Dr. rer. nat. Meike Bentzs

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Dr. rer. nat. Meike Bentz

   

 

9 monate baby schreit sich in rage

Hallo:)
Meine Tochter ist jetzt ca 9.5 Monate alt. Seit gut 3 Monaten schläft sie nun wirklich immer schlechter. Gestern War ich bei einer Beratungsstelle dort wurde mir empfohlen die schlafgewohnheiten zu ändern. Und zwar soll das Baby nun sowohl tagsüber als auch abends in seinem eigenen Bett schlafen.
Bis jetzt schlief sie immer an der brust in meinem Arm ein.
Ich verstehe das das"falsch"ist und bin auch bereit alles dafür zu tun damit sie besser schläft.
Ich sollte sie ins Bett legen dann ein Lied vorsingen und dann gute Nacht sagen. Im zimmer bleiben sie jedoch nicht andauernd ansprechen oder hinlegen.
Immer in Abständen von 4 Minuten circa wieder hingegen sie hinlegen und gute Nacht wünschen.
Ich also voller Motivation gestern abend alles genau so gemacht. Heute mittag jetzt auch.
Das Problem ist irgendwann so nach 20 Minuten fängt sie das weinen an. Das steigert sich dann in einen heulkrampf. Es ist ein Gekreische ohne Luft holen, ihr Kopf wird rot dann blau. Ich kann sie so nicht hinlegen es hat keinen Sinn. Die schreit selbst auf meinem Arm dann weiter. Sie schreit sich wirklich total in rage. Was kann ich machen ich bin verzweifelt und leide an extremen Schlafmangel. Zusätzlich werde ich Mittlerweile einfach echt wütend.
Ich werde es auf keinen Fall so weiter machen, so bekommt sie Angst vorm Bett und schläft noch schlechter.
Aber ich wäre für jeden Tipp dankbar
Grüße steffi

von maeya am 25.02.2016, 12:18 Uhr

 
 

Antwort:

9 monate baby schreit sich in rage

Liebe Steffi!

es tut mir leid, dass Sie beide so eine unschöne Erfahrung gemacht haben. Ich kenne Ihre Ausgangssituation nicht, von daher kann ich mir auch kein Urteil darüber erlauben, warum Ihnen die Beratung das sogenannte Ferbern vorgeschlagen hat. Ich persönlich finde Ihre Tochter mit 9.5 Monaten zu jung. Zudem macht es keinen Sinn, mit einem Schlaftraining anzufangen, wenn durch fehlenden Rhythmus, mangelnde Schlafhygiene und falsche Bettzeiten nicht gewährlistet ist, dass ein Kind überhaupt schlafen kann, weil es ausreichend müde und sein Biorhythmus auf Schlafenzeit programmiert ist. Ein Schlaftraining ist für mich daher nicht der erste Schritt, sondern der letzte Schritt in einer Reihe von Maßnahmen, die eine sorgsame Diagnostik (unbedingt mit 24h-Protokollen und parallel laufender kinderärztlicher Untersuchung) erfordern. Ich rate daher immer zuerst, diese Faktoren zu bearbeiten, um überhaupt erst Bedingungen für einen gesunden Schlaf zu schaffen. Inwieweit das alles bei Ihnen bereits umgesetzt ist, kann ich natürlich nicht einschätzen.

Ich möchte Ihnen überhaupt keinen Vorwurf machen und bewundere, wie offen Sie über Ihre Gefühle sprechen! Sie sind sicher nicht aus Spaß zu einer Beratung gelaufen und sind zweifelsohne erschöpft und verzweifelt.
Doch darin besteht leider auch das Problem: Sie haben monatelang etwas gemacht, was Sie völlig verausgabt hat und nun schwanken Sie von einem Extrem ins andere. Das kann nicht ohne Schreierei ablaufen. Hier sind offensichtlich falsche Erwartungen geweckt worden, denn das Ferbern ist keineswegs eine Wundermethode, die sofort für Ruhe sorgt. Im Gegenteil. es ist ja gerade Bestandteil der Methode, Kinder gezielt schreien zu lassen um eine Löschung hervorzurufen. Dass Kinder sich dabei einschreien liegt quasi in der Natur der Sache und auch die möglichen Nebenwirkungen wie blau werden, würgen, mit dem Kopf irgendwo gegenschlagen etc. Es ist daher sehr wichtig, dass man mit dieser Methode - wenn überhaupt - sehr, sehr vorsichtig agiert. Neben dem Alter (ich empfehle frühesten ab 12 Monaten) und Entwicklungsstand des Kindes (v.a. Sprache, Bindungsverhalten etc.) dürfen keine akuten Krankheiten und bindungsrelevante Ereignisse (Trennung der Eltern, Eingewöhnung in die Kita, Geburt von Geschwisterkindern etc.) vorliegen und die Eltern müssen sorgfältig aufgeklärt werden und überzeigt sein, dass sie das Richtige tun - sonst ist Scheitern vorprogrammiert.

Das Kind soll ja lernen, dass nichts Schlimmes passiert und Mama oder Papa immer wieder kommen. Dafür braucht es eine ruhige elterliche Reaktion beim Kontakt, denn wenn die Eltern selber ganz ängstlich, traurig, oder wütend sind, wird das Kind tatsächlich panisch. Das haben Sie ja nun selbst erlebt.

Ihre Wut sollten Sie dabei nicht verteufeln, wohl fast jede Mutter kennt das. Doch sollten Sie ihr als Überforderungssignal Gehör schenken. Vielleicht haben Sie viel zu lange über Ihre Grenze gelebt, so dass sich jetzt Ihre Geduld vollkommen erschöpft hat? So kann es sein, dass zwischenzeitlich Gedanken wie, "jetzt lass ich dich eben schreien" aufkommen. So ein Entschluss aus der Wut / aus Frust heraus funktioniert aber nicht, dann sind sie mit schlechtem Gewissen und halben Herzen dabei. Somit wäre vielleicht die Frage, wie Sie im Alltag für mehr Unterstützung und Entlastung sorgen können, eine weitere wichtige Baustelle. Ich sage es immer wieder: Die Pflege der eigenen Ressourcen ist eine wichtige Prävention von kindlichen Schlafproblemen. Sicher muss man Zugeständnisse an die kindlichen Bedürfnisse machen, doch nicht soweit, dass man fast zusammenbricht. Gerade die Eltern, die alles perfekt machen wollen, leiden daher oft unter Störungen in der Interaktion mit ihren Kindern.

Was können Sie nun tun? Ich finde es wichtig, dass Sie nochmals Kontakt zu Ihrer Beratungsstelle aufnehmen und von den Schwierigkeiten berichten. Zwischen "nur-auf-dem-Arm-einschlafen-Können" und Ferbern gibt es viele andere Möglichkeiten, die dann vielleicht besser passen. Eines muss Ihnen jedoch klar sein, den Aus-Knopf gibt es i.d.R. nicht. Ihr Kind hatte eine sehr lange Zeit, sich an das Schlafen auf Ihrem Arm an der Brust zu gewöhnen, nun braucht es eben auch Zeit, dieses wieder abzugewöhnen. Damit wären wir dann auch wieder bei den elterlichen Kräften und es schließt sich der Kreis.

Doch abschließend noch eines: Dass dieser Versuch nun nicht geklappt hat, bedeutet nicht, dass es keine Lösung für die Schlafprobleme gibt! Es gibt daher auch keinen Grund zu verzweifeln!

Ihnen beiden alles Gute!

Herzlichst,

Ihre Meike Bentz

von Dr. Meike Bentz am 29.02.2016

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