Sorry, you need to enable JavaScript to visit this website.
The Ads container will be displayed outside the edit view after a page reload.
paar auf dem bett
KOTO - stock.adobe.com

Kurz vor der Geburt prasseln unzählige Entscheidungen auf euch ein – große, kleine und solche, von denen ihr vorher noch nie gehört habt. Eine davon: Was passiert eigentlich mit dem Nabelschnurblut? Wir wollen euch helfen, klar und ruhig abzuwägen.

1. Was ist Nabelschnurblut?

Nach der Geburt bleibt in der Plazenta und dem Rest der Nabelschnur Blut zurück, das das Baby nicht mehr benötigt. Dieses sogenannte Nabelschnurblut enthält neben normalen Blutbestandteilen besonders viele blutbildende Stammzellen. Diese können sich teilen und zu verschiedenen Blutzelltypen entwickeln.
Sie werden seit Jahrzehnten zur Behandlung bestimmter Blut- und Immunkrankheiten eingesetzt, z. B. Leukämien, Lymphomen oder angeborenen Störungen.

2. Wie wird Nabelschnurblut entnommen?

  1. Die Nabelschnur wird nach der Geburt abgeklemmt und durchtrennt.
  2. Das verbleibende Blut wird in einen sterilen Beutel abgenommen.
  3. Anschließend wird es in eine Nabelschnurblutbank transportiert und dort geprüft (Zellzahl, Infektionsscreening, genetische Tests).
  4. Nur Einheiten mit ausreichender Qualität werden eingefroren und langfristig gelagert.

Die Entnahme ist risikofrei für Mutter und Kind und erfolgt nur bei gesunden, termingerecht geborenen Babys.

3. Wofür kann Nabelschnurblut verwendet werden?

Stammzellen aus Nabelschnurblut können bei Transplantationen eingesetzt werden, wenn das eigene Knochenmark geschädigt ist oder ersetzt werden muss.

Es gibt zwei Formen:

  • Allogene Transplantation: Stammzellen stammen von einer anderen Person.
  • Autologe Transplantation: Stammzellen stammen vom Patienten selbst.

Wichtig: Für viele Erkrankungen sind fremde Spenden besser geeignet, da eigenes Nabelschnurblut oft dieselben genetischen Veränderungen trägt, die die Krankheit verursacht haben könnten.

4. Öffentliche vs. private Nabelschnurblutbanken

Öffentliche Nabelschnurblutbanken

  • Aufnahme von Spenden für allogene Transplantationen.
  • Strenge Qualitätsstandards, internationale Vernetzung.
  • Spende ist kostenlos.
  • Die Einheit steht weltweit Patient*innen zur Verfügung – auch dem eigenen Kind, falls es später eine passende Spende benötigt.
  • Bis zu 80 % der gesammelten Einheiten werden verworfen, wenn sie nicht den hohen Qualitätsanforderungen entsprechen.

Private (familiäre) Nabelschnurblutbanken

  • Aufbewahrung für das eigene Kind oder Familienmitglieder.
  • Kosten: meist 900–2.400 € plus ggf. jährliche Gebühren.
  • Qualitätsstandards variieren; nicht alle Banken sind international akkreditiert.
  • Wahrscheinlichkeit, dass das eigene Kind sein Nabelschnurblut jemals benötigt: sehr gering (1:20.000 bis 1:250.000).
  • Eine einzelne Einheit enthält oft zu wenige Zellen für ältere Kinder oder Erwachsene.

Hybride Modelle

Einige Banken bieten sowohl private als auch öffentliche Nutzung an. In manchen Ländern müssen privat gelagerte Einheiten freigegeben werden, wenn sie für eine fremde Patientin besonders gut passen.

5. Häufige Missverständnisse

Viele private Anbieter werben mit zukünftigen Einsatzmöglichkeiten in der regenerativen Medizin (z. B. bei Diabetes, Autismus oder Herzkrankheiten).
Laut Quelle gibt es keine wissenschaftlichen Belege, dass privat gelagertes Nabelschnurblut diese Erkrankungen heilen kann.
Forschung läuft, aber etablierte Therapien existieren derzeit nicht.
 

6. Wer darf spenden?

Spenden ist möglich, wenn:

  • die Schwangerschaft normal verläuft
  • das Baby gesund und termingerecht geboren wird

Nicht möglich ist eine Spende u. a. bei:

  • Mehrlingsschwangerschaften
  • Frühgeburten
  • bestimmten Infektionsrisiken
  • schweren Erkrankungen in der Familie
  • kürzlichen Tattoos/Piercings unter unsicheren Bedingungen

7. Wie läuft die Spende ab?

  • Anmeldung meist zwischen der 28. und 34. Schwangerschaftswoche.
  • Ausfüllen eines Gesundheitsfragebogens.
  • Bluttest der Mutter (z. B. HIV, Hepatitis).
  • Erinnerung an das Geburtsteam bei der Aufnahme im Kreißsaal.

8. Kosten im Überblick

  • Öffentliche Spende: kostenlos.
  • Private Aufbewahrung: 900–2.400 € plus ggf. jährliche Gebühren.
  • Gerichtete Spenden für ein erkranktes Geschwisterkind werden in vielen Ländern vom Gesundheitssystem übernommen.
     

9. Empfehlungen des Europarates

Der Europarat betont:

  • Öffentliche Spende wird empfohlen, da sie medizinisch sinnvoll, solidarisch und wissenschaftlich gut belegt ist.
  • Private Aufbewahrung wird nicht empfohlen, da Nutzen und Wahrscheinlichkeit einer Verwendung sehr gering sind.
  • Weltweit wurden bisher rund 35.000 Transplantationen mit gespendetem Nabelschnurblut durchgeführt, aber nur etwa 200 mit privat gelagerten Einheiten.

10. Tipps für Eltern – worauf achten?

Wenn ihr spenden möchtet:

  • Frühzeitig informieren, ob euer Geburtsort Spenden anbietet.
  • Gesundheitsfragebogen sorgfältig ausfüllen.
  • Bei der Geburt ans Team erinnern.

Wenn ihr private Aufbewahrung erwägt:

  • Akkreditierung der Bank prüfen (z. B. FACT-NetCord).
  • Kosten und Vertragsbedingungen genau lesen.
  • Klären, was passiert, wenn die Bank schließt oder Zahlungen ausbleiben.

Fazit: Die Entscheidung liegt bei euch als Eltern

Die wissenschaftliche Evidenz und die Empfehlungen der Fachgesellschaften sprechen dafür, Nabelschnurblut öffentlich zu spenden. Eine Spende ist kostenlos, sicher und kann Leben retten – auch das des eigenen Kindes, falls es später eine passende Spende benötigt.

Komm in unsere Foren für mehr Infos!

Baby wird von Arzt untersucht
stock.adobe.com
The Ads container will be displayed outside the edit view after a page reload.
arzt bei untersuchung eines babys
stock.adobe.com