Elternforum Schwanger - wer noch?

Trauer über Wartezeit - trotz Schwangerschaft

Trauer über Wartezeit - trotz Schwangerschaft

Schönaufgeregt

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Hallo ihr Lieben, ich bin nach ca. einem dreiviertel Jahr nun schwanger geworden. Die Wartezeit war (obwohl rückblickend überschaubar lang) währenddessen für mich sehr sehr nervenaufreibend und emotional, weil ich große Sorge hatte, ob es überhaupt jemals klappt. Diese Gefühle habe ich in der Zeit teilweise verdrängt, um das Warten und die Ungewissheit besser auszuhalten. Nun könnte man ja meinen, dass nun alles "egal und vergessen" wäre, weil es ja jetzt zum Glück geklappt hat. Aber ich merke, es ist nicht so. Die heftigen Gefühle aus der Wartezeit (die jetzt, wo ich es zulassen kann, nochmal richtig hoch kommen), vor allem bei den ganzen negativen Tests, haben eine Wunde hinterlassen, die noch Zeit braucht, um zu heilen. Es ist für mich weiterhin nicht leicht, von Leuten zu hören, die nun (zum wiederholten Mal) sofort schwanger geworden sind beim ersten Versuch. Kennt das vielleicht noch jamand? Dass man, auch nachdem man Glück hatte, noch das Vergangen aufarbeiten und betrauern muss? ❤️‍🩹


Pinguina1

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Ja, das kenne ich. Bin Solomama, also hat es mit dem Partner schon nicht geklappt. Dann hat es 5x nicht mit einer Insemination geklappt. Ich habe am Ende eine IVF, also eine künstliche Befruchtung gebraucht. Erst im 2. Transfer hat es geklappt. Fast 20.000 Euro hat mich das gekostet. Dementsprechend knapp war es finanziell in der Elternzeit.  Ich bin sehr dankbar für mein Kind und trotzdem neidisch auf alle Familien, die mal eben 3 Kinder kostenlos und nebenbei bekommen und dann auch noch in der Elternzeit an unzähligen kostenpflichtigen Babykursen teilnehmen bzw. auf teure Reisen gehen können. Was mich tröstet: Familien zu sehen, die es noch schwerer hatten oder gar kinderlos geblieben sind. Und seit das Kind da ist, hab ich zum Glück nur noch begrenzt Zeit, traurig zu sein. 


Schönaufgeregt

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Danke fürs Teilen! 🫶🏻


Ivary849

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Hallo du :-) Herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft 😊 Ja ich kenne das zu gut. Wir haben zwei Kiwu Reisen hinter uns (1. Baby durch ICSI nach 2 Jahren Wartezeit, jetzt 2. SSW Kryoversuch nach 1 Jahr Wartezeit). Auch wenn wir mit beiden sehr viel Glück hatten und es bei der ersten künstlichen Befruchtung/erster Versuch mit medizinischer Unterstützung sofort geklappt hat, sticht es weiterhin noch im Herzen bei Schwangerschaftsverkündungen wie ungefähr  "Oh das war nicht geplant" oder "Ging schneller als gedacht" "Genau wie wir wollten kommt das Kind" ... .  Es sind diese Gefühle von Ungewissheit, Angst/Unsicherheit, Wechsel aus Hoffnung und Enttäuschungen, keine Kontrolle über das scheinbar "normalste" der Welt, welche Wunden hinterlassen... Es hilft (mir) mit dem Partner offen darüber zu sprechen, auch immer wieder oder auch mit Vertrauten aus dem Freundeskreis.. aber wer noch nie in so einer Situation war, kann es einfach nicht zu 100% nachempfinden.. Liebe Grüße 


Schönaufgeregt

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Antwort auf Beitrag von Ivary849

Danke auch dir fürs Teilen. Und herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft - wenn ich es richtig verstanden habe, steckst du gerade frisch in der zweiten 🍀🍀🍀 Eure Antworten zu lesen, hat mir heute gut getan. ❤️‍🩹


