DoriDK
Lieber Dr Busse, wenn ich die Mütter/ Eltern heutzutage betrachte, habe ich den Eindruck, dass diese viel besorgter sind, als vielleicht noch vor 15 Jahren. Ich hatte darüber eine Diskussion, mit dem Lehrer meiner Tochter. Er nimmt die Entwicklung ähnlich war. Mich würde mal die Meinung von Ihnen als Mediziner hierzu interessieren. Und vorallem, warum meinen Sie könnte es zu dieser Entwicklung gekommen sein. Vielen Dank für die Beantwortung dieser etwas ungewöhnlichen Frage.
Liebe D., das ist leider ein sehr trauriges Thema. Auch hier in den Fragen spiegelt sich die totale Verunsicherung vieler Eltern wieder, die meinen, alles perfekt machen und kontrollieren zu müssen. Statt sich an ihren Kindern zu freuen, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, aber sonst Ihren Kindern auch zu zu trauen, dass sie sich wunderbar von alleine entwickeln und die Welt erobern müssen. Und dabei auch mal kleine Unfälle und Pannen erleben, die sie erst stark machen. Über diese Entwicklung und ihre vielfältigen Ursachen könnte man ein Buch schreiben, das sprengt leider die Möglichkeiten dieses Forums. Ich kann nur den allgemeinen Rat geben: "Traut Euch und Euren Kindern einfach mehr zu und betrachtet die Welt um Euch herum nicht als Bedrohung sondern als wunderbare Herausforderung". Alles GUte!
Hadriana
Die ständige und ungefilterte Verfügbarkeit von Informationen zu negativen Einflüssen auf unsere Kinder.
Orchidee_240914
Hallo, ich denke das früher alles anders war. Man hat die Kinder in der Familie mit den Großeltern großgezogen. Heute ist die Mama meist alleine für das Kind verantwortlich, weil der Papa arbeiten geht. Später dann wenn beide arbeiten wird der Papa etwas mehr mit einbezogen. ( so war es bei uns). Man hat einfach niemanden zur Verfügung den man fragen könnte. Und im allgemeinen gibt es zu jedem Thema irgendwelche Bücher. Und natürlich Internet. Man kann jeden Mist Googlen. Und natürlich kommen da immer die schlimmsten antworten. Also mich wundert nix Angesicht der medienwelt die uns zur Verfügung steht. Man handelt nicht mehr nach bauchgefühl sondern danach was man liest oder hört. Und das ist meiner Meinung nach das Problem. Man muss schon bissel vertrauen haben zum Kind. Ich habe erst einen Bericht über einen 19 jährigen gelesen den sein Leben zerstört wurde wegen seinen helikoptereltern. Er dufte nicht mit auf Klassenfahrt und solche Sachen und er ist nicht der einzige Fall. Klar das er dadurch ausgegrenzt wird und keine Freunde hat. Echt Wahnsinn die Entwicklung. Sich sorgen ist ja in Ordnung und gehört dazu. Aber nicht so übertrieben. Lg
Mitglied inaktiv
Ich finde, dass die gesellschaftlichen Sicherheitsstandards und der Druck steigen. Ich wurde als Kind auf der Ladefläche eines Buses transportiert zusammen mit meinen Geschwistern, heute hat man hohe Strafen zu fürchten wenn das Kind nicht in einem passenden Kindersitz angeschnallt ist. Oder Fahrradhelmpflicht (zumindest hier in Österreich) für Kinder etc. Und wenn man mit einem leicht verletzten Kind ins Krankenhaus kommt weils beim Klettern vom Baum gefallen ist, hat man Glück wenn nicht gleich wegen Verletzung der Aufsichtspflicht ermittelt wird oder aber wegen Kindesmisshandlung, weil der Baum könnte ja gelogen sein.
