Kinderarzt Dr. med. Andreas Busse

Kindergesundheit

Kinderarzt Dr. med. Andreas Busse

   

 

Welche schlimmen Nachwirkungen hat ein Kaiserschnitt

Guten Tag Herr Dr. Busse,
ich habe ein Frage zu dem Thema Kaiserschnitt. Inwiefern sind Kaiserschnitt-Kinder in ihrer Entwicklung beeinträchtigt? Gibt es dazu überhaupt Studien mit signifikanten Ergebnissen und was sagt die Praxiserfahrung in der Pädiatrie dazu?

Ich habe bereits ein Kind welches mit (Not-) Kaiserschnitt zur Welt gekommen ist und plane das nächste Kind mit einer primären Sectio zu entbinden, habe aber nicht wirklich ein Vergleich zu anderen Kindern zumal ich auch daran glaube dass andere Faktoren gewisse Abweichungen verursachen. Jetzt habe ich von einem amerikanischen Psychologen gelesen, dass der Kaiserschnitt mit einem sehr gravierenden Nachteil für die gesamte physische wie psychische Entwicklung des Kindes einhergeht. Ich kann das nicht so recht glauben und würde gerne Ihre Meinung dazu hören. Vor allem das Fehlen der Kompression soll die Psyche stark beeinflussen, ist das Geburtsmoment wirklich so einflussreich auf das gesamte Leben?

Viele Dank im Voraus,
Liebe Grüße, I.Vasias

von Vasias am 04.10.2009, 11:27 Uhr

 

Antwort:

Welche schlimmen Nachwirkungen hat ein Kaiserschnitt

Liebe V.,
man muss nicht jeden Unsinn glauben, denn irgendein selbsternannter "Experte" irgendwo veröffentlicht hat. Alleine die tägliche Erfahrung und der gesunde Menschenverstand sagen einem, dass ein gut geplanter Kaiserschnitt ohne Komplikationen sicher keine gravierenden langfristigen Auswirkungen auf die Entwicklung eines Kindes haben kann.
Alles Gute!

von Dr. med. Andreas Busse am 05.10.2009

Antwort:

Seriöse Studien kann es hierzu ja gar nicht geben, weil...

Hallo,

da ich auch bereits zwei Kaiserschnitte hatte (einen ungeplanten und einen geplanten, beide medizinisch notwendig), möchte ich auch gern etwas dazu sagen, wenn ich darf. Meine Frauenärztin sagt, die meisten Studien hierzu seien weitgehend wertlos, weil sie das genau das Ergebnis zeitigen, dass die Initiatoren sich davon vorher erhofften. Dies passiert ja gerade bei nicht-greifbaren Dingen wie den etwaigen lebenslangen Folgen einer Kindheits-Erfahrung auf die Psyche fast automatisch. Denn hier ist kein objektives Vorgehen nach Art der Doppelblind- o. randomisierten Studien möglich. Hier kann es lediglich eine rein subjektive Deutung irgendwelcher späteren, individuellen Probleme im Hinblick auf die Kaiserschnitt-Erfahrung geben.

Ich finde, wir Mütter sollten daher lieber auf den gesunden Menschenverstand hören: Ein Baby, das auf natürlichem Wege, aber mit einem - ja sehr häufigen - vorübergehenden Sauerstoffmangel auf die Welt gekommen ist, hatte ja auch einen schlechten Start, sogar mit der kurzzeitigen Erfahrung des drohenden Todes. Dass Babys mit schlechten Herztönen und quietschblauer Hautfarbe geboren werden, ist aber Alltag auf der Geburtsstation. Und meist verkraftet ihr kleiner Körper dies folgenlos. Kein Mensch käme auf die Idee, hier schreckliche seelische Folgen zu erwarten - ganz einfach, weil es zu natürlich, alltäglich und häufig ist - und auch immer war.

Ein Baby, dem die erdrückende Enge und der vorübergehende Sauerstoffmangel im Geburtskanal erspart worden ist - so könnte man ja auch sagen - wird sicher einen viel positiveren und fröhlicheren Start ins Leben haben. Diese Deutung finde ich genauso legitim, wie eine negative, und eigentlich sogar noch einleuchtender. Und mit der richtigen Herangehensweise könnte man sicher im Rahmen einer Studie ziemlich leicht genau das belegen, wenn man möchte.

Es mag sein, dass einem Kaiserschnittbaby in den ersten Lebensmomenten die kreislaufanregende Massage durch die Geburtswehen fehlen. Darum haben KS-Babys ja auch manchmal beim ersten Apgartest, wenige Minuten nach der Geburt, etwas schlechtere Werte. Schon der zweite Test aber ist meist wieder bei 9 oder 10 Punkten, wie bei allen anderen Babys. Auch das "Bounding", die wichtige erste Kontaktaufnahme zum Baby muss nicht ausfallen, wenn der Vater das Baby auf seine Brust legt, bis die Mama aus dem OP kommt und es übernehmen kann.

Meine Tochter ist inzwischen 10, mein Sohn 4. Ich konnte in keiner Hinsicht und in keinem Lebensbereich irgendeinen Nachteil durch die Kaiserschnittgeburten feststellen. Beide Kinder gedeihen körperlich optimal und sind seelisch fröhlich, gelassen, ausgeglichen, mit großer Neugier und großer Freude am Leben. Hier irgendeinen Nachteil hinein interpretieren zu wollen, wäre absurd.

