Dr. rer. nat. Meike Bentzs

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Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

Baby schläft immer schlechter und schreit - was tun

Guten Tag,

Mein Sohn ist derzeit 7,5 Monate alt. Bis zum 5. Monat hat er ganz gut geschlafen, eingeschlafen alleine im seinem Bett, dass in unserem Schlafzimmer steht und 6-7 Stunden durchgeschlafen. Wir haben ein gleichbleibendes Abendritual und das Einschlafen klappt abends um 19 Uhr ganz gut.

Seit 2,5 Monaten wird es mit dem Schlaf immer schlechter. Er kann zwar noch halbwegs gut in seinem Bett einschlafen, wird allerdings nach 30 Minuten erstmals munter und danach alle 5-10 Minuten und brüllt. Allein zwischen 19 und 22 Uhr muss ich so 10 Mal in sein Zimmer gehen, da er alle paar Minuten munter wird. Manchmal schläft er wieder, wenn er merkt dass jemand ist da, meist lässt er sich aber schwer beruhigen, nur am Arm oder durch stillen. Er würde wohl am liebsten die ganze Nacht gestillt werden, was mir schon starke Schmerzen an der Brustwarzen beschert hat. Schnuller verweigert er.

Nachdem ich viele Nächte über 20 Mal aufgestanden bin und das nicht mehr aushalte, nehm ich ihn nun ab ca 22 Uhr zu mir ins Elternbett (bin alleine, mein Mann beruflich die ganze Woche weg), damit die Nächte für mich halbwegs erträglich werden und ich zu etwas Schlaf komme. Nach dem Stillen kann er so gut neben mir weiter schlafen, wird aber trotzdem jede Stunde wach und möchte gestillt werden.

Tagsüber schläft er schon immer sehr schlecht, nur in der Trage oder im Kinderwagen. Neu habe ich ihm angewöhnt tagsüber auch im Elternbett zu schlafen, wenn ich mich neben ihn lege, dann kann ich aufstehen, wenn er eingeschlafen ist, was sehr hilfreich ist. Im eigenen Bett schläft er tagsüber gar nicht.

Ich möchte gerne, dass er weiterhin um 19 Uhr alleine einschläft in seinem Bett, da ich nicht jeden Abend um 19 Uhr mit ihm schlafen gehen will. Das Gebrüll ist jedoch sehr anstrengend und ich denke mir immer, dass der schlechte Schlaf ihm Schaden könnte und ich irgendetwas falsch mache.

Haben Sie einen Rat für mich?
Vielen Dank!

von sue1 am 29.10.2015, 22:30 Uhr

 
 

Antwort:

Baby schläft immer schlechter und schreit - was tun

Liebe Sue,

herrje - von Nachtruhe kann man ja bei Ihnen mittlerweile kaum reden. Es muss sehr anstrehdn sein, zumal Sie ja quasi unter der Woche alleinerziehend sind.

Mein erster Rat lautet daher: Holen Sie sich Unterstützung, damit Sie auch genügend Ruhe und Schlaf bekommen. Viele Menschen denken, solche Angebote wären nur etwas für sozial schwache Familien, wie wir sie jeden Tag im diversen Doku-Soaps "bewundern" können oder sie müssten erst wer weiß wie bedürftig oder hillos sein, damit Sie Anspruch auf Hilfe haben, doch das ist nicht so. Es gibt viele Angebote für junge Familien, bei denen es eben um Unterstützung bei den kleinen Dingen des Alltasg geht (mal einkaufen, mit dem Kind spazieren gehen, mal kochen etc.) - in vielen Orten auch auf ehrenamtlicher Basis.

Rufen Sie doch heute noch bei den Frühen Hilfen, Wellcome und / oder dem Kinderschutzbund an und lassen sich einen Termin geben.

Elterliche Erschöpfung, Schlafmangel und Unsicherheit sind nämlich manchmal der eigentliche, warum aus einer schwierigen Schlafphase erst eine frühkindliche Schlafstörung entstehen kann. Irgendwann sind Eltern halt so mürbe, dass Sie eben alles machen, um ihr Kind zum schlafen zu bringen und legen damit den Grundstein für problematisches Schlafverhalten. Dabei geht es nicht um Schuld, Unfähigkeit oder Egoismus, sondern eben um Entlastung und Unterstützung, die heute eben oftmals nicht familiär gegeben werden kann. Alles was Sie für Ihr Wohlbefinden tun, hilft daher, eine soclhe Situation zu entspannen.

Ansonsten gibt es aus meiner Sicht folgende Möglichkeiten:

Sie legen sich mit Ihrem Sohn hin, und wenn er schläft, stehen Sie wieder auf. Dann sparen Sie sich das ewige Hin- und Hergerenne ins Kinderzimmer.

Vielleicht haben Sie auch die Möglichkeit, dass Sie sein Bettchen neben Ihr Bett stellen oder umgekehrt, dass Sie eine Matratze /Stuhl neben sein Kinderbett stellen? Dann könnten Sie einfach nur ohne aufwendige Beruhigungsverfahren bei ihm sein, wenn er einschlafen soll und dies schrittweise zusammen mit dem Dauerstillen leichter reduzieren, als wenn Sie unmittelbar nebeneinander liegen.

