen, weil sie sonst zu dick wird (laut Kinderärztin). In letzter Zeit kommt es auch öfter vor, dass sie mehrere Stunden nachts wach ist, plappert und nicht wieder zum Einschlafen zu bewegen ist. Da sie sich immer noch schlecht regulieren kann, brüllt sie dann nachts öfter bis zu einer Stunde. Ich nehme sie dabei in den Arm, rede leise mit ihr oder singe, so wie ich es auch beim Einschlafen mache, aber es hilft nichts. Tagsüber kann ich auch nicht immer aufstehen und sie wird oft nach einer halben Stunde wach und ich muss sie wieder in den Arm nehmen. Wir haben ein Einschlafritual, allerdings fängt sie spätestens wenn es zu Ende ist, an zu knottern. Ich versuche, sie in ihrem Bett, das direkt neben meinem steht, schlafen zu lassen, allerdings mit schlechtem Erfolg. Soll ich zunächst versuchen, ob sie in meinem Bett schlafen lernt, wenn ich nur daneben liege. Da wir morgen mit einer Vojta-Therapie beginnen, weil sie noch nicht krabbeln kann, möchte ich sie ungerne schreien lassen. Sie steigert sich relativ schnell in das Schreien hinein. Ich hoffe, Sie haben noch ein paar Tipps für mich.

von Ninwen am 07.12.2015, 09:36 Uhr

 
 

Antwort:

Baby schläft nicht alleine ein

Teilweise schreit sie auch tagsüber eine halbe Stunde und länger vor dem Einschlafen und schlägt und tritt dabei um sich. Seit ein paar Wochen ist sie zu groß für den Pucksack. Tendenziell beruhigt sie sich eher, wenn ich ihre Ärmchen festhalte, wenn sie in meinem Arm liegt zum Einschlafen. Ich frage mich manchmal ob sie frustriert ist, weil sie tagsüber nicht mehr die Brust bekommt vorm Schlafen, ich sie aber so im Arm habe wie auch zum Stillen. Sie nimmt einen Schnuller, allerdings nutzt der nichts gegen die Schreiattacken.

von Ninwen am 07.12.2015

Antwort:

Baby schläft nicht alleine ein

Liebe Ninwen,

ich kann sehr gut nachvollziehen, wie anstrengend und frustrierend die letzten Monate für Sie waren. Man probiert ganz viel, hält sich an fachliche Empfehlungen und trotzdem ist der Aus-Knopf einfach nicht zu finden.

Warum es jetzt noch hakt, kann ich so aus der Ferne natürlich auch nicht mit Sicherheit beobachten. Ich habe jedoch den Eindruck, dass bei Ihrer Tochter gegenwärtig weniger die Regulationsschwierigkeiten ausschlaggebend sind als vielmehr Probleme mit dem Tag-/Nachtrhythmus.

Wenn ein Kind Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen hat muss es nicht immer an fehlenden Mechanismen zur Selbstberuhigung liegen, sondern kann einfach schlicht bedeuten, dass ein Kind nicht müde genug ist. Dafür spräche, dass das Schafen am Tag problemloser gelingt und Ihre Tochter nachts häufiger aktive lange Wachphasen hat, in denen sie nicht weint, sondern munter und aufgeweckt ist.

Wichtig wären daher folgenden Fragen:

- Wieviel und wie oft schläft Ihre Tochter am Tag?
- Haben Sie eine Tagesstruktur mit (weitgehend) festen Aufwach-, Ruhe und Bettbringezeiten?
- Bei welcher Gesamtschlafdauer wirkt Ihr Kind ausgeschlafen und zufriedener?

Sollten Sie feststellen, dass es bisher noch keine feste Struktur gibt, wäre das meine erste Empfehlung, verstärkt darauf hinzuarbeiten. Ziel und Sinn ist es dabei nicht, die Kinder zu disziplinieren und in ein Korsett zu pressen, sondern quasi die biologischen Abstimmungsprozesse, die für einen funktionierenden Schlaf notwendig sind, auf die Sprünge zu helfen.