Mama08-15
Zudem hat es meiner Meinung nach damit zu tun, dass Kinder inzwischen einen ganz anderen Stellenwert einnehmen. Wo es früher noch normal war, dass mindestens zwei, wenn nicht noch mehr Kinder in den Familien aufwuchsen, gibt es inzwischen halt viel mehr Einzelkinder. So focussieren sich die ganzen Sorgen, Wünsche etc. der Eltern auf ein Kind. Außerdem wird ums Kinderkriegen ein extrem großer Hype betrieben. Eine Schwangerschaft ist nichts natürliches mehr, sondern wird zu einem Riesen-Ereignis. So lässt sich eine Menge Geld verdienen, jedoch gleichzeitig werden junge Mütter verunsichert, die eigentlich keine extra Untersuchungen möchten. Hier fängt meiner Meinung nach das Drama schon an, wenn in der gynäkologischen Praxis ein Ultraschallabo zu buchen ist, damit auch ja die ganze Schwangerschaft bis ins kleinste Detail begleitet wird und man nichts dem Zufall überlässt . Das zieht sich dann beim aufwachsen der Kinder so durch.
Mitglied inaktiv
Das glaube ich auch. Spätestens aber bei der MenB Impfung bekommt man das Gefühl dass man nicht das Beste für sein Kind tut weil man sich die Impfung nicht leisten kann und die KK es nur bei Risikopatienten bezahlt, die KiÄ es aber dringlichst empfehlen um die Impflücke zu schliessen. Man will ja auch nur das Beste für sein Kind. Dann geht man mit einem ganz ganz schlechten Gefühl nach Hause und fängt an mal im Internet nach der Krankheit zu googlen. Das macht es dann nur noch schlimmer und die Spirale dreht sich immer weiter.... Früher hatte man einfach nicht so viele Wahlmöglichkeiten und demnach hat man sich über die einzelnen Dinge auch keine Gedanken gemacht...
IngeA
Das sind aber ehrlich gesagt nicht nur die Eltern. Wenn ich mir überlege, für was für Pipifax ich meine Kinder schon aus der Schule abholen sollte... Und immer erreichbar sein und nach Möglichkeit in 5 Min. da sein. Und dann große Augen wenn die Mama ein Pflaster drauf klebt ein Bussi gibt und das Kind wieder in den Unterricht schickt weil halt nichts ist. Ich frag mich wie die Schulen das bei uns früher geschafft haben, da war niemand erreichbar und schon gar nicht wurde irgend ein Kind abgeholt. Und hier ist das Kind nicht "normgerecht" und gehört therapiert und da auch, und da... Alle haben Angst: man könnte was falsch machen, es könnte was passieren. Ja, könnte.... Könnte auch sein dass das Kind ganz normal ist. LG Inge
Pia-Lotta
Als Lehrerin mit über 20-jähriger Berufspraxis kann ich sagen, dass man als Lehrkraft umgehend eine Klage am Hals hat, wenn man nicht bei jedem kleinen Unwohlsein des Kindes die Eltern alarmiert. Ich habe da schon Dinge erlebt, das glaubt kein Mensch. Und außerdem: Wenn wirklich mal etwas ist, kann man sich nicht um kranke Kinder kümmern, wenn man allein für eine Lerngruppe von 29 Kindern verantwortlich ist. Ein Kind, das gerade alles vollgek...hat, kann ich nicht in der Klasse sitzen lassen mit den gesunden Kindern. Setze ich es aber woanders hin, muss ich die Klasse verlassen und/oder das kranke Kind allein sitzen lassen (selbst wenn ich einen Mitschüler dazu setze, kann ich diesem nicht die Verantwortung übertragen) und verletze meine Aufsichtspflicht, da kann ich mich gleich auf eine Dienstaufsichtsbeschwerde gefasst machen. Genau DESHALB lasse ich Kinder, die sagen, sie seien krank oder hätten Schmerzen, sofort abholen. LG, Pia-Lotta
IngeA
