Frage im Expertenforum Kinderarzt an Dr. med. Andreas Busse:

EInschätzung zum Thema

Frage: EInschätzung zum Thema

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Sehr geehrter Herr Dr. Busse, wir hatten gestern mit beiden Kindern (5 1/2 und 3 Jahre) eine Vorsorgeuntersuchung beim Kinderarzt. Diese war ungewöhnlich lang. Am Ende teilte uns die Ärztin mit, dass sie das jetzt "seit ein paar Jahren" beim Großen beobachtet habe und sie uns vor Schulbeginn umbedingt zu einer Testung im Bezug auf Hochbegabung rät. Die kleine Schwester gleich mit, da sie "dasselbe Kaliber" wäre. Wir fragen uns jetzt, ob diese Testung wirklich nötig ist. Richtig ist, dass beide Kinder jedes Wissen wie Schwämme aufsaugen. SIe haben aber viele Freunde, sind im Kindergarten voll integriert und werden viel eingeladen. Sie machen beide Sport und sind einfach "glückliche Kinder". Wir fördern sie, indem wir ihnen Anregungen geben und sie viel entdecken lassen. Und halt auch Sachen anbieten, die eigentlich nicht ihrem Alter entsprechen (z.B. halt beim Großen Bücher, Spiele, Wissens - CDs für 10 - 12 Jährige und bei der Kleinen für 5 - 6 Jährige). Unsere Sorge ist, dass durch die Testung die Kinder mitbekommen, dass sie ggf. "anders" als ihr Freunde sind und den Stempel "Hochbegabung" bekommen. Das wird ja oft auch negativ gesehen. Würden Sie uns zu einer Testung raten, oder einfach die Kinder ohne Testung weiter ihren Weg gehen lassen ... egal, wie hoch der IQ letztlich im Ergebnis ist. Vielen Dank!


Dr. med. Andreas Busse

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Liebe 1., das ist nicht generell zu beantworten. Dass ein Test die Kinder auf "dumme Ideen" bringen könnte, sehe ich nicht so. Auch beim Kinderarzt wurden sie ja getestet, das gehrt spielerisch und macht den Kindern meistens viel Spaß. Ich halte es zudem durchaus für sinnvoll, wenn man weiß, auf was man sich einstellen muss, wie man hoch begabte Kinder z.B. mit anderen Dingen wie Musik so beschäftigen kann, dass es nicht zur "Langeweile" kommt. Und dafür gibt es spezielle Beratungsstellen mit besonderer Erfahrung, die zu nützen sich lohnt. Natürlich ist es wunderbar und entscheidend, dass Ihre Kinder so glücklich und unbeschwert mit guten sozialen Kontakten aufwachsen. Alles Gute!


Bonnie

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Bin kein Arzt, aber ich finde, dass eine Testung erst Sinn macht, wenn Deine Kinder Anzeichen dafür zeigen, dass sie mehr Unterstützung brauchen: Unterforderung, Langeweile in der Schule, oder auch durch Rat der Lehrerin, eine Klasse zu überspringen usw. Ich würde also zumindest die Schule abwarten. Im Kiga-Alter würde man bei einer Hochbegabung eh noch nicht viel machen. Im Schulalter dagegen ist manchmal doch Handeln notwendig: Überspringen der Klasse, zusätzliche Lernhobbys in der Freizeit (Sprachen, Astronomie o. ä.) oder gar eine spezielle Schule für Hochbegabte, sofern die Hochbegabung sehr ausgeprägt ist. Der Test auf Hochbegabung ist zu jedem Zeitpunkt im Schulalter möglich, auch noch in der weiterführenden Schule, falls eine Unterforderung sich erst hier bemerkbar macht. Ich hatte auf dem Gymnasium einen Mitschüler mit extremer Hochbegabung im Bereich Mathematik und Chemie. Er besaß mit 15 das Wissen unseres Lehrers, also eines Mathematikers mit Hochschulstudium! Der Lehrer konnte ihm nichts mehr beibringen. Auch in anderen Fächern fühlte er sich so schwer unterfordert, dass er nur sichtlich gelangweilt herumsaß. Er wechselte dann für die gymnasiale Oberstufe auf eine spezielle Schule für Hochbegabte (allerdings Internat). Heute ist er Mathematikprofessor in München. So etwas ist natürlich auch bei Hochbegabten eher selten. Die Kinder meiner besten Freundin sind auch beide hochbegabt. Sie haben aber keine Klasse übersprungen und gehen auf keine spezielle Schule. Bei ihnen zeigt sich die Hochbegabung darin, dass sie auf dem Gymnasium ständig Jahrgangsbeste sind, ohne dass sie üben müssen. Sie machen alles schnell, leicht und selbständig. Sie haben außerdem jeder in der Freizeit vier bis fünf Hobbys. Und zwar nicht, weil meine Freundin ein fanatischer Fan voller Terminkalender für Kinder wäre, sondern weil ihre Kinder darauf bestehen - sie würden am liebsten noch weitere Aktivitäten dranhängen, so dass ihre Eltern sie ausbremsen müssen. LG


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