Während einige Kinder gar keine Probleme haben, ihren Rhythmus selbst zu finden, sind Kinder mit Regulationsschwierigkeiten damit heillos überfordert. Diese Kinder brauchen uns Eltern als Taktgeber und Wegweiser, damit sie lernen ihren 24-h-Rhythmus dem tatsächlichen Tag-Nachtrhythmus anzupassen und eben den größten Teil des Gesamtschlafs sich in der Nacht zu holen. Dies erfordert eine aktive Haltung der Eltern, sprich Sie müssen eingreifen und vorgeben. Ab ungefähr dem Alter Ihrer Tochter kann dass dann auch ggf. bedeuten, dass zu späte Nachmittagsschläfchen, zu langen und zu häufigen Tagesschläfchen ggf. wecken müssen. Das findet kein Baby gut und man selbst als erschöpfte Eltern ist schließlich ja auch froh, wenn das Kind nach einer durchgemachten Nacht morgens friedlich in den Tag schlummert, doch durch immer andere Zeiten kann die Biologie des Schlafs keinen Rhythmus finden bzw. keinen passenden Rhythmus aufbauen. Verhaltensänderungen, sprich Lern- oder Löschungseffekte , können aber nur langfristig greifen, wenn die Grundlagen des Schlaf gesichert sind. Ansonsten mühen Sie sich mit unzähligen Maßnahmen zur Einschlafförderung ab und es hat keinen Effekt, weil Ihr Kind zu müde oder auch gar nicht müde ist und / oder weil sein Rhythmus ein ganz anderer als der Ihrige ist.

Wieviel Schlaf ein Kind braucht und welche Dauer davon auf den Tag, welche auf die Nacht entfallen sollte, ist individuell unterschiedlich und lässt sich am besten von 24-h-Protokollen ermitteln. Diese bieten außerdem den Vorteil, dass auch Laien recht gut erkennen können, was gute und weniger gute Bettgeh-, und Tagesschlafzeiten sind. Ich empfehle Sie daher grundsätzlich. Was aber immer gilt ist:

Je länger ein Kind am Tag schläft, desto kürzer schläft es nachts! Dies heißt natürlich nicht, dass man bei Babys tags nicht schlafen soll. Due Fähigkeit, über den Tag wach zu belieben, eine Schlafschuld anzusammeln und dann kompakt wieder durch eine Schlafphase abzubauen (Schlafhomöostase) entwickelt sich erst. Babys und kleine Kleinkinder müssen daher tagsüber schlafen. Da jedoch der Gesamtschlafbedarf vom Neugeborenen bis zum Kleinkind deutlich sinkt, muss in der Entwicklung auch die Tageschlafdauer sich deutlich reduzieren, sonst KANN eben kein längerer Nachtschlaf stattfinden!

Damit komme ich immer wieder auf den Leitsatz zurück, dass die Hauptarbeit für einen guten Schlaf am Tag passiert und eben nicht erst am Abend! Stellen Sie sich selbst mal vor, Sie sollten etwas lernen, könnten dies aber nur abends nach einem langen Tag tun. Wahrscheinlich wären Sie sehr schnell überfordert, angespannt und überreizt. Warum sollte es unseren Kindern ähnlich gehen? Oder anders: wenn ein Tag keine erkennbare Struktur hat, ein Kind immer zu anderen Zeiten, an anderen Orten mit anderen Methoden in den Schlaf gebracht wird, ist es nicht verwunderlich, dass es abends dann eben nicht pünktlich um sieben Uhr allein einschläft.

Natürlich ist es bei einen 6,5 Monaten altem Baby noch nicht alles in Stein gemeißelt und die Erwartung, man könnte durch außen den Schlaf komplett steuern, ist sicher zu hoch gegriffen und schafft falsche Erwartungen. Im ersten Lebensjahr passieren die meisten Veränderungen im Schlaf, von daher ist es auch ganz natürlich, wenn ein Kind nicht wie ein Uhrwerk funktioniert. Und dass nicht immer alles funktioniert, heißt nicht dass es falsch ist. Es geht hier um Weichen stellen, nicht um Erziehung. Für Eltern kann dies ungemein frustrierend sein, doch der positive Effekt stellt sich eben nicht immer gleich - und vor allem auch sichtbar - ein. Oft sind es viele Kleinigkeiten, die sich schon gebessert haben, die man aus Erschöpfung gar nicht mehr richtig wahrnimmt.

Fazit:
Wenn dies alles gar nicht auf Sie zutrifft, Sie bereits einer Struktur mit vorhersehbaren Abläufen und Ritualen folgen und es trotzdem nicht klappt, heißt es nicht, dass Sie auf einem Irrweg sind! Dann fehlt einfach noch ein wenig Reife und Sie müssen leider noch etwas Geduld aufbringen und durchhalten.

