Mitglied inaktiv
Hallo! Hier kam in letzter Zeit häufiger die Frage nach "typischen" Namen bestimmer gesellschaftlicher Schichten auf. Darüber kann man streiten, aber immerhin gibt's dazu eine Menge (auch wissenschaftlich Fundiertes) im Netz, hier mal ein Beispiel: ------------------------------------------------ http://images.zeit.de/text/2007/35/Aufsteiger "...Und nehmen wir weiter an, die beiden sind inzwischen zusammengezogen und werden bald ein Kind bekommen. Sie müssten dann die nächste wichtige, sehr private Frage beantworten: Welchen Namen geben wir unserem Kind? Eine knifflige Frage ist das. In Deutschland sind heute nicht weniger als 200000 verschiedene Vornamen registriert. Trotzdem ist die Antwort des jungen Paares auf diese Frage ziemlich vorhersehbar. Die Antwort findet man zum Beispiel mitten in Köln, am Gülichplatz 1. Im zweiten Stock eines roten Klinkerbaus steht dort ein großer Schreibtisch, voll mit Akten, Mappen, Monitor und Stempeln und einem kleinen Plastikschild, auf dem steht: »Hier bedient Sie Frau Barg«. Angelika Barg, Leiterin des Standesamtes der Stadt Köln. Seit dreißig Jahren arbeitet sie hier, seit dreißig Jahren unterzeichnet sie Geburtsurkunden, seit dreißig Jahren beobachtet sie, welche Vornamen die Deutschen ihren Kindern geben, sie hat sie alle mitbekommen, die Modenamen der achtziger Jahre (Stefanie, Christian), der neunziger Jahre (Anna, Jan) und des neuen Jahrtausends (Anna, Lukas). Über alle Trends hinweg hat sie eine Entdeckung gemacht: Welche Namen die Eltern ihren Kindern geben, hängt nicht nur vom individuellen Geschmack ab, sondern vor allem vom sozialen Milieu. Angelika Barg merkt das, obwohl sie die Leute gar nicht zu Gesicht bekommt, sie sieht nicht, wie sie sich kleiden, wie sie sprechen oder welche Autos sie fahren, sie sieht nur die Formulare. Das genügt. Dort müssen die jungen Eltern nämlich nicht nur den Namen des Kindes und ihre eigenen Namen eintragen, sondern auch ihren Beruf, zum Beispiel Apothekerin oder Philologe. Und der Beruf entscheidet offenbar mit darüber, wie der Nachwuchs heißen soll. Im Moment zum Beispiel sei das so, sagt Frau Barg: »Die akademischen Kreise neigen eher zu althergebrachten Vornamen.« Zu Namen wie Emilia, Franziska, Antonia, Jonathan, Elias, Karl, Friedrich. Frau Barg formuliert diese Beobachtungen sehr vorsichtig. Sie sagt, das seien alles nur Eindrücke, sie sei ja keine Wissenschaftlerin, sie habe ja keine systematischen Daten erhoben. Aber sie hat recht. Wer wird später einmal Chef? Kevin, Justin oder Maximilian? Der Berliner Kultursoziologe Jürgen Gerhards hat Tausende deutsche Geburtsregister aus mehr als hundert Jahren untersucht, von 1894 bis 1998. Er hat Vornamen und Berufe verglichen und festgestellt: »Der Geschmack ist sozial imprägniert.« Vor 1948 zum Beispiel waren christliche Vornamen bei Bildungsbürgern ziemlich unbeliebt. Damals hörten genug Mägde auf den Namen Johanna, gab es massenweise Fabrikarbeiter, die Paul hießen. Weshalb diese Namen in der Oberschicht kaum vorkamen. Heute, da in den Hauptschulklassen dutzendweise Jaquelynes, Justins oder Kevins sitzen, fangen die Akademiker wieder an, alte Namen zu mögen." -------------------------------------------- LG Telli
Das ist auch interessant, macht uns die Namensuche allerdings nicht gerade leichter:
http://www.dw-world.de/dw/article/0,1564,1602911,00.html
LG
Den Artikel habe ich auch gefunden (auch der Rest ist sehr lesenswert) ! Und dann noch dieses hier ..... zwar zum Schmunzeln, aber mit wahrem Kern ! Vornamen Wie kommt Tizian in die Pommesbude? Machen wir doch den Schnelltest: Welchem der Namen Magnus, Leander und Mike-Marcel ist welches der folgenden Hobbys zuzuordnen: Ballett, Körperverletzung und Flötenmusik des Spätbarock? Mitglieder verschiedener Gesellschaftsschichten grenzen sich immer mehr voneinander ab, zum Beispiel durch die Namen ihrer Kinder. Mein Sohn geht erst seit ein paar Monaten zur Schule. Und schon ist er der Gewaltspirale zum Opfer gefallen. Wenn das vor 50 Jahren geschehen