Mitglied inaktiv
Hallo, meine liebe arme Marion, was muss ich denn da lesen? Ich komme zwar reichlich zu spät dahergelesen und hoffe wirklich, dass es Dir mittlerweile wieder besser geht. Du hast ja sehr schöne Antwortpostings bekommen, und ich hoffe, Du hast daraus wieder ein bisschen Kraft schöpfen können. Helfen können wir Dir leider nicht (denn wenn ich das könnte, würde ich Dich einfach schwanger "machen", und Du könntest stolz zum nächsten Nachbarschaftstreffen ziehen), aber wir können Dich verstehen, mit Dir mitfühlen und -weinen und Dir zumindest Ratschläge geben und Beispiele nennen, wie wir an Deiner Stelle mit solch einer Situation umgehen würden oder schon umgegangen sind. Viele haben ja schon geschrieben, dass Ihr vielleicht einfach ein bisschen direkter auf indiskrete Fragen antworen solltet, um wenigstens Folgefragen zu vermeiden. Aber ich habe ehrlich gesagt gar nicht das Gefühl, dass Dich die Nachfragerei nach dem Motto "wann bekommt Ihr denn endlich ein Baby" am meisten belastet, sondern eben die Tatsache, dass so viele Frauen in Deinem direkten Umfeld schwanger sind oder gerade Kinder bekommen haben. Und diese schwangeren Frauen bleiben ja auch weiterhin schwanger und werden es Dir weiterhin auch mitteilen müssen, auch wenn sie um Dein Problem wissen. Ausserdem musst Du darauf gefasst sein, dass dann sehr, sehr viele Gespräche mit den Nachbarn auf das Thema "unerfüllter Kinderwunsch" hinauslaufen. Ich habe ja eigentlich von vornherein immer allen Nachfragern "reinen Wein" eingeschenkt, und eigentlich wissen alle in unserem Umfeld, dass wir seit über 2 Jahren erfolglos auf unser Baby warten. Aber das bedeutet eben auch, dass ich nun direktere Nachfragen bekomme: "Habt Ihr jetzt eigentlich die Insemination gemacht?" "Wie steht es mit Eurem Adoptionsdossier?" - Ich finde das auch nicht immer einfach, meine Geschichte dann überall wieder und wieder auszubreiten, zum Teil ganz abstruse Lösungsvorschläge zu erhalten ("Hast Du schon mal an eine Leihmutter gedacht?") und vor allem dann auch von Misserfolgen zu erzählen, ohne direkt in Tränen auszubrechen (letztens erst im Büro, als eine Kollegin mich nach der Insemination fragte). Ich will damit eigentlich nur sagen, dass, obwohl ich eine Vertreterin des Ehrlich-Seins bin, dass auch seine Schattenseiten haben kann. Dany hat mir irgendwann mal geschrieben, dass meine Kollegen meinen Zyklus schon viel zu genau kennen - und das stimmt leider. Vielleicht findet Du und Dein Mann eine Möglichkeit, dann doch etwas diskreter zu sein, als ich es gewesen bin. Ich glaube, Ihr werdet dann auch eher wieder in Ruhe gelassen... Aber vergiss bitte eins nicht, Marion. So unfair es das Schicksal mit uns meint in Bezug auf den Kinderwunsch, die anderen Paare können doch auch nichts dafür. Und ich glaube, wenn man mit dem Problem nicht konfrontiert wurde, kann man es sich einfach auch nicht vorstellen, WIE belastend das alles ist. Und vor allem glaube ich, dass man mit dem positiven Schwangerschaftstest einfach nur noch die ganze Welt umarmen möchte. Und irgendwie müssen doch auch wir von den Schwangerschaften in unserer Umgebung erfahren... ich weiss z. B. zumindest von einer Schwägerin und einer Freundin, dass sie sich da ein bisschen schwer getan haben, um mir die gute Neuigkeit mitzuteilen. Ich bin aber froh, dass sie es dann doch "ganz normal" gemacht haben, also nicht erst nach langem Zögern. Ich hätte es übel genommen, wenn ich es als letzte erfahren hätte. In diesem Sinne, liebe Marion, umarme ich Dich ganz doll. Bitte gib die Hoffnung nicht auf. Du weisst doch ganz genau, dass Ihr trotz der nun schon so langen Wartezeit immer noch die Chance habt, auf ganz natürliche Weise ein Kind zu bekommen. Ich weigere mich jedenfalls auch, die Hoffnung aufzugeben. Bussi von Bettina