Antibiotika bei Mittelohrentzündung

Dr. med. Ralf Brügel Frage an Dr. med. Ralf Brügel Kinderarzt
Antwortet am Freitag

Frage: Antibiotika bei Mittelohrentzündung

Sehr geehrter Herr Brügel, meine Tochter kam in der 26 Ssw zur Welt. Vor kurzem, mit korrigiert 5,5 Monaten, hatte sie eine Mittelohrentzündung. Der KA verschrieb Amoxicillin. Ich habe mit der Therapie begonnen, bereits bei der nächsten Gabe acht Stunden später (nachts) war sie beschwerdefrei   (keine erhöhte Temperatur, kein Schreien mehr bei Druck aufs Ohr). Ich habe das Antibiotikum dann sicherheitshalber weitergeben. Man kann aber doch davon ausgehen, dass sie bereits über den Berg war, und das Antibiotikum umsonst war, oder? So schnell kann Amoxi doch nicht wirken? Wie verhalte ich mich bei der nächsten Mittelohrentzündung?  Für meine Tochter war es bereits die dritte Antibiotikabehandlung und ich mache mir große Sorgen um ihre Darmgesundheit. Wie schädlich sind all diese Antibiotika für eine Darmflora die sich im Aufbau befindet? Im Ärzteblatt steht geschrieben, dass manche Bakterienstämme unwiederbringlich zerstört werden, wenn bereits im Säuglingsalter wiederholt Antibiotika gegeben wird. Was sind die Folgen?  Ich danke Ihnen! Freundliche Grüße  Tatjana  

von TatjanaS am 05.01.2024, 13:08



Antwort auf: Antibiotika bei Mittelohrentzündung

Hallo Tatjana,  gute und komplexe Frage: 1) Amoxicillin kann schon zu einer sehr schnellen und raschen Besserung führen.Manchmal genügen ein oder zwei Gaben und der Infekt ist deutlich gebessert. Insofern würde ich nicht unterschreiben, dass die Einnahme völlig unnötig war. 2) Generell ist es immer schwieirig, wann antibiotisch behandeln, wann nicht. Bei Mittelohrentzündung sagt die Leitlinie ganz klar, dass man bei Babys unter 6 Monaten behandelt, da die Gefahr von Komplikationen in dieser Altersgruppe deutlich erhöht ist. 3) Generell möchte ich Sie aber stärken, dass SIe tatsächlich in Zusammenarbeit mit den ÄrztInnen schauen, dass Ihr Kind nur so selten wie irgendwie möglich antibiotisch behandelt wird. Wir KinderärztInnen sind in der Regel hier sehr zurückhaltend. Gerade bei Ohren -und Mandelinfekten ist sehr sehr oft keine antibioitsche Therapie notwendig. 4) Die Bedeutung und Wirksamkeit der Darmflora ist ein seit Jahren viel und kontrovers diskutiertes Thema. Ebenso wie die Sinnhaftigkeit (oder eben Nicht-Sinnhaftigkeit der Gabe von Darmaufbaupräparaten). Besprechen Sie das Ganze doch nochmals mit Ihrem Kinderarzt/Ihrer Kinderärztin. Vielleicht kann man ja nahc 3 Antibiotikatherapien in so kurzes Zeit doch mal einen Behandlungsversuch mit einem Aufbaupräparat diskutieren. Herzliche Grüße und noch ein gutes neues Jahr Ralf Brügel

von Dr. med. Ralf Brügel am 05.01.2024



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