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Schwangerschaft

Wo soll das Baby zur Welt kommen?

Teil 2:  Die Hausgeburt

Hausgeburt

Im ersten Teil haben wir uns die Klinikgeburt näher angeschaut.
In diesem zweiten Part geht es um "alternative" Entbindungsorte, näm-
lich die Geburt zu Hause, in einer Frauenarztpraxis und in einem Geburtshaus - denn für manche Eltern steht es von vornherein fest: Das Baby soll da geboren werden, wo es die nächsten Jahre aufwachsen wird, also in den eigenen vier Wänden.

So wenig wie möglich soll die familiäre Atmosphäre gestört werden, die Geburt wird als ganz natürlicher Vorgang ins normale Umfeld integriert. Im Mittelpunkt steht die Geburt als familiäres und intimes Ereignis.

Diese Eltern vertrauen auf das Funktionieren der Natur, setzen auf Selbstbestimmung über das Geschehen und sehen keinen Grund darin, in ein Krankenhaus zu gehen. Schließlich ist ja niemand krank, ist ihr Argument. Ist die Hausgeburt purer Leichtsinn oder eine vertretbare Alternative?

Wie "sicher" ist die Hausgeburt?

Statistiken belegen eine qualitativ gute Geburtshilfe auch außerhalb der Klinik. Das liegt allein schon an den inzwischen meist guten Rahmenbedingungen:

  • gute hygienische Verhältnisse in den meisten Haushalten
  • körperlich fitte Schwangere aufgrund qualitativ guter Ernährung und optimaler medizinischer Grundversorgung
  • hoher Aufklärungsgrad über das Geburtsgeschehen und gute Vorbereitung
  • kooperative und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Hebamme und werdenden Eltern, die sich schon aus der Schwangerschaft kennen
  • hohes Ausbildungsniveau der Hebammen
  • schnelle Erreichbarkeit einer Klinik aufgrund einer guten Infrastruktur
  • umfangreiche medizinische Ausstattung der Hebammen
  • viele Hausgeburtshebammen arbeiten zu zweit, so dass sich eine um die Mutter, die andere um das Kind kümmern kann

Und dennoch muss ehrlich auf das bestehende Risiko hingewiesen werden, denn in seltenen Fällen kann es unvorhergesehen zu kritischen Situationen kommen, die zu Hause nicht in den Griff zu bekommen sind. Eine Verlegung in die nächstgelegene Klinik kostet dann wertvolle Minuten, die u.U. entscheidend sein können. Daher müssen Eltern, die sich für eine Hausgeburt entscheiden, bereit sein, dieses Risiko mit allen Konsequenzen zu tragen. Wer eine Hausgeburt plant, sollte sich zudem realistisch einschätzen können. Die Frau muss bereit sein, die Geburt ohne Schmerzmittel aus- und durchzuhalten. Auch sollte die Schwangere mit der eventuellen Enttäuschung umgehen können, falls das Geschehen vom Wohnzimmer in eine Klinik verlegt werden muss und womöglich noch im Operationssaal endet.

Risikoschwangere sollten - bei allem Verständnis für den Wunsch nach heimeliger Atmosphäre - diese Variante für sich von vornherein ausschließen. Dazu gehören meiner Meinung nach beispielsweise alle Frauen mit Allgemeinerkrankungen (z.B. Zuckerkrankheit), Schwangere mit Mehrlingen im Bauch oder einem Kind, das in Beckenendlage liegt, Vielgebärende (ab dem 4. Kind), Raucherinnen, Frauen nach Ausschabungen oder Frauen mit Beckenanomalien. Jede verantwortungsbewusste Hebamme wird vor einer Hausgeburt streng selektieren - und das dient Ihrer Sicherheit sowie der Ihres Kindes.

Die Auswahl der Hausgeburtshebamme

Die Auswahl einer Hausgeburtshebamme ist nicht nur eine Frage der Sympathie, sondern vor allem eine Vertrauenssache. Es spricht sicher für die Hebamme, wenn sie sich im Zweifelsfalle dazu entschließt, der Frau eine Klinikgeburt zu empfehlen. Werdende Eltern haben das gute Recht, vorher alles Wesentliche offen anzusprechen, etwa, ob die Hebamme eine zweite Kollegin hinzuruft oder ob sie mit einer Ärztin/einem Arzt zusammenarbeitet, die/der im Bedarfsfall jederzeit dazukommt.

Natürlich wird heute keine Hebamme mehr nur mit Schere und Bindfaden zu einer Geburt eilen.

Aber hat sie beispielsweise für den Fall der Fälle auch Sauerstoff dabei, um dem Baby eine medizinische Starthilfe geben zu können? Scheuen Sie sich nicht, all die Dinge abzuklären, die Ihnen am Herzen liegen. Denn wichtig ist, dass Sie sich sicher fühlen, denn nur dann können Sie sich ganz dem Geburtsgeschehen hingeben. Wer Zweifel hegt, ist zu Hause aller Voraussicht nach nicht gut aufgehoben, denn die Angst wird während der Wehen aufkommen. Daher nehmen viele Hebammen nur die Paare zur Hausgeburt an, die ohne wenn und aber hinter ihrer Entscheidung stehen.

In einem Vorgespräch wird die Hebamme das Paar über Risiken aufklären und das Einverständnis in die Hausgeburt von den werdenden Eltern unterschreiben lassen. Denn das Restrisiko müssen die Eltern tragen, sie entscheiden eigenverantwortlich. Glücklicherweise kommt es jedoch nur ganz selten zu dramatischen Vorkommnissen. Häufig kündigen sich nämlich Schwierigkeiten rechtzeitig an, und dann wird die Hebamme die werdenden Eltern rechtzeitig und ohne Stress in ein Krankenhaus begleiten. Um Enttäuschungen vorzubeugen klären Sie vorher ab, ob die Hebamme die Schwangere an das Kreißsaalteam übergibt oder ob sie trotz des Ortswechsels die Geburt weiterbetreut.

Alternativen

Sehr gering ist der Anteil der Kinder, die in einer Arztpraxis zur Welt kommen. Die/der behandelnde Frauenärztin/arzt ist in diesem Fall bei der Geburt dabei und arbeitet mit einer freiberuflichen Hebamme zusammen, die er zur Geburt dazu ruft.

Häufiger dagegen sind Geburtshausgeburten. Diese Einrichtungen sind wesentlich kleiner als Entbindungsabteilungen eines Krankenhauses. Sie haben das Ziel, individuell auf jede Frau einzugehen und wollen diese ganzheitlich durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett begleiten. Nicht nur die Angebotspalette ist in den einzelnen Geburtshäusern unterschiedlich, sondern auch die Organisationsstrukturen: Manche arbeiten in Kooperation mit Ärzten, in anderen wirken ausschließlich Hebammen. Ein Kaiserschnitt ist in den wenigsten Geburtshäusern möglich, in einigen dagegen eine zügige Beendigung einer Geburt mittels Saugglocke oder Zange. Bei den Kosten, die auf die Eltern zukommen, gibt es ebenfalls große Schwankungen. Genaue Erkundigungen über die infrage kommenden Einrichtungen sind auch hier empfehlenswert, wobei der Sicherheitsaspekt im Vordergrund stehen sollte. So ist es beispielsweise wichtig zu wissen, wie die Zusammenarbeit mit den umliegenden Krankenhäusern geregelt ist, falls etwas nicht wunschgemäß läuft.



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