Babys Immun­system - Märchen und Wahrheiten über den Nestschutz

Babys Immunsystem - Märchen und Wahrheiten über den Nestschutz

© fotolia, Anatoliy Samara

In den letzten Wochen vor der Geburt bekommt ein Baby von seiner Mutter einen Teil ihrer Immun­abwehrstoffe übertragen, den sogenannten Nestschutz.

Die Antikörper gelangen dabei über die Plazenta durch die Nabelschnur direkt in die Blutbahn des Babys. Weil dieser Schutz von der Mutter sozusagen nur "geliehen" ist, bis das Kind sein eigenes Immunsystem fertig ausgebildet hat, wird er auch "Leih-Immunität" genannt.

Wie lange hält der Nestschutz?

Der Nestschutz hält höchstens 9 Monate und lässt bereits nach 2 bis 3 Monaten deutlich nach. Während dieser Zeit hat Ihr Kind aber bereits damit begonnen, seinen eigenen Schutz aufzubauen. Mit jeder Krankheit, die es durchmacht oder gegen die es geimpft wird, und mit jedem Erreger, den es kennenlernt, trainiert sein Immunsystem und wird stärker. Ihr Baby ist also keineswegs hilflos, wenn der Nestschutz nachlässt, sondern ist von Anfang an bestens für den Start ins Leben gerüstet.

Ist mein Baby durch den Nestschutz gegen alle Krankheiten geschützt?

Leider nein! Der Nestschutz kann Ihr Baby nur vor den Krankheiten schützen, die Sie als Mutter aktiv durchgemacht haben oder gegen die Sie selber geimpft sind. Wenn Sie selber als Kind Masern, Windpocken oder Röteln hatten oder dagegen geimpft wurden, ist auch Ihr Baby dagegen geschützt, solange sein Nestschutz anhält.

Vor welchen Krankheiten schützt der Nestschutz nicht?

Einige Krankheiten kann Ihr Baby trotzdem bekommen, selbst wenn Sie als Mutter dagegen geimpft sind oder sie sogar selber hatten. Das gilt zum Beispiel für Keuchhusten, der vor allem für ganz kleine Säuglinge sehr schnell lebensbedrohlich werden kann. Um das Kind vor einer Ansteckung zu bewahren, bis es mit 2 Monaten selber geimpft werden kann, sollten sich deshalb alle Personen in einem Haushalt mit einem Neugeborenen vorsorglich impfen lassen. Das gilt für Eltern und Geschwisterkinder, aber auch für Oma, Opa und alle anderen, die mit dem Baby in Kontakt kommen. Bei Scharlach greift der Nestschutz ebenfalls nicht, weil es hier zu viele verschiedene Bakterienstämme gibt. Ähnlich ist die Situation bei Grippe, wo sich die Viren immer wieder verändern. Auch bei Diphtherie, Tetanus, Pneumokokken, Hib und Meningokokken reicht der Nestschutz nicht besonders lange, weshalb Ihr Baby sobald wie möglich dagegen geimpft werden sollte.

Bekommen auch Frühgeborene den Nestschutz mit?

Die mütterlichen Abwehrstoffe werden erst in den allerletzten Schwangerschaftswochen über die Plazenta und Nabelschnur ans Baby weitergeben. Wenn Ihr Baby also vor Ende der 34. Schwangerschaftswoche auf die Welt gekommen ist, dann hat es den Nestschutz nicht oder nur teilweise mitbekommen. Frühchen haben deshalb anfangs meist eine schwächere Immunabwehr als termingerecht geborene Babies und sollten deshalb besonders sorgfältig und zeitgerecht genauso wie reife Kinder geimpft werden. Die erste 6-fach- und die Pneumokokken-Impfung sind bereits nach dem Ende des 2. Lebensmonats möglich und sollten bei Frühchen dann auch gleich erfolgen.

Wann soll mein Baby geimpft werden?

Bereits in den ersten Wochen nach der Geburt lässt der Nestschutz wieder nach. Deshalb sollten alle Babies - egal ob gestillt oder nicht - spätestens zu Anfang des 3. Lebensmonats gegen die wichtigsten Infektionskrankheiten geimpft werden. Nur bei einigen wenigen Krankheiten wie Masern, Röteln, Windpocken und Mumps ist die Impfung erst später gegen Ende des ersten Lebensjahres sinnvoll. Vorher würde sich die Impfwirkung durch den noch vorhandenen Nestschutz aufheben.

Verlängert sich der Nestschutz, wenn ich stille?

Grundsätzlich bekommen alle Kinder erst mal die gleichen Abwehrstoffe mit. Flaschenkinder sind also auch geschützt. Trotzdem sind Stillkinder deutlich seltener krank oder erkranken nicht so schwer, weil sie über die Muttermilch immer wieder Stoffe aufnehmen, die die Darmflora des Kindes stabilisieren und manche Infektionen damit seltener werden lassen.

Hilft der Nestschutz auch gegen Grippe?

Wenn Sie in den ersten Wochen oder Monaten nach der Geburt eine Erkältung oder einen grippalen Infekt bekommen, ist Ihr Baby nicht automatisch dagegen geschützt, da der Nestschutz ja nur bei Krankheiten wirkt, gegen die Sie als Mutter selber immun sind. Falls Sie allerdings direkt vor oder während der Schwangerschaft gegen Grippe (Influenza) geimpft wurden, überträgt sich dieser Schutz auch auf Ihr Kind. Er ist aber - genau wie bei Ihnen - nur für eine Saison haltbar und muss im nächsten Herbst oder Winter erneuert werden.

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