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Es gibt Zeiten, da wollen Kinder einfach nicht essen. Experten raten:
ruhig bleiben und nicht zum Essen zwingen.
Kennen Sie das auch? Ihr Baby dreht beim Füttern den Kopf weg,
Ihr Kleinkind sitzt lustlos vor seinem Teller und stochert im Essen
herum. Bei den meisten Kindern kommt das nur ab und zu mal vor, aber
manche Kinder scheinen häufig keinen richtigen Appetit zu haben.
Eltern bekommen da schnell Angst, ihr Kind könnte nicht richtig
gedeihen. Und der Druck von Omas und anderen Mitmenschen, die immer
noch meinen, nur proppere Kinder seien auch gesund, verunsichert sie
noch mehr. Fast jeder von uns hat seinen Kindern schon mal mit Konsequenzen
gedroht, wenn es sein Gemüse nicht aufisst. Die Kinder merken dabei
zwar, wie viel Bedeutung das Essen für die Eltern hat, können
es aber nicht verstehen. Warum sollen sie nur essen, wenn sie doch keinen
Hunger haben? Manche Kinder begegnen dem Druck der Eltern mit Gegendruck.
Und gerade in den Trotzphasen sind Machtkämpfe am Tisch vorprogrammiert.
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Lassen Sie Ihr Kind essen, was es will
Damit es gar nicht erst zu Konflikten kommt, rät Dr. Mathilde
Kersting vom Forschungsinstitut für Kinderernährung,
die Kinder Essen zu lassen, was und wie viel sie wollen. Ausgenommen
sind natürlich Süßigkeiten oder fettige Snacks,
wie Chips & Co.
Gerade Kleinkinder haben ein natürliches Gefühl für
Hunger und Sättigung. Zwingt man sie zum Essen, so überfuttern
sie sich. Passiert das häufiger, geht dieser natürliche
Mechanismus verloren. Übergewicht oder Untergewicht kann die Folge sein.
Wie bei Erwachsenen gibt es auch bei Kindern Vorlieben und Abneigungen
beim Essen, Tage, an denen sie viel, andere an denen sie weniger
Hunger haben. Kranke Kinder wollen meist nur wenig oder gar nichts
essen, und das ist sogar wichtig, um gesund zu werden. Quirlige
Kinder essen in der Regel mehr als ruhige. Solange Ihr Kind fröhlich
und aktiv ist und sich normal entwickelt, besteht kein Grund einzugreifen.
Isst es jedoch über längere Zeit schlecht, wirkt es
inaktiv, schlapp oder müde, braucht es Hilfe. Gute Kontrolle,
ob sich ihr Kind altersgemäß entwickelt, geben Ihnen
die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt.
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Essensverweigerung gehört zur Entwicklung
Psychologe Markus Wilken ist Experte für frühkindliche
Fütterungsstörungen an der Uniklinik Bonn. Er bezeichnet
die Essensverweigerung bei Kindern als ganz normal. Einfach, weil
nicht jedem Kind alles schmeckt und es im Rahmen seiner Persönlichkeitsentwicklung
seine Wünsche auch äußert: ob es Hunger hat oder
nicht, ob es essen will oder das Weiterspielen wichtiger ist. Die
meisten gesunden Kinder lehnen Essen nur zeitweise ab, häufig
in speziellen Entwicklungsphasen, zum Beispiel in den Trotzzeiten.
Druck macht da keinen Sinn. Wilken therapiert Kinder, die eine Zeit
lang mit einer Sonde ernährt wurden und nun wieder lernen müssen,
selber zu essen. Selbst schwierigste Fälle fangen wieder von
alleine an zu essen, wenn man sie frei entscheiden lässt. |
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So vermeiden Sie Machtkämpfe beim Essen
Um Konflikte zu vermeiden, rät Wilken den Eltern, die Zuständigkeiten
zu verteilen. Die Eltern sind einzig und allein für das Anbieten
und Zubereiten des Essens zuständig. Das Kind dagegen dafür,
zu essen oder eben nicht zu essen. Das bedeutet nicht, dass Sie
dem Kind nachts auf Wunsch noch Nudeln kochen sollen, sondern,
dass Sie ihm zu bestimmten Zeiten Essen anbieten. Isst es nichts,
muss es bis zur nächsten Mahlzeit warten, auch wenn es hungrig
ist.
