Ich bin Helena, gerade im dritten Trimester schwanger und hätte mir die folgenden Informationen schon im ersten Trimester gewünscht. Nicht, um an der falschen Stelle zu sparen, sondern um besser einschätzen zu können, wofür sich zusätzliche Ausgaben lohnen – und wo man den Verlauf einer Schwangerschaft ohnehin nicht beeinflussen kann.
Viele Schwangere werden bereits bei den ersten Vorsorgeuntersuchungen mit sogenannten IGeL-Leistungen konfrontiert. Dabei handelt es sich um individuelle Gesundheitsleistungen, die nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören und privat bezahlt werden müssen. Die Bandbreite reicht von Bluttests über zusätzliche Ultraschalluntersuchungen bis hin zu erweiterten Screenings.
Doch welche dieser Leistungen haben tatsächlich einen medizinischen Nutzen – und welche liefern vor allem zusätzliche Informationen, ohne Konsequenzen für den Schwangerschaftsverlauf?
Alle IGeL Leistungen im Überblick (mit groben Kostenangaben)
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IGeL-Leistung |
Was wird untersucht? |
Übliche SSW |
Möglicher Nutzen |
Kosten (ca.) |
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Ersttrimester-Screening (ETS) |
Ultraschall + Bluttest zur Risikoabschätzung für Chromosomenstörungen |
11+0 – 13+6 SSW |
Statistische Risikoabschätzung (z. B. Trisomie 21) |
150–300 € |
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NIPT (nicht-invasiver Pränataltest) |
Analyse fetaler DNA im mütterlichen Blut |
ab 10. SSW |
Sehr zuverlässige Risikoabschätzung ohne Fehlgeburtsrisiko |
250–450 € |
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Zusätzlicher Ultraschall |
Weitere Ultraschallkontrollen außerhalb der Vorsorge |
gesamter Verlauf |
Subjektive Beruhigung |
30–60 € |
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3D-/4D-Ultraschall |
Räumliche Darstellung des Kindes |
ab ca. 24. SSW |
Emotionaler Mehrwert |
80–150 € |
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Toxoplasmose-Test |
Antikörperstatus der Mutter |
früh in der Schwangerschaft, ggf. Verlauf |
Einschätzung des Infektionsrisikos |
20–40 € |
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CMV-Test (Zytomegalie) |
Antikörperstatus |
früh in der Schwangerschaft |
Nachweis einer Erstinfektion |
30–60 € |
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Listeriose-Test |
Antikörper gegen Listerien |
bei Verdacht, kein fixer Zeitraum |
Nachweis einer Infektion |
25–50 € |
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Ringelröteln-Test |
Antikörperstatus |
früh in der Schwangerschaft |
Relevant bei fehlender Immunität |
20–40 € |
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Scheidenflora-Test |
Zusammensetzung der Vaginalflora |
meist 2.–3. Trimester |
Hinweis auf mögliches Frühgeburtsrisiko |
25–50 € |
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Streptokokken-B-Test (frühzeitig) |
B-Streptokokken in der Scheide |
35.–37. SSW (frühzeitig oft IGeL) |
Planung der Geburtsstrategie |
20–40 € |
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Zusätzliche Blutuntersuchungen |
Vitamine, Spurenelemente (z. B. Eisen, Vitamin D) |
je nach Fragestellung |
Aufdeckung von Mangelzuständen |
20–60 € |
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Doppler-Ultraschall (ohne Indikation) |
Durchblutung von Plazenta und Kind |
meist ab 20. SSW |
Zusätzliche Kontrolle |
50–100 € |
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Gebärmutterhalslängenmessung |
Länge des Gebärmutterhalses |
ca. 16.–24. SSW |
Einschätzung des Frühgeburtsrisikos |
20–40 € |
Die wichtigsten IGeL Leistungen – ehrlich eingeordnet
1. Ersttrimester-Screening (ETS)
Nutzen:
- Liefert eine statistische Wahrscheinlichkeit für Chromosomenstörungen, keine Diagnose
- Hilft dir bei der Entscheidung über weitere Tests
Meine Einschätzung:
- Sinnvoll, wenn du das Risiko bewusst einschätzen und mögliche Ergebnisse verstehen willst
- Kann entfallen, wenn ein erhöhtes Risiko dich eher verunsichern würde oder du keine weiteren Schritte planst
2. Nicht-invasiver Pränataltest (NIPT)
Nutzen:
- Sehr hohe Trefferquote
- Kein Fehlgeburtsrisiko
- Screening, keine Diagnose; auffällige Ergebnisse müssen bestätigt werden
Meine Einschätzung:
- Sinnvoll, wenn du eine möglichst präzise Risikoabschätzung willst oder mehr Sicherheit als beim ETS brauchst
3. Toxoplasmose-Test (besonders bei Katzenbesitz)
Nutzen:
- Prüft, ob du immun gegen Toxoplasmose bist
- Hilft, gezielte Vorsichtsmaßnahmen zu planen
Meine Einschätzung:
- Sinnvoll, wenn du regelmäßig rohes Fleisch isst, viel im Garten arbeitest oder Kontakt zu Katzen hast
- Kann entfallen, wenn du Hygieneregeln und Risikovermeidung schon einhältst
4. CMV-Test (Zytomegalie) / Ringelröteln (Parvovirus B19)
Nutzen:
- Prüft deinen Antikörperstatus und dein persönliches Risiko
Meine Einschätzung:
- Positive bieten wenig Handlungsmöglichkeiten
5. Streptokokken-B-Test
Nutzen:
- Einschätzung des Infektionsrisikos für dein Kind bei der Geburt
- Relevant bei vorzeitigem Blasensprung und für Entscheidungen zu Vaginal Seeding nach Kaiserschnitt
Meine Einschätzung:
- Sinnvoll, wenn du frühzeitig Informationen für die Geburt haben willst
- Standard-Test später in der Schwangerschaft reicht meist aus
Mein persönliches Fazit
Nicht jede IGeL-Leistung ist Abzocke – aber nicht jede ist sinnvoll. Viele Untersuchungen geben Information, du als Schwangere kannst selbst bei positiven Testergebnissen, nichts beeinflussen
Und das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis in der Schwangerschaft:
Man kann nicht alles beeinflussen. Aber man kann entscheiden, wie viel Wissen einem wirklich guttut.