Wenn Sie jedoch noch Optimierungsbedarf hinsichtlich Ihrer Tagesstruktur erkennen, dann wäre dies an erster Stelle - noch vor allen Tipps zum Thema Ein- und Durchschlafen ! - anzugehen.

So oder so, ich wünsche Ihnen bald bessere Nächte und eine friedliche Weihnachtszeit!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 08.12.2015

Antwort:

Baby schläft nicht alleine ein

Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort!

Ich versuche schon länger feste Zeiten einzuführen. Um ca. halb 7 wird sie gestillt, um halb 12 gibt es Gemüsebrei und um halb vier Obstbrei. Das Problem mit den Schläfchen ist, dass sie unterschiedlich lang schläft. Meistens fängtsie ab 5 Uhr an, sich immer mehr zu bewegen und ist um kurz nach 6 richtig wach. Wenn es gut läuft schläft sie gegen halb 9 eine Stunde, mittags nach dem Essen zwei Stunden und nachmittags gegen halb 5 nochmal eine. Um halb 7 beginnen wir meistens mit dem Abendritual. Wenn sich ihre Schläfchen z.B. durch einen Babykurs nach hinten verschieben und sie mittags länger als zwei Stunden schläft, macht sie manchmal kein drittes Schläfchen. An solchen Tagen ist es abends besonders schwer, auch wenn ich sie früher ins Bett bringe.
Tagsüber wacht sie leider auch oft nach einer halben bis dreiviertel Stunde (vor dem Übergang in den Tiefschlaf) auf und ist aber noch müde. Meist gelingt es mir durch in den Arm nehmen, dass sie wieder einschläft.
Ich habe auch schon versucht, sie später ins Bett zu bringen, aber das änderte nichts an der Einschaltdauer. Ab ca. 18.30 bis 19 Uhr wird sie knatschig.
Wäre es sinnvoll, sie ein paar Tage konsequent zu ungefähr denselben Zeiten einzulegen, unabhängig davon, wann sie morgens aufwacht und mittags nicht länger als 2 Stunden schlafen zu lassen, damit sich vlt ihr Schlaf besser ein pendelt und sie gleichzeitig nicht zu viel schläft tagsüber?
Wenn sie, wie oben geschildert, schläft ist sie zufriedener, als wenn sie weniger schläft oder nur zwei mal.
Ich lege sie nun immer in meinem Bett hin, da es sehr unbequem ist, mich mit in ihr Kinderbett zu quetschen. Dieses steht direkt neben meinem Bett. Manchmal schläft sie nachmittags auch in ihrem Buggy. Woanders wird sie nicht schlafen gelegt, das hatte ich sehr selten versucht, aber das funktionierte nicht.

Da sie ab April in die Krippe geht, ist es wichtig, dass sie dort schlafen kann. Da ihr Papa unter der Woche abends oft nicht da ist, ist es auch keine Option, dass er sie hinlegt.

Ist ihre Gesamtschlafdauer an guten Tagen für ihr Alter ausreichend?

von Ninwen am 09.12.2015

Antwort:

Baby schläft nicht alleine ein

Darf ich mal was anderes fragen? Wieso geht ihr zur physio mit einem Kind das vom Alter her eh noch nicht krabbeln kann? Mit 6,5 Monaten ist das doch ganz normal.

von Ma_He am 11.12.2015

Antwort:

Baby schläft nicht alleine ein

Ja, aber sie dreht sich bisher nur in eine Richtung und kann sich noch nicht auf den Armen abstützen. Das dient zur ihrer Unterstützung.

von Ninwen am 14.12.2015

Antwort:

Baby schläft nicht alleine ein

Liebe Ninwen,

ja, das halte ich für sinnvoll! Sie müssen sich natürlich nicht immer sklavisch an feste Zeiten halten - sehen Sie es als ein Angebot an Ihr Kind! Wenn es schläft, schläft es. Wenn nicht, hat es nur eine Ruhepause. Damn aber am nächsten Tag wieder erneut dieses Angebot zu ungefähr der gleichen Uhrzeit usw. usw. usw.

Die Gesamtschlafdauer ist im Übrigen sehr unterschiedlich und es gibt wirklich keine Regel, wieviel ein Kind in welchem Alter schlafen muss. Gucken Sie einfach, bei welcher Gesamtschlafdauer Ihre Kleine zufrieden und ausgeruht wirkt. Allein das zählt.

Nochmals alles Gute!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 14.12.2015

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