Legen Sie ihn dann wach, aber müde und satt hin und bleiben Sie bei ihm. Heben Sie ihm aber nicht raus, sondern legen Sie nur eine Hand auf ihn. Wenn er soch natürlich einschreit, können Sie ihn selbstverständlich hochnehmen, Nur solllte nicht immer Stillen die erste Beruhigungshilfe sein, auch wenn das am ehesten klappt.

Ansonsten können Sie natürlich auch so wie bisher weitermachen und immer wieder hingehen, wenn er brüllt. Das aber sollten Sie unbedingt. Ist die Frage, was für Sie aufwendiger ist.

Für ein Schlafprogramm ist Ihr Kleiner noch zu jung! Daher ist es auch wirklich wichtig, dass Sie einen Weg finden, der für Sie handhabbar ist und der Ressourcen schont, damit Sie irgndwann nicht völlig ausbrennen. Sie müssen dabei nicht irgendwelchen Erziehungsidealen zum Durchschlafen entsprechen. Wenn Ihr Kind besser einschläft wenn Sie dabei sind und Sie so weniger laufen müssen, ist es ok. Überlegen Sie, was für Sie das kleiner Übel in der jetzien Situation ist.

Wenn Sie mehr Kraft tanken, wird es Ihnen sicher auch leichter fallen, die Stillabstände zu verlängern. Natürlich kann es davon unabhägig immer mal wieder Phasen des Clusterstillens geben, doch von einer Phase kann man ja bei 2,5 Monaten nicht sprechen. Eine allgemeingültige Regel für nächtliche Stillabstände halte ich nicht für sinnvoll, aber generell sollte die Entwicklung aufwärts gehen (Ihr Sohn sollte nachts weniger trinken) als umgekehrt. Es wäre also tatsächlich nicht nur für Ihre Nerven wichtig, sondern auch für seine Entwicklung, dass sich dies bessert.

Vielleicht gucken Sie zudem mal, ob Sie die Kalorienaufnahme am Tag steigern können. Manche Kinder sind tagsüber besonders mit zunehmender Mobilutät einfach zu abgelenkt und haben gleichzeitig einen rasant steigenden Bedarf, der dann eben nachts gedeckt wird. Hier helfen relative feste Essenszeiten (gern auch schon mit Beikost zu Üben) , die zu Zeitpunkten stattfinden, wo Ihr Kleiner noch wach und fit ist und die nötige Ruhe bekommt.

Ansonsten beginnt die meiste Arbeit, die Sie zur Schlafförderung tun können, am Tag und nicht erst abends! Legen Sie sich dochmal die Tipps hier im Forum durch. da werden Sie sehen, dass ich generell Struktur, feste Rituale und Abläufe empfehle und dazu rate, immer konsequent bei einer Sache zu bleiben und die Kinder nicht durch ständig neue Beruhigungsmaßnahmen weiter irritiere.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und schnell mehr Schlaf am Stück!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 02.11.2015

Antwort:

Baby schläft immer schlechter und schreit - was tun

Vielen lieben Dank für Ihre Antowrt. Eine Frage hat sich daraus jetzt noch ergeben, da sie schreiben, er ist mit 7,5 Monaten für ein Schlaftrainingsprogramm noch zu jung.

Am Wochenende ist mein Mann vor Mitternacht immer zu ihm gegangen und hat es geschafft ihn jedesmal im Bett zu beruhigen. Unser Sohn hat also in den 2 Nächten keine Stillmahlzeit um 22 Uhr benötigt, die bisher üblich war, sondern wurde erst um 1 bzw. 2 Uhr erstmals gestillt (Abendmahlzeit ist zwischen 18 und 18:30). Ich dachte sowieso schon, dass diese Mahlzeit nicht wegen Hunger notwendig ist, sondern eher eine "Einschlafhilfe" ist. Nun möchte ich dies unter der Woche beibehalten, wenn mein Mann nicht da ist. In der Nacht ist er um 22 Uhr aber sehr laut geworden, durch mich lässt er sich nicht so leicht ohne stillen beruhigen - die Brust ist ja so nah! :-) Es hat 1,5 Stunden gedauert, bis er wieder einschlafen konnte ohne Brust. Ich war die ganze Zeit bei ihm und er hat im Bett bei mir dann eingeschlafen und 2 Stunden geschlafen. Stillen musste ich ihn dann erst um 1:30.

Ist das okay, dass ich ihm angewöhne, dass er vor Mitternacht nicht mehr gibt,was er ja auch nicht braucht obwohl er lange weint? Oder ist er dafür zu jung, um das zu lernen?

Vielen Dank!

von sue1 am 03.11.2015

Antwort:

Nachtrag: Baby schläft immer schlechter und schreit - was tun

Liebe Sue!

sehr gern geschehen!

Das was Sie beschreiben ist ja kein Schlafprogramm nach Ferber, wo man Kinder in sich steigernden zeitlichen Abständen gezielt allein schreien lässt. So ein Programm sollte - wenn überhaupt - erst für Kinder ab ca. einem Jahr und unter sehr sorgfälltiger Risikoprüfung und Altenativenabwägung durchgeführt werden.

Sie sind ja die ganze Zeit bei Ihrem Sohn und gewöhnen ihn sanft an diese Abstände. Besser geht es nicht und ich finde es klasse, wieviel Geduld Sie dafür aufbringen. Das wird sich sicher auszahlen!

Weiterhin viel Erfolg!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 03.11.2015

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