wäre, ja gut, dann hätte Meinesgleichen wohl gesagt: Sei keine Memme. Indianer weinen nicht, sondern hauen zurück. Aber ich bin ein moderner Mensch. Ich habe einen Anspruch auf Hysterie. Deshalb nenne ich das: die Gewaltspirale. Er wurde von einem Klassenkameraden herumgeschubst. Einmal sei ihm, jammerte mein Sohn, derart auf den Fuß gesprungen worden, dass fast das ganze Blut herausgespritzt wäre. Der Täter ist sieben und heißt Justin. Justin. In der "Zeit" stand dazu der Satz: "Der Geschmack ist sozial imprägniert." Das hat ein Kultursoziologe gesagt. Im Text ging es darum, wie sich die Mitglieder verschiedener Gesellschaftsschichten immer mehr voneinander entfernen und abgrenzen, zum Beispiel durch die Namen ihrer Kinder. Ich sah in der Elternkontaktliste nach und stellte fest, dass Justins Vater Kevin heißt. Tja. Ich meine, machen wir doch den Schnelltest: Welchem der Namen Magnus, Leander und Mike-Marcel ist welches der folgenden Hobbys zuzuordnen: Ballett, Körperverletzung und Flötenmusik des Spätbarock? Meine Tochter nimmt Klavierunterricht. Vor ein paar Wochen veranstaltete ihr Lehrer ein Vorspiel. Er erwähnte vorher die Namen dreier anderer Schüler. Sie kommen aus verschiedenen Familien, und, ich schwöre es beim Blut in den Füßen meines Sohnes, sie heißen Vincent, Rafael und Tizian. Meine Tochter erschauerte vor Ehrfurcht. Sie fürchtete, die seien doch bestimmt viel besser als sie. Andererseits ist einem Tizian nicht unbedingt zu wünschen, dass er sein Dasein eines Tages in einer Pommesbude fristen muss, während Chantal neben ihm die Teller wäscht. Unsere Kinder dagegen tragen multikompatible Durchschnittsnamen, die zwar auf den unterentwickelten Ehrgeiz ihrer Eltern schließen lassen, aber ihnen immerhin alle Wege offen lassen, ob nun zum Friseur oder Feuilletonchef beim "Spiegel". Wo waren wir? - Dschastinn. In Deutschland kommt der Name eher in Sendungen wie "Die Super-Nanny" vor als in der "Kulturzeit" auf 3sat. Ich hatte das Gefühl, dass mein Sohn in großer Gefahr schwebte. Ich vergaß, dass ich ein moderner Mensch bin, und warf mich vor ihm in die Brust: "Na, dann richte dem guten Justin mal aus: Wenn er das noch einmal macht, dann kommt dein Papa und" - ich fletschte die Zähne - "und, und, und unterhält sich mit ihm, aber Fraktur." An so kleine Piepels traue ich mich gerade noch heran, aber nicht im Dunkeln. Leider war meine Frau der Meinung, dass man das auch vernünftig klären könne, wie unter zivilisierten Menschen. Sie telefonierte mit der Klassenlehrerin. Dann redeten wir mit Justins Mutter. Sie sagte, sie sei uns dankbar, dass wir sofort auf sie zugekommen seien. Sie verhielt sich so vorbildlich, als wäre sie selbst die Super-Nanny. Wir wunderten uns. Dann wunderten wir uns, dass wir uns gewundert hatten. Schließlich hatte doch nichts dafür gesprochen, dass sie nicht freundlich, aufgeschlossen und ernsthaft um ihren Sohn besorgt sein würde, außer eben, dass ihr Sohn Justin heißt und ihr Mann Kevin. Das geht nicht so weiter. Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder die sogenannten besseren Stände hören auf, ihre Kinder mit ihrem Geschmack zu imprägnieren, und nennen sie Nadine oder Nicole. Oder die sogenannten Unterschichten sorgen dafür, dass zur Abwechslung auch mal Jaspers, Ludgers und Caspars durch Neukölln marodieren, meinetwegen auch Ansberts und Remberts. Ein Teilerfolg wäre es schon, würden irgendwann in Vorpommern ein paar Wirtshausschläger festgenommen und sie hießen nicht mehr Ronny, Ronni und Ronnie, sondern Vincent, Raffael und Michelangelo. Quelle: http://www.welt.de/dossiers/stadtrand/article1442272/Wie_kommt_Tizian_in_die_Pommesbude.html
Teilweise mag ja an diesen Artikel was wahres dran sein aber das schlimme dabei ist das Kinder die so heißen SOFORT ab in die Schublade kommen. Wenn man irgendwo ein Kind kennen lernt und nichts weiter weiß über dieses Kind und man nur den Namen hört wird es gleich ab in die Schublade gesteckt! Ich finde sowas immer sehr traurig.Den Kevin ist nicht gleich Kevin und Michelle ist nicht gleich Michelle. Ich finde das wir deutschen da leider sehr engstirnig und untolerant sind. Und das geben wir an unsere Kinder weiter.Wir als Eltern beeinflussen unsere Kinder mit sowas. Meinem Sohn ist es nämlich herzlichst egal ob er nun mit einem Kevin, Justin oder Johann, Paul oder sonst wem spielt! LG Nicole