Ich spreche nicht von kranken Kindern die Fieber haben oder erbrechen. Ich spreche von aufgeschürften Knien oder angestoßenen Zehen. Und dass ne Schule lieber ein mal zu oft als zu wenig anruft verstehe ich auch. Die Schule sollte aus der "Nummer" mit Aufsichtspflicht und Klage aber raus sein wenn die Mutter befindet, dass das Kind mit einer Schürfwunde trotzdem noch weiter im Unterricht bleiben kann. Das kann man dokumentieren und unterschreiben lassen, da braucht man kein Theater drum machen. LG Inge
Mitglied inaktiv
Lehrer oder KiGa-Erzieher sind aber keine Ärzte. Sie können nicht entscheiden ob der Zeh nur angestossen ist oder gebrochen. Ob das Nasenbluten daher kommt weil das Kind empfindlicher da ist oder ob der Schlag doch heftiger war und evtl sogar eine leichte Gehirnerschütterung vorliegt. Zumal die oft den genauen Unfall gar nicht sehen und sich dann anhand von Schilderungen ein Urteil bilden müssen. Wie meiner im KiGa gekommen ist ist er auch mal von ein paar Stämmen abgerutscht. Keiner wusste ob er mit dem Genick, dem Kopf oder sonstwo aufgeschlagen ist, die Nase blutete aber wie Hölle und mitbekommen hatte man nur das er hinterrücks abgerutscht war. Und klar war auch, mehr als ein beobachten sie das Kind über Nacht kommt vom Arzt sicherlich nicht, trotzdem haben die angerufen ich soll ihn abholen. Was auch so völlig OK war. bei einer Arbeitskollegin wo die Tochter vor Monaten !!! hingefallen war hat man das nicht gemacht. Die bekam etwa 1 Monat später heftigste Schmerzen un schleppt sich seit dem von Arzt zu Arzt. Die Vermutung das es da zu einer tieferliegenden Verletzung kam haben inzwischen auch die Ärzte.
IngeA
Die Schule hat mich wegen einer Schürfverletzung angerufen. Ich bin gekommen, habe die Wunde versorgt und war der Meinung das Kind kann damit zurück in den Unterricht. Gleiches als mein Sohn sich den Zeh angestoßen hatte: Ich bin gekommen, habe mir den Zeh angesehen, kein Bluterguss, keine Bewegungseinschränkung, keine Fehlstellung, kein "knirschen" also nichts was auf einen Bruch hindeuten würde. Ich habe ihn wieder in den Unterricht geschickt. Die Entscheidung ob das jetzt bedrohlich ist oder nicht hatte also nicht die Schule, die habe ich getroffen. Unterschrift und fertig. Sollte man meinen. Und das geht nicht nur mir so, auch anderen. Und nicht nur bei solchen Dingen. Da werden von Erzieherinnen und Lehrkräften mal eben kurz Diagnosen gestellt und Therapien empfohlen, dann der Nachweis verlangt dass man den Arzt konsultiert hat. Man soll mitteilen welche Therapeut das Kind behandelt, man soll irgendwelche Befunde abgeben. Nichts davon geht die Schule was an. Die Schule kann eine Empfehlung aussprechen, das war es dann. Wenn die Schule der Meinung ist, dass da was ganz gewaltig schief läuft kann sie das JA unterrichten. Das war es für die Schule dann auch. Bis jetzt hat sich unter Garantie noch keine Institution beschweren können ich würde nicht mit ihr zusammenarbeiten. Es ist nur erstaunlich wie schnell eben diese Institutionen meinen Grundrechte außer Kraft setzen zu können. Klar wollen die das Beste für das Kind, das bezweifle ich auch gar nicht, ich will das aber auch. Und wenn alles abgeklärt ist, dann muss es auch mal gut sein. Gut gemeint ist eben oft das Gegenteil von gut gemacht. Kann ja sein dass unsere Stadt da ne Ausnahme ist (wenn man hier in den entsprechenden Foren so liest habe ich aber nicht den Eindruck), aber es ist