Bonniebee

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Alle Gefühle dürfen sein. Steh dazu, auch wenn sie manchen anderen Menschen sicher ungewöhnlich vorkommen.  Achte aber darauf, dass du dir zugleich auch erlaubst, dich über die Schwangerschaft zu freuen. Wenn du das gar nicht kannst, sondern in der Traurigkeit doch arg gefangen bist, würde ich eventuell auch mal an eine leichte Schwangerschaftsdepression denken. Denn auch so was gibt es.  Es kann dann sein, dass das Gefühl eher hormonelle Gründe hat. Manchmal sucht man die Ursachen für ein schlechtes Gefühl eher im Außen, weil einem dies unbewusst plausibler vorkommt (befriedigt das sog. Kausalitätsbedürfnis). In der Schwangerschaft sind ja viele Hormone um ein Mehrtausendfaches erhöht gegenüber dem normalen Wert. Und da alle Hormone zugleich Neurotransmitter sind, also direkt aufs Gehirn wirken, kann man da schon mal leichte Störungen (depressive Verstimmungen oder Ängste) entwickeln, das ist sehr häufig und meist auch nicht schlimm. Ist nur so ein Denkanstoß. Das Gefühl der Trauer sollte jetzt recht bald verblassen und von Gefühlen abgelöst werden, die mit dem Jetzt und mit der Schwangerschaft zu tun haben. Wenn die Traurigkeit hartnäckig bleibt, bitte ruhig mal mit deinem Gynäkologen sprechen. LG


Schönaufgeregt

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Danke für die Anregungen! 


Lay

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Hi schönaufgeregt, ja solche Gefühle sind ganz normal. Gerade in der Schwangerschaft ist man ja nochmals empfindsamer was Emotionen angeht durch die ganzen Hormone. Und Verdrängte Emotionen drängen sich nunmal irgendwann ans Licht.  Mir viel es am Anfang der Schwangerschaft auch sehr schwer überhaupt positiv zu denken, da ich noch mega Angst hatte, das Kind wieder zu verlieren. Ich hatte schon sehr lange einen Kinderwunsch. Wurde allerdings durch meinen Ex-Partner jahrelang hingehalten und auf später vertröstet. Bis es mir irgendwann zu blöd wurde und ich in eine Kinderwunschklinik ging. Dann ging es relativ schnell nach 2 erfolglosen Inseminationen wurde ich im ersten Kryozyklus schwanger. Gerade die Nachrichten ich wurde schwanger und naja eigentlich wollten wir es erst nächsten Monat wirklich versuchen, oder es hat gleich geklappt, haben mir sehr zugesetzt. Es kam auch immer drauf an wie nahe mri die Personen standen oder was ich schon von ihrer Kinderwunschplanung wusste. Von jemandem der es schon Jahre lang versucht hat, hätten keine solchen Gefühle hervorgerufen.  Auch jetzt (bin schon SSW 35) kommen immer wieder Gefühle hoch wie warum bin ausgerechnet ich die, bei der es nicht mit einem Partner klappt, warum ist meine Schwangerschaft so beschwerlich, wird alles gut gehen bei der Geburt (habe noch ein paar zusätzliche Risiken, die belasten).... Ich denke man sollte versuchen, solche Gedanken zu akzeptieren und dennoch zu lernen, sich für seine Mitmenschen freuen zu können. Viel Erfolg. 😉


Schönaufgeregt

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Danke für die Worte. Und dir eine schöne Geburt 🍀✨️


tascha29

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Ich würde sagen: So ist das Leben. Dass wir immer ein wenig hinterher oder voraus sind. Und wie gut, dass du es merkst und zum Ausdruck bringst. Dieses „ich müsste mich doch jetzt so fühlen“ hat oft nichts mit uns selbst zu tun. Unsere Seele vergisst nicht und das ist auch gut so. Wer weiß, wann wir diese und jede Erinnerung an dieses oder jenes Gefühl brauchen. V.a. als Mama. In wieviel wirst du dich hineinfühlen, wenn dein Kind erstmal da ist.  Und auch da erleben, dass ein Gefühl noch weiterhin da ist, auch wenn der Grund nicht länger besteht. Aus meiner Erfahrung: nicht so viel arbeiten, einfach geschehen lassen. Wenn du dich dafür mal zurückziehen möchtest, dann tu das. Wenn du es mitteilen möchtest, dann du das. Wenn du aufmerksame Menschen hast. Wir können alle nur lernen, wie wir gut mit Gefühlen umgehen. Sie sind nicht immer so, wie wir es gern hätten und führen bisschen ein Eigenleben.  Fühl dich lieb umarmt! Das vielleicht noch: Viele Frauen weinen, wenn sie ihr Kind endlich im Arm haben. Aber – fühl dich zu nichts verpflichtet. 😃 🥰