Ich glaube nicht, dass Du Dir Sorgen zu machen brauchst. Ich hätte eher die Befürchtung, dass man durch eine zu negative Erwartungshaltung gegenüber den etwaigen Folgen dieser OP solche Probleme überhaupt erst produziert. So eine unbewusste und unabsichtliche Selbstprogrammierung passiert ja leicht. Dann deutet man jedes Problem des Kindes als Folge der Geburt.

Ich finde, man muss einfach bedenken: Der Start ins Leben ist für ein Menschenkind niemals einfach. Ob es sich stundenlang durchquetschen muss, oder ob es ohne Vorbereitung plötzlich per Bauchschnitt aus dem warmen Mutterleib in die Eiseskälte des OPs gezerrt wird - beides ist schwer. Aber beides verkraften Menschenkinder auch problemlos, weil Menschen seit hunderttausenden von Jahren "wissen", dass das Leben kein Zuckerschlecken ist und auch der Start oft nicht ohne Schwierigkeiten klappt. Trotz ihrer Zartheit sind Menschenkinder robust. Ich finde, wir sollten unserem Kind einfach zutiefst zutrauen, dass es Dank unserer Liebe damit kein Problem haben wird.

Liebe Grüße,

B.

von Bonnie am 04.10.2009

Antwort:

Welche schlimmen Nachwirkungen hat ein Kaiserschnitt

ich halte das für kompletten blödsinn, das sagen im übrigen auch alle seriösen studien.
allerdings gibt es etwas häufiger 'anpassungsstörungen' mit der atmung (in den ersten 1-5 minuten), da die kompression bzw die wehen die geburt ja signalisieren, ein kaiserschnitt aus ruhe heraus kommt etwas plötzlich. deswegen gibt es kliniken, die vorher einen wehentropf machen. aber auch hierzu gibt es keine studien, die beweisen, dass das von vorteil wäre.

was du allerdings bedenken solltest, ist, dass jeder kaiserschnitt ein risiko für die mutter und - vor allem - für das NACHFOLGENDE kind ist. die ss- und entbindungskomplikationen für das nächste kind sind nach einem kaiserschnitt erwiesenermassen erhöht, auch mit entsprechenden folgen! deswegen würde ich persönlich nicht unbedingt eine sectio OHNE indikation machen lassen. oder nur nach reiflicher überlegung, du musst eben das höhere risiko für ein evtl. nächstes kind in kauf nehmen.

lg,
tigger

von tigger2212 am 04.10.2009

Antwort:

@Bonnie @Tigger

Vielen Dank euch beiden für eure Postings.

Bonnie ganz genauso sehe ich das auch. Allerdings ist der besagt Psychologe so fest überzeugt von sich und scheint seine Behauptungen auch mit Beweisen begründen zu können. Da war ich letztedlich doch verunsichert.

@Tigger du hast absolut recht, ohne Indikation würde ich es auch niemals machen, den bequem geht anders, der Kaiserschnitt hat nichts von einr bequemen Geburt wie ich finde. Allerdings ist es bei mir so, dass eine spontane Geburt zwar nicht auszuschließen ist (ich bin jetzt in der 33. Woche) aber womöglich nicht komplikationsfrei ablaufen wird, da das Kind bislang noch falsch herum liegt und es scheint so als würd es erneut sehr groß werden (wie das erste). Da frage ich mich eben ob ich das meinem Kind und mir ersparen soll oder nicht.

Lieben Gruß, I.Vasias

von Vasias am 04.10.2009

Antwort:

@Bonnie @Tigger

Hallo,

ich kann deine Sorgen gut verstehen, denn eine Steißgeburt ist nun mal risikovoller als eine normale. Würdest du dich denn definitiv für einen KS entscheiden, wenn sich das Baby nicht mehr dreht oder würdest du dich auf eine Spontangeburt einlassen? Wenn Spontangeburt, dann solltest du vielleicht eine Hebamme haben, die sich damit auskennt. Es ist eine schwierige Entscheidung und ich denke, man benötigt in einem solchen Fall unbedingt eine gute Beratung. Soweit ich weiß, wird, wenn das Baby falschrum liegt, meist ein KS gemacht und damit fehlt den Geburtshelfern oft die Erfahrung.
Ich wüsste nicht, wie ich mich persönlich entscheiden würde.
Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute für die bevorstehende Geburt,

von zweizahn am 04.10.2009

Antwort:

Welche schlimmen Nachwirkungen hat ein Kaiserschnitt

Ich habe auch zwei Kinder, die per KS zur Welt gekommen sind und möchte mich auch kurz zu Wort melden.

Der Große ist fast 4 3/4 Jahre alt, die Kleine fast 3 1/4. Bei beiden Kindern kann ich jetzt keine Nachteile (weder in der physischen noch in der psychischen Entwicklung) feststellen. Ausserdem bekomme ich ständig zu hören, daß meine Kinder in ihrer kognitiven Entwicklung weiter sind als Gleichaltrige, somit kann ICH zumindest für mich selber die Studie, die bestimmt nicht seriös sein kann, widerlegen.

Mach dir keinen Kopf dahab und eine schöne Geburt
LG
Nicole

von mama von joshua am 05.10.2009

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