Dr. rer. nat. Meike Bentzs

Schreibabys

Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

Baby im Bett zum Schlafen bringen

Hallo Frau Dr. Bentz, ich hatte Ihnen vor ca vier Wochen schon einmal geschrieben und möchte mich für ihre ausführliche Antwort und ihren Rat bedanken. Zwischenzeitlich waren wir Ende Januar auch bei der örtlichen Schreiambulanz, die genau dasselbe rät wie Sie, nämlich dass wir abends mehr Struktur rein bringen sollen und unsere Tochter( mittlerweile 18 Wochen) daran gewöhnen sollen weder an der Brust noch durch dauerschaukeln in der Federwiege, sondern im Bettchen einzuschlafen. Auch dort wurde das begleitete Weinen empfohlen. Ich habe nun lange darüber nachgedacht, was es ist, was mich bisher davon abgehalten hat, es zu versuchen und denke es liegt daran, dass ich durch die Wochen, in denen sie soviel geschrien hat, " traumatisiert " bin und jegliches Weinen ihrerseits zu Unruhe und Angst meinerseits führt. Da aber die Einschlafsituation abends immer schlimmer wird und oftmals auch zu Weinen bzw. Schreien meiner Tochter führt, bin ich mittlerweile fest entschlossen, die Situation zu ändern. Ressourcen sind da, mein Mann würde sich Urlaub nehmen und mich unterstützen. Notfalls würde auch meine Mutter wieder kommen und teilweise über nehmen. Was mir konkret fehlt ist allerdings ein Fahrplan, wie wir das am Besten angehen können. Ich glaube ein Großteil des Problems besteht darin, dass unsere Tochter vor dem Nachtschlaf zu kurz wach ist. Sie zeigt abends im Gegensatz zu tagsüber keine bis wenige Müdigkeitsanzeichen, so dass wir nur nach der Zeit gehen, also wie tagsüber sie nach spätestens zwei einhalb Stunden in ihre Federwiege bringen, was meistens nur zu kurzen Schläfchen von 20-30 Minuten mit anschließendem Schreien führt. Dann Stillen, wieder Wiege etc.( siehe letzter Post). Sollen wir zwischen letztem Tagschlaf( meist von 18 :30 bis 19:30 Uhr) und zu Bett bringen mehr Zeit lassen? Hatte nur bisher immer Angst, dass sie dann überreizt... Habe sowieso den Eindruck, dass sie für so ein kleines Kind ungünstige Zeiten hat. Hier zur Info ihre Schlafzeiten: Aufstehen zwischen 8 und 9, erstes Schläfchen meistens gegen 10:30 bis 11:30, dann ca 14 oder 15 Uhr bis 15 oder 16 Uhr und dann nochmal 18:30 bis 19:30 Uhr. Nachtschlaf sind meist 9 bis 10 Stunden. Aber die Einschlafzeit abends ist jedes Mal eine andere und " Glückssache" ... Wann sollen wir das Einschlafritual starten? Durch das Führen eines Schlafprotokolls habe ich herausgefunden, dass unsere Tochter am zufriedensten ist, wenn sie auf eine Gesamtschlafdauer von 13 bis 14 Stunden kommt. Erfreulicherweise konnten wir tagsüber schon eine Verbesserung erzielen, sie schläft seit ca 1 Woche auch eines der Tagesschläfchen im Kinderwagen draußen, ansonsten in der Federwiege. Aber Sie meinten ja, dass es ok ist, wenn sie tagsüber in Bewegung schläft, auch als Kontrastprogramm zu abends. Bitte entschuldigen Sie den langen Text, aber ich möchte halt gerne erst ausschließen, dass irgendwelche äußeren Umstände unsere Tochter abends vom Einschlafen abhalten, bevor ich sie begleitet weinen lasse. Vielleicht können wir so schon Verbesserungen erzielen. Vielen Dank und herzliche Grüße, Lifie

von Lifie am 23.02.2016, 13:02 Uhr

 
 

Antwort:

Baby im Bett zum Schlafen bringen

Liebe Lifie!

gern geschehen! Und klasse, dass es mit der Schreiambulanz geklappt hat. Sie haben jetzt eine ganze Menge in die Wege gesetzt und klingen sehr viel optimistischer!

Zur Ihrer Frage nach dem Fahrplan: Natürlich ist es schwer, einen Fahrplan einzuhalten, wenn der Rhythmus noch so unstet ist. In diesem Alter ist dies eben auch noch zu einem Teil auch reifebedingt.Als Faustregel wird im Allgemeinen empfohlen, mit gezieltem Wecken von Kinder erst ab ca. 6 Monaten anzufangen. Dann ist davon auszugehen, dass die Schlafhomöostase schon ausgereifter ist und ein Kind in der Lage ist, längere Wachzeiten eben durch längeren Schlaf zu kompensieren. In Ihrem Fall würde ich es aber durchaus wagen, schrittweise schon jetzt etwas Einfluss zu nehmen und morgens spätestens um 08:00 aufzustehen und notfalls zu wecken. Auch eine feste Bettgehzeit ist sinnvoll. Auf das Vorabendschläfchen sollte verzichtet werden, lieber bringen Sie dann Ihre Kleine früher, d.h. um 18:30 ins Bett.

Scheuen Sie sich nicht, Zeiten einfach vorzugeben! Kinder wie Ihre Tochter haben Schwierigkeiten, von selbst einen Rhythmus zu entwickeln. Sie brauchen daher den sanften Schubs in die richtige Richtung! In der Übergangsphase kann das natürlich dazu führen, dass Ihre Tochter unruhiger wird, weil geweckt werden ja heißt, dass der Schlaf an anderer Stelle nachgeholt werden muss. Diese Umstellungsprozesse brauchen jedoch Zeit (ca. 14 Tage), denn eine ganze Reihe hochkomplexer physiologische Vorgänge spielen dabei eine Rolle. Durch feste Aufsteh- und Bettbringzeiten sollte sich nach und nach auch das Tagesschlafverhalten arrangieren.

Rufen Sie bei Fragen doch einfach noch mal in Ihrer Ambulanz an.
Ansonsten weiterhin viel Erfol!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 25.02.2016

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