Versuchen Sie dabei gelassen und konsequent zu bleiben. Verschiedene
Studien haben ergeben, dass Kleinkinder eine ziemlich konstante
Kalorienzahl zu sich nehmen, wenn man sie ihr Essen selbständig
auswählen lässt. Und das, obwohl es von einer Mahlzeit
zur anderen extreme Unterschiede gab.
Vertrauen Sie darauf, dass Ihr Kind etwas isst, wenn sein Körper
es braucht. Denn, auch das ist wissen-
schaftlich bewiesen, Wachstum ist nur in Fällen echter Unterernährung
eine Folge der Essensmenge.
Wir wachsen nicht, weil wir gegessen haben, sondern wir essen,
weil wir wachsen. Denken Sie daran, dass Essen nicht nur gesunde
Ernährung ist. Fördern Sie die Lust aufs Essen. Mitbestimmung
und eine gute Ess-Atmosphäre gehören dazu. |
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Kinderleichte Essensregeln
Die Experten vom Forschungsinstitut für Kinderernährung
in Dortmund raten davon ab, Kalorien, Vitamine und Mineralstoffe
zu zählen. Das dient weder Eltern noch Kindern und verleidet
den Genuss. Es gibt nur 3 einfache Regeln für die Auswahl an
Lebensmitteln, die Sie Ihren Kindern anbieten:
Reichlich: pflanzliche Lebensmittel und Getränke
Mäßig: tierische Lebensmittel
Sparsam: fettreiche Lebensmittel und Süßes
Verbotene Lebensmittel gibt es nicht, die richtige Mischung macht`s. |
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Wann wird Essensverweigerung zum Problem?
Fütterungsprobleme sind normal, wenn Anpassungsleistungen vom
Kind gefordert werden: Zum Beispiel beim Übergang vom Stillen zur
Beikost oder vom Füttern zum selbständigen Essen. Auch
ein Umzug, die Geburt eines Geschwisterkindes oder Probleme in der
Familie verderben manchen Kindern den Appetit. Wenn Ihr Kind über
mehrere Wochen kaum Appetit hat, das Essen verweigert, Schluck oder
Kauprobleme auftreten, sollten Sie Ihren Kinderarzt aufsuchen.
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Gesundes kann so lecker sein
Der Geschmack von Kindern ist noch nicht auf Vielseitigkeit programmiert.
Wenn also Ihr Kind nur Nudeln und als Gemüse nur Möhren
mag, dann darf es das ruhig jeden Tag essen. Irgendwann, so haben
Untersuchungen ergeben, tritt die natürliche Sättigung
ein und Ihr Kind wird von sich aus etwas anderes mögen. |
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Viele Kinder lehnen einzelne Lebensmittel ab, lassen
Sie sie dann einfach eine Zeit lang weg. Verschmäht das Kind
eine ganze Lebensmittelgruppe, darf man auch mal mit Tricks arbeiten,
um den Kindern etwas Gesundes anzubieten.
Wenn die Tricks nicht ankommen: locker bleiben und keinen Druck
ausüben. Es ist bewiesen, dass Kinder viele (aber natürlich
nicht alle) Lebensmittel schließlich akzeptieren, wenn man
sie ihnen regelmäßig ohne Zwang anbietet und sie sehen,
dass ihre Eltern sie auch essen.
Milch: Milch ist die wichtigste Calciumquelle. Aber viele
Kinder mögen Milch nicht pur: Probieren Sie es mal mit Kakao,
Milchshakes mit pürierten Früchten, Müsli oder kochen
Sie einen Pudding. Joghurt, Dickmilch oder Quark lassen sich zu
leckeren Desserts verarbeiten. Eine gute Alternative zu Milch ist
auch Käse.
Früchte: Sie lassen sich gut pürieren oder in kleine
Würfel schneiden und schmecken dann unter Quark, Joghurt oder
Brei nicht mehr so dominant. In Formen für Eis am Stiel wird
aus eingefrorenen Fruchtpürees eine gesunde Leckerei.