das hat gar nichts mit Deutschland zu tun. In Dänemark ist das noch viel schlimmer verbreitet mit dem Schubladendenken,das nur dazu, dass ja alle Deutschen nicht über den Tellerrand gucken können. Gruß Maxikid
Ich bin davon überzeugt, dass das kein deutsches Phänomen ist und in den meisten Ländern der Welt Namen bestimmten Bildungsschichten zugeordnet werden. Aus meiner Zeit in den USA weiß ich noch, dass dort gerne über "White-Trash"-Namen gewitzelt wurde - viel böser als jede Kevin-Bemerkung die ich hier je gehört habe. Erstaunlicherweise würden viele der hier beliebten "Ami-Namen" drüben genau in diese Schublade fallen. Ich finde es auch etwas weltfremd, dieses Phänomen und sämtliche Statistiken so zu leugnen. Natürlich gibt es Ausnahmen. Aber es ist doch völlig logisch, dass sich bestimmte Namen in bestimmten Bildungsschichten häufen. Daher sind mir diese Endlos-Diskussionen auch so unbegreiflich. Was man daraus macht und ob einen das bei der Namenswahl beeinflussen sollte ist eine andere Frage. Ist doch toll, wenn jemand seine Tochter ganz selbstbewusst Cheyenne-Beverley nennt! Vielleicht wird die mal Physik-Professorin und stellt die Statistiken auf den Kopf! Aber wenn jemand Namen aus oben genannten Gründen für sich ausschließt ist das doch auch genauso nachvollziehbar!
In Dänemark ist es auch so. Die Dänen schütteln nur mit dem Kopf, wenn sie hören, dass hier Namen wie Bjarne, Kjell, Torge und Co (finde ich pers. sehr schön) vergeben werden. Dort haben sie die gleiche Bedeutung wie Claus-Dieter, Karl-Heinz und Kevin. Gruß Maxikid
Ja, leugnen lässt es sich nun mal nicht, dass bestimmte Namen sich so häufen. Nur weil man das akzeptiert, heißt es ja nicht, dass man jedem Kevin und umgekehrt jeder Katharina mit Vorurteilen begegenet. In meinem persönlichem Umfeld habe ich tatsächlich schon schlechte Erfahrungen mit Maurice, Marcel, Justin, Jacqueline und Dustin gemacht. Am meisten schlechte Erfahrungen allerdings mit mehreren Fabians. Und ich kenne auch sehr liebe und tolle Maurice und Marcel. Darum ist das für mich keinesweges ein Ausschlusskriterium. LG sun
Übrigens gibt es in den USA auch typisch weiße und typisch schwarze Namen... und auch typische Oberschicht- und Unterschicht-Namen... LG sun
.... wenn man meint einen schönen Namen für sein Kind ausgesucht zu haben und in ein paar Jahren "steckt dieser Name in der betreffenden Schublade". Wer sagt mir denn, dass der ausgesuchte Name auch noch in ein paar Jahren O.K. ist???? LG Tina
das jkann Dir wohl keiner sagen, aber ich denke, dass man mit klassischen Namen immer richtig liegt. Gruß Maxikid
Das kann dir niemand garantieren. Genauso wenig, wie dir niemand garantieren kann, ob der ach so seltene Name in 10 Jahren nicht der Modename Nr. 1 ist. Oder eine neue Damenbinde mit dem Namen deiner Tochter auf den Markt kommt oder oder oder...
Überlegt euch halt, welche Kriterien für EUCH eine Rolle spielen. Aber verurteilt andere nicht, wenn die andere Maßstäbe ansetzen. Ich greife niemanden an, der sein Kind Justin nennt. Möchte aber auch nicht angegriffen werden, wenn ich schreibe, dass ich den nicht vergeben würde, weil er für mich zu sehr mit einem bestimmten Milieu verbunden ist. Basta ![]()
Das Interessante ist ja gerade, dass die tollen Namen, mit denen sich die Eltern aus der "Oberschicht" von den anderen abheben wollen, mit der Zeit durchsickern (siehe Leon in dem zweiten Artikel). Die Garantie, dass wir einen Namen aussuchen, der auch in ein paar Jahren noch gute Assoziationen weckt, gibt uns keiner. Zu den klassischen Namen: wenn ich in meiner Grundschulklasse einen Paul oder eine Paula/Pauline gehabt hätte, hätte ich mich totgelacht. Heute sind das gängige Namen. LG