Achtung Zecken! Was Sie über Zeckenstiche wissen sollten!

Achtung Zecken! Was Sie über Zeckenstiche wissen sollten!

Neben „Corona“ ist derzeit das Thema „Zeckenalarm“ in aller Munde. Wir haben unseren Kinderarzt
Dr. Andreas Busse gefragt, wie er die Gefahr durch Zeckenstiche besonders für Kinder sieht und was Eltern
vorbeugend tun können.

Kinderarzt Dr. med. Andreas Busse
Sprechblase

Herr Dr.Busse, viele Eltern haben dieses Jahr besonders große Sorgen, dass
Ihre Kinder beim Spielen auf der Wiese von einer Zecke gestochen werden
können. Ist diese Angst berechtigt?

Dr. Busse:

„Zecken mögen es warm und feucht“ - und das bedeutet in der Tat, dass es dieses Jahr besonders
viele Zecken gibt, die aufgrund des milden Winters überleben und sich im relativ warmen Frühling
vermehren konnten.

Redaktion:

Wo und wann ist man denn am meisten gefährdet, sich eine Zecke einzufangen?

Dr. Busse:

Zecken bewegen sich am Boden, im hohen Gras oder in Büschen und im Unterholz. Auf Wiesen, in
Gärten, Parks und an Waldrändern überfallen sie kleine und größere Säugetiere und leider auch den
Menschen. Sie lieben wie schon gesagt Feuchtigkeit und Wärme und deshalb sind sie etwa nach
einem Regentag im Sommer besonders aktiv. Doch angesichts der zunehmend milderen Winter sind
Zecken bereits ab März und bis November auf der Jagd nach Opfern, von deren Blut sie sich
ernähren.

Redaktion:

Auch wenn es viele vor dem Spinnentier graust, ist es ja nicht
die Zecke selber, die für uns Menschen bedrohlich ist.
Was macht denn einen Zeckenstich potentiell gefährlich?

Dr. Busse:

Der Zeckenstich selber ist so harmlos wie alle Insektenstiche
bei uns in Mitteleuropa. Doch leider kann die Zecke nachdem
Sie am Menschen „angedockt“ hat, Krankheitserreger
übertragen: sofort die FSME-Viren und bei längerem
Blutsaugen Borrelien, also Bakterien.

Redaktion:

Bleiben wir beim Thema „FSME“: welche Symptome werden
durch diese Viren verursacht? Und kann man dagegen
vorbeugen?

Bild von Zecke die gebissen hat.

Gegen FSME kann man sich
durch Impfen schüten

Dr. Busse:

Typische anfängliche FSME-Symptome sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, ähnlich einer
Sommergrippe. Oft ist die Krankheit damit überstanden, bei einigen greift das FSME-Virus aber die
Hirnhaut und das zentrale Nervensystem an - deshalb Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis.
Eine sehr schwere Erkrankung, die Folgeschäden verursachen kann wie z.B. Lähmungen.
Die Viruskrankheit lässt sich nicht ursächlich behandeln, und deshalb kann ich nur dazu raten, dass sich
alle Familien, die in einem Risikogebiet für FSME leben oder dorthin in den Urlaub fahren, gegen das
FSME-Virus impfen lassen. Risikogebiete gibt es hauptsächlich im Süden Deutschlands, aber sie breiten
sich in den letzten Jahren in Richtung Norden aus, und auch außerhalb der bekannten
FSME-Risikogebiete können vereinzelt Erkrankungsfälle auftreten.
Sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt über die „Zeckenimpfung“!

Redaktion:

Und was ist mit den Borrelien? Kann man sich dagegen auch mit einer Impfung schützen?

Dr. Busse:

Leider nein, gegen Borrelien gibt es bisher für den Menschen keine Impfung. Aber: es braucht einige
Stunden bis nach einem Zeckenstich diese Bakterien aus der Zecke in die Blutbahn wandern.
Die beste Vorbeugung gegen eine Borreliose ist es deshalb, sich und seine Kinder nach jedem Aufenthalt
im Freien gründlich auf Zecken abzusuchen und diese rasch zu entfernen.

Außerdem sollte man die Stichstelle bis zu 4 Wochen beobachten. Denn „das“ charakteristische
Borreliose-Symptom im Frühstadium ist die Wanderröte („Erythema migrans“), eine ringförmig sich
ausbreitende Hautrötung. Anhand derer kann der Arzt eine Borreliose erkennen und problemlos mit
einem Antibiotikum behandeln. Damit werden dann auch weitere mögliche Folgen wie Entzündungen
am Herzen, an der Hirnhaut oder an Gelenken verhindert. Bluttests oder die Untersuchung der Zecke
werden nicht empfohlen. In vielen Fällen verursacht die Infektion mit Borrelien aber auch gar keine
Beschwerden und heilt folgenlos aus.

Redaktion:

Eine Bitte zum Abschluss: Welche konkrete Empfehlungen möchten Sie den Eltern
zum Thema „Zecken“ geben?

Dr. Busse:

Die Familie vor Zeckenstichen und ihren möglichen Folgen schützen bedeutet:

  1. Schutz vor Zeckenstichen durch eng anliegende Kleidung
  2. Immer am Abend sich und die Kinder in allen Hautfalten auf Zecken absuchen und diese rasch
    entfernen.
  3. Mit dem Kinder- und Hausarzt über die FSME-Impfung sprechen, wenn man im Risikogebiet
    wohnt oder dorthin in den Urlaub fährt
  4. Jetzt noch die Schnellimpfung gegen FSME holen, besonders vor dem Urlaub. Und spätestens
    im Herbst mit der Grundimmunisierung gegen FSME beginnen als Schutz für die Zeckensaison
    im kommenden Jahr.

Redaktion:

Vielen Dank für dieses Interview, Herr Dr. Busse.

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