Frage im Expertenforum Kinderarzt an Dr. med. Andreas Busse:

Tragen

Rund ums Baby Adventskalender 2025
Frage: Tragen

Mitglied inaktiv

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Guten Tag Herr Dr. Busse! Da Sie bei Fragen hinsichtlich des Themas „Tragen“ immer wieder einwenden, dass das ständige Tragen von Säuglingen eine ungute Entwicklung der heutigen Zeit sei, würde es mich (und nicht nur mich, vermute ich mal) sehr interessieren, auf welchen empirischen Fakten Ihre Aussage beruht und auf welche (gerne auch wissenschaftlichen) Erkenntnisse Sie sich damit beziehen. Ist es nicht vielmehr so, dass das Tragen am Ursprung der Menschheitsentwicklung stand und erst die „moderne“ Zeit „Innovationen“ wie Kinderwagen (ca. Anfang 19. Jhdt.) und Co. hervorgebracht hat!? War es früher (und ist es heute noch stets) in vielen Ländern und Kulturen nicht so, dass Frauen darauf angewiesen waren (und sind), ihre Babys zu tragen, da sie beispielsweise der Feldarbeit helfen mussten (und müssen)? Bedeutete es in einer solchen Situation nicht höchste Gefahr für ein kleines Menschenkind, abgelegt zu werden - und wäre von daher nicht denkbar, dass das Getragen-werden-Wollen noch immer tief + fest in unseren Instinkten verankert ist!? Wenn die motorische Entwicklung der Säuglinge durch das Tragen behindert wird, wie Sie leichtfertig behaupten - wie erklärt es sich, dass regelmäßig Langstreckenläufer aus „tragenden“ Kulturen (Äthiopien, Kenia) auf internationalen Marathonwettkämpfen die Medaillen abräumen und überdies jeder Mensch – sofern nicht krank oder behindert – zum aufrechten Gang kommt? Ich habe meine Tochter ausschließlich getragen, da sie weinte, sobald ich sie ablegte. Erst ohne, anschließend mit Tragetuch und Bondolino-Trage. Sie ist bis heute in ihrer körperlichen Entwicklung „der Norm entsprechend“ oder dieser gar voraus. Beim Hüft-Gelenks-Sono lag ihr Wert beidseitig bei 72! Sie saß sehr früh, krabbelt fröhlich wie ein Maikäfer und zieht sich überall gern zum Stehen hoch. Und NEIN, sie möchte nicht mehr dauernd getragen werden, und NEIN, sie ist als Folge des Tragens weder „verwöhnt“ noch „verzogen“. Es ergab sich einfach von selbst, dass ich sie irgendwann mal hinlegen oder –setzen konnte, und zwar völlig klaglos. Ist es nicht eher so, dass gerade durch das Tragen der Gleichgewichtssinn geschult und gefördert wird? Warum sonst befürworten viele Orthopäden das Tragen von Babies?! Bitte informieren Sie sich doch eingehender über das Thema und setzen sich auch mit jenen Studien auseinander, die für das Tragen sprechen, bevor sie die Praktik pauschal verwerfen. Menschenkinder sind (physiologisch gesehen) Traglinge. Ich empfehle Ihnen, sich auch einmal mit ihrem Foren-Kollegen - Herrn Dr. Posth - auszutauschen, der ebenfalls das Tragen dezidiert befürwortet. Vielleicht arbeiten Sie sich auch mal durch folgende Seiten (den ersten Link lege ich Ihnen besonders ans Herz!): http://www.faz.net/s/RubCD175863466D41BB9A6A93D460B81174/Doc~E94B1F4C3DEA24347A1ADBBDB36D8DA29~ATpl~Ecommon~Scontent.html http://www.ins-leben-tragen.de/Tragenwarum.aspx http://www.verhaltensbiologie.com/forschen/tragen/ http://neuwinger.server5.internet4ever.de/Shop/shop_content.php?coID=61 Ferner sollte, statt verallgemeinernd davon abzuraten, eher darauf hingewiesen werden, dass viele Fertigtragen einen zu schmalen Steg zwischen den Beinen bieten, wodurch die korrekte Spreiz-Anhock-Haltung nicht gegeben ist, was den Babys Schmerzen bereitet (Hoden/Schambein), und auch, dass viele Fertigtragen die Rückenrundung nicht berücksichtigen usw. Über die naiv- ablehnende Haltung dem Tragen gegenüber kann ich – auch und vor allem vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen - nur den Kopf schütteln und äußere daher mein Unverständnis. Bitte, gönnen Sie den Babies die Erfüllung ihrer Bedürfnisse! Ich hoffe, dass meine Zeilen auf den fruchtbaren Boden der Einsicht fielen und bin sehr gespannt auf Ihre Antwort. Mit freundlichen und nachdenklichen Grüßen Andrea


Dr. med. Andreas Busse

Dr. med. Andreas Busse

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Liebe A., es würde sicher zu weit führen, wenn ich hier mit ihnen einen weltanschaulichen Diskurs führen würde. Ich finde diese ideologisch geprägten und wenig am Kind orientierten Diskussionen auch eingermaßen unsinnig. Babys brauchen beides: Zeiten, in denen sie intensiven Körperkontakt mit ihren Eltern haben, z.B. indem sie getragen werden. Und Zeiten in denen sie ihre Motorik abwechselnd in Bauch- und Rückenlage üben können und in denen sie auch mal für sich alleine etwas erkunden und ausprobieren können. Ich bin also nicht gegen das Tragen - sondern nur gegen das ausschließlich und aufoktroierte Tragen. Alles GUte!


Mitglied inaktiv

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Guten Abend, Herr Dr. Busse! Vielen Dank für Ihre Antwort. Es liegt mir fern, einen ideologischen Diskurs mit Ihnen führen zu wollen. Nur stößt mir Ihre Bezeichnung, das permanente Tragen sei eine – ich nenne es mal - “neumodische Entwicklung“, eine Modetorheit folglich, etwas sauer auf – eben, weil mir ein solches Statement aufgrund der bereits genannten Fakten als völlig widersinnig erscheint. Es kann beim ständigen Tragen wohl schwerlich von „aufoktroyiertem“ Handeln die Rede sein, wenn lediglich ein Grundbedürfnis - um welches es hier geht und das der Großteil der Babies eben hat - erfüllt wird. Diese Diskussionen sind folglich alles andere, als "wenig am Kind orientiert". Wenn Sie also nicht gegen das „Tragen an sich“ sind, so richten Sie sich doch bitte in Ihren Beiträgen auch nicht dagegen… Damit verunsichern Sie die Eltern, die den (Grund-)Bedürfnissen Ihres Kindes nachkommen wollen, sonst nichts. Ferner ging es mir eben gerade NICHT um eine ideologieträchtige Weltanschauung, sondern einzig und allein um die (auch wissenschaftlich evidente) Tatsache, dass ein Menschenbaby von Natur aus nun einmal ein Tragling IST . Ich selbst habe anfangs nicht aus einer „Ideologie“ heraus getragen, sondern um meinem Kind Leid durch fehlende Körpernähe zu ersparen und besaß vor der Geburt weder Tragetuch noch Fertigtrage, sondern einen Kinderwagen - in dem das Kind nicht liegen wollte. Erst im Anschluss an- und aufgrund dieser Erfahrungen habe ich mich ausführlich mit dem Thema „Tragen“ beschäftigt und gelangte zu den genannten – meiner Meinung nach sehr logischen und durchaus eingänglichen – Erkenntnissen. Mit freundlichen Grüßen Andrea


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