erstaunlich wie Kindergärten und Schulen die Eltern verunsichern und unter Druck setzen und Therapien etc. durchsetzen wollen, sogar entgegen der Empfehlung vom KiA oder, in unserem Fall sogar Psychiater. Das sind nicht nur die Eltern die da verunsichert sind, das ist die gesamte Gesellschaft. Und wer nicht verunsichert ist, der wird oft durch div. Erzieherinnen oder Lehrer eines besseren belehrt. Es wird nicht mehr nach Stärken und Schwächen geschaut sondern nur noch sortiert nach normal und "nicht normgerecht". Ist für mich grad äußerst aktuell weil ich grad so einen Marathon hinter mir habe. NEIN, nicht ich war besorgt, die Schule hat was nicht richtig mitbekommen und dann gleich zum Äußersten gegriffen. Der Psychiater hielt meine Tochter für total normal und nicht therapiebedürftig, trotzdem wollen die "Befunde" (geht sie nichts an und habe ich auch nicht schriftlich), Terminbestätigungen beim Therapeuten (habe ich auch nicht, da keine Therapie empfohlen wurde und das sowieso nicht von heut auf morgen geht und sie das auch nichts angeht).... Tagelange rumtelefoniererei und rumrennerei wegen nichts und wieder nichts. LG Inge
Mitglied inaktiv
Was? Inge, das geht ja gar nicht!!! Da würde ich auch auf die Barrikaden gehn. Mir wurde von der Schule zwar auch schon zu einem anderen Arzt geraten, was ich frech fand (“gehen Sie zu Dr xy, der arbeitet mit Homöopathie, das hilft besser als Kortison!“) aber das war unter der Hand und es wurde noch nie ein Arztbesuch o.ä. verlangt. Was ich mir aber vorstellen kann, ist ein gewisser monetärer oder versicherungsrechtlicher Gedanke. Schließlich hat das Kind z.B. Recht auf eine lebenslange Rente oder sonstige Aufwandsentschädigungen, wenn es zu Folgeschäden kommt. D.h. die Lehrer riskieren Ärger mit den Eltern, wenn sie einen Unfall nicht sofort melden. Dann geht's vielleicht manchmal um staatliche Förderung, ggf hätten sie gern die Diagnose einer tiefgreifenden psychologischen Störung, da sie dann den Klassenteiler verkleinern dürfen, oder ein paar Stunden mehr für die Schulsozialarbeiterin genehmigt bekommen? Der Kindergarten wollte unsere jüngste Tochter mit vier (!) in die Frühförderung am Nachmittag stecken, da sie noch so verträumt sei und keine 30 min. am Stück ausmalt, was man ihr vorgibt. Naja ich meinte dann nur, dass ich die Notwendigkeit nicht sehe und erfuhr später über's Eck, dass sie unbedingt x Kinder brauchten, um diese Stunden für die Frau von der Förderstelle zu bekommen und sie die offenen Plätze mit unkomplizierten Kindern füllen wollten. Ergo... geht's wahrscheinlich nicht immer wirklich ums Kind sondern um Geld, Ansprüche....
Pia-Lotta
" Da werden von Erzieherinnen und Lehrkräften mal eben kurz Diagnosen gestellt und Therapien empfohlen, dann der Nachweis verlangt dass man den Arzt konsultiert hat. Man soll mitteilen welche Therapeut das Kind behandelt, man soll irgendwelche Befunde abgeben." Das darf keine Lehrkraft und so etwas habe ich auch von Kolleginnen und Kollegen noch nie gehört.
Mitglied inaktiv
Das wurde von einem Arzt geschrieben. Ich kenne leider auch solche Lehrer und Erzieherinnen aus beruflichen gründen. Unterstützt wir das von den Schulämtern. Bei uns sind Besuche in Freizeitparks, Kletterpark, Schwimmbad usw. alles verboten worden. Allerdings wohl um die Lehrer zu schützen. Wenn etwas passiert wird sofort geklagt, auch wenn es die schuld der Kinder ist.