Schönaufgeregt

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🫶🏻


Frau Hase

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Hallo😀, Ich habe ebenfalls eine lange Kinderwunschreise hinter mir. Sechs Jahre haben wir es mit mir versucht. In dieser Zeit hatte ich 23 medzinisch unterstütze Versuche von clomifen über iui bis hin zu icsi, unendliche Tests und Zeit Operationen. Drei Kliniken. Ich hatte sechs frühe Fehlgeburten und wäre psychisch wirklich fast an dieser Situation zerbrochen. Wir haben knapp über 70.000€ in unsere bisherige Kinderwunschreise gesteckt. Letztes Jahr hat meine Frau unseren wundervollen Sohn via ROPA- Methode zur Welt gebracht und somit war zwar der Kinderwunsch irgendwie "erfüllt", aber der Schmerz und die Traurigkeit über das Versagen meines eigenen Körpers und der damit verbundenen vielen schmerzhaften Verluste der vergangenen Jahre dennoch sehr präsent.  Ende letzten Jahres hat meine Frau mich ermutigt, es in dieser neuen Klinik auch selbst nochmal zu versuchen, bei diesem Arzt, der wirklich hinschaut ... Mein 24ter Versuch ... Und ich wurde schwanger und das Kind blieb. Ich bin inzwischen in der 29ten SSW und ich heile jeden Tag ein Stück mehr, gewinne täglich mehr Vertrauen in meinen Körper zurück.  Wirklich leicht und entspannt bin ich in dieser Schwangerschaft zwar nicht, was aber mit einem solchen Päckchen, denke ich, nachvollziehbar ist, aber ich bin unendlich dankbar und bin mir sicher, dass alle Ängste und jede Schwere von mir abfallen werden, wenn ich unser Baby nach der Geburt gesund und lebendig im Arm halten werde. Auch wenn ich die Verluste und die Enttäuschungen der Vergangenheit nicht ungeschehen machen kann, empfinde ich eine unfassbare Dankbarkeit für unsere aktuelle Situation. Oft habe ich mir Gedanken über Schicksalhaftigkeit gemacht und empfinde es tatsächlich so, dass dieser Weg für uns bestimmt war, damit wir diese wundervollen Kinder bekommen, von denen eines unser Leben bereits erfüllt und das andere gerade fleißig in meinem Bauch strampelt. Gebe es unsere schwere Vergangenheit nicht, gebe es diese beiden wundervollen Buben nicht ... Und das würde ich für nichts in der Welt ungeschehen machen. Ich konnte unseren Weg annehmen ... Aber vermutlich auch nur, weil er sich jetzt letztendlich zur puren Erfüllung gewendet hat. Auch wenn der Schmerz der Vergangenheit immer ein Teil von mir sein wird, wünsche ich jeder Mama, deren Glück sich nach einem steinigen Weg noch erfüllt, dass sie mit ihrer Vergangenheit Frieden schließen kann. Ich weiß, was das emotional ausmacht. Diese tiefe Dankbarkeit, die ich empfinde traue ich oft gar nicht auszusprechen aus Angst, ich könnte damit unser Glück zerstören, aber gleichzeitig will ich dieses Glück auch ehren und mir ehrfürchtig jeden Tag vor Augen führen - weil ich eben weiß, dass dieses Glück nicht selbstverständlich ist. Liebe Grüße  Frau Hase mit dem Juli-Häschen im Bauch 


Schönaufgeregt

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Antwort auf Beitrag von Frau Hase

Ich wünsche dir eine wunderbare Rest-Schwangerschaft und alles Gute! 29 Woche... 🍀🤰 - da findet bei mir noch unsere Hochzeit statt ❤️👰‍♀️