Figuren schneiden: Manchmal hilft auch die Form, Obst und
Gemüse besser anzunehmen. Aus Apfelviertel und Aprikosenspalten
lassen sich kleine Segelschiffe "bauen": Der Apfel ist der Schiffsrumpf,
die Aprikosenspalte das Segel. In Stifte geschnittene Möhren
werden zu Gemüsepommes. Auch Radieschenmäuse sind seit
Jahrzehnten der Renner.
Fingerfood: Kinder lieben es, mit den Fingern zu essen. Schneiden
Sie Obst und Gemüse in kleine Stücke, und servieren Sie
es mit einem leckeren Joghurtdipp als Fingerfood.
Gemüse und Kräuter anziehen: Experimente mag jedes
Kind: Ziehen Sie mit ihm zusammen Kräuter oder Gemüse
an. Küchenkräuter wachsen problemlos auf der Fensterbank
und Cocktailtomaten gedeihen auch schon auf dem Balkon. Sie werden
sehen, ihr selbstgezogenes Gemüse werden die Kleinen auch essen. |
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So wird Essen zum Vergnügen
Denken Sie immer daran, dass Essen viel mehr ist als nur gesunde
Ernährung, Essen ist Genuss und Lebensfreude. Die Lust zu essen
hat ebenso wenig ihren Sitz im Magen wie die Liebe im Herzen. Der
Appetit wird vom Gehirn gesteuert. Sachen, die man in einen positiven
Zusammenhang bringt, werden dort auch positiv vermerkt: |
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Lassen Sie Ihr Kind mitbestimmen. Beziehen Sie
es so oft wie möglich in die Essensplanung mit ein, und
lassen Sie es, soweit es schon geht, beim Kochen und Tischdecken
mithelfen. |
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Geben Sie Ihrem Kind einen Stammplatz am Familientisch.
Dazu gehört ein Hochstuhl in der richtigen Höhe,
eigenes Geschirr und eine abwaschbare Umgebung, das entspannt
die Eltern. Wer Teppichboden hat, legt ein Handtuch unter
den Sitzplatz.
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Ist der Stammplatz pflegeleicht ausgerüstet,
lassen Sie Ihr Kind ruhig selber essen. Auch wenn nicht alles
im Mund ankommt: es macht mehr Spaß und schult die Feinmotorik.
Speziell geformtes Kinderbesteck erleichtert das Selberessen.
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Geben Sie nur kleine Portionen auf den Teller
und zwingen Sie Ihr Kind nie zum Essen. Lassen Sie es von
Anfang an selbst entscheiden, wie viel es essen möchte.
Damit können Sie Essensverweigerung, aber auch Überernährung
vorbeugen.
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Essen Sie möglichst immer gemeinsam mit
Ihrem Kind. In Gesellschaft schmeckt es besser, und wenn alle
am Tisch sitzen, kehrt Ruhe in die Familie ein. Das heißt
nicht, dass bei Tisch nicht gelacht und geredet werden darf.
Das gemeinsame Essen soll gerade dafür da sein. Laden
Sie ab und zu andere Kinder zum Essen ein, auch das wirkt
Appetit anregend. |
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Abenteuer Essen: Fondue, Raclette oder ein kleines
Buffet bringen Abwechslung in die Alltagsküche. Aber
auch selbst belegte Pizza oder selbst zusammengestellte Spieße
fördern die Freude am Essen. Vielleicht machen Sie ja
auch mal ein Picknick mit Ihren Kleinen. Zur Not wandert man
einfach mit der Picknickdecke auf den Balkon oder im Winter
vor den Ofen. |
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Essen ist mehr als gute Ernährung. Erziehen
Sie Ihr Kind nicht nur zum gesunden Essen, sondern zum Genießen
mit allen Sinnen. Ein schön gedeckter Tisch und appetitlich
angerichtetes Essen gehören dazu. Zeigen Sie Ihrem Kind,
wie ästhetisch Lebensmittel aussehen können, animieren
Sie es dazu das Essen auch mal zu beschnuppern bevor es genüsslich
reinbeißt.
Christiane Kürth
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