Guten Tag Herr Dr. med. Busse, die Situation ist aktuell extrem belastend. Mein Sohn (2,5 Jahre alt) ist extrem eifersüchtig auf seinen Bruder (5 Monate). Die Geburt des Bruders war für ihn, trotz langer Vorbereitung, ein großer Schock. Dann hatte er sich scheinbar wieder gefangen. Aber nun explodiert die Eifersucht regelrecht. Vor der Geburt des Bruders haben er und Mama sehr viel Zeit miteinander verbracht. Nach der Geburt ist es natürlich zwangsläufig weniger. Trotzdem haben wir bisher immer darauf geachtet, dass jemand mit ihm spielt. Egal ob Mama, Papa, Oma oder Opa, es war immer jemand da der mit dem Großen und mit dem Kleinen spielt. Seit dem hat er es leider auch verlernt, alleine zu spielen. Vor der Geburt des kleinen Bruders konnte er sich sehr gut alleine beschäftigen. Nun fordert er natürlich immer wieder ein, dass jemand zu ihm kommt.  Wir machen auch Dinge, die nur er machen kann und nicht der Kleine, zum Beispiel ein Hochbeet im Garten, weil er seinen Garten sehr liebt. Doch es scheint alles nicht zu helfen, der Große ist unglücklich und unzufrieden und traurig und verhaltensauffällig. Das Essen ist mittlerweile auch eine Qual, jede Mahlzeit dauert fast anderthalb Stunden. Er redet dabei pausenlos oder zappelt auf dem Stuhl und schafft es nicht die Nahrung runterzuschlucken.  Nachts wacht er auch immer wieder auf und weint ein bisschen, findet aber wieder selbst in den Schlaf. Vorher hat er ganz gut durchgeschlafen. Generell macht er alles, wovon er genau weiß, dass er es nicht darf. Nimmt beispielsweise am Tisch mein Messer und leckt es ab. Macht Spielsachen bewusst kaputt. Spuckt auf den Boden. Usw.  Er hat oft Heulanfälle, sagt, dass er so traurig ist weil der Bruder da ist. Er sagt auch manchmal, dass der Bruder weggehen soll. Wenn ich den Kleinen auf dem Arm habe, nimmt der Große seine Beinchen und will sie drücken, sagt er will ihm weh tun.  Er ist oft sehr grob, wenn er ihn anfassen will. Er zieht dem Kleinen die Händchen aus dem Mund, wenn er an ihnen nagt, weil der Große das eklig findet. Er tritt sehr herrisch ihm gegenüber auf. Auf der anderen Seite versucht er aber auch oft, den kleinen Bruder zu trösten, wenn er weint. Geht zu ihm, sagt er ist da und singt ihm 'Heile Gänschen' vor. Aufgrund seines Verhaltens bekommt der Große gerade schätzungsweise 70% der Aufmerksamkeit. Mit dem Kleinen spielt man viel weniger, als man es damals bei dem Großen als Einzelkind gemacht hat. Der Kleine ist zufrieden und genügsam, aber dem Großen scheint es nicht zu reichen, dass sich fast alles um ihn dreht. Ich weiß einfach nicht mehr, wie ich mich verhalten soll. Wenn er weint und sagt, dass er traurig ist, versuche ich ihn zu trösten. Ich weiß, dass man das bei Kindern in dem Alter eher durch Taten als durch Worte zeigt, dass sie wichtig sind und geliebt werden. Das versuchen wir auch, doch es scheint seinen Kummer nicht zu lindern. Mein Mann meint, dass man dem Großen wohl zu viel Aufmerksamkeit zukommen lässt und er sich deshalb "so viel rausnimmt".  Ich finde es aber schwierig, dem Großen weniger Beachtung zu schenken, wenn er eh schon eifersüchtig ist. Ein Teufelskreis. Aktuell sind beide Kinder Zuhause, der Große kommt aber in ca. 4 Monaten in den Kindergarten. Wie schätzen Sie die Situation ein? Vielen Dank für Ihre Ratschläge.