Wann ist ein Kaiserschnitt erforderlich?
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Die meisten Frauen wünschen sich eine Spontangeburt, doch es gibt Gründe, die ein Eingreifen in den Geburtsverlauf oder die Planung eines anderen Geburtsmodus erforderlich machen. |
Ein Kaiserschnitt (Sectio caesarea) ist notwendig, wenn das Kind definitiv
zu groß ist, die Plazenta den Muttermund blockiert, sich das Kind in einer
geburtsunmöglichen Lage (z.B. Querlage) befindet oder das Kind in einer sehr
frühen Schwangerschaftswoche geboren werden muss. In diesem Fall wird vor
muttermundswirksamen Wehen bzw. vor Blasensprung ein geplanter (elektiver,
primärer) Kaiserschnitt durchgeführt.
Von einem sekundären Kaiserschnitt spricht man, wenn die Frau
muttermundswirksame Wehen hatte bzw. die Fruchtblase bereits gesprungen ist.
Wird der Kaiserschnitt durchgeführt, weil z.B. unter der Geburt die Wehen
(trotz aller Hilfsmittel) nicht ausreichen oder die Herztöne des Kindes
Anlass zur Sorge geben, dann spricht man von einem ungeplanten (sekundären)
Kaiserschnitt. In diesem Fall sollte die Geburt so rasch wie möglich beendet
und die Zeit zwischen Entscheidung zum Kaiserschnitt und Entwicklung des
Kindes nicht mehr als 20 Minuten betragen.
Für die OP werden Sie im oberen Schambereich rasiert, da Haare ein
potenzieller Keimträger sind. Außerdem bekommen Sie einen Blasenkatheter
gelegt, der dafür sorgt, dass der Urin ablaufen kann und sich die Harnblase
während der OP nicht füllt. Wie bei jeder anderen OP müssen Sie allem
Schmuck und Prothesen ablegen und Ihre Kleidung gegen ein OP-Hemd und
Anti-Thrombose-Strümpfe tauschen. Vor der Fahrt in den OP bekommen Sie eine
Citrat-Lösung zu trinken. Sie schmeckt nicht besonders, verhindert aber
Übelkeit und Erbrechen.
Nach Anlegen der Narkose wird der OP-Tisch
um 15° nach links gekippt um ein
Vena-cava-Kompressionssyndrom zu vermeiden.
Manche Frauen haben dabei ein Gefühl von Unsicherheit. Es kann aber nichts
passieren, da das OP-Personal Sie vorher entsprechend gesichert hat. Nachdem
die Bauchdecke desinfiziert wurde und Sie mit sterilen Tüchern abgedeckt
wurden, darf die Begleitperson in den OP (bitte fragen Sie vorher in Ihrer
Klinik). Bitte nicht enttäuscht sein, wenn Sie und Ihr Angehöriger nichts
sehen. Die Hygiene geht vor, deshalb darf der Partner nur bei Ihnen am
Kopfende sitzen und Ihnen gut zureden. Sie selbst haben auch keinen Blick
auf das OP-Feld, da vor Ihnen ein steriles Tuch gespannt ist.
Für den Kaiserschnitt stehen zwei grundsätzliche OP-Verfahren zur Verfügung
Meist kommt die transperitonale Entwicklung des Kindes durch den eröffneten
unteren Abschnitt der Gebärmutter zur Anwendung. Dabei wird knapp oberhalb
der Symphyse mit einem Querschnitt (Operationstechnik nach
Pfannenstiel-Straßmann) die Bauchdecke eröffnet. Um an den unteren Teil der
Gebärmutter zu gelangen, durchtrennt der Operateur das Bauchfell der
Harnblase und schiebt diese aus dem Weg. Nur kann das untere Uterinsegment
(in der Schwangerschaft entfalteter unterer Teil der Gebärmutter) mit einem
kleinen Schnitt eröffnet werden. Der Schnitt wird stumpf, d.h. mit den
Fingern erweitert. Mit der Fruchtblase wird genauso verfahren.
Jetzt kann das Kind aus der Gebärmutter gehoben werden. Diese Phase der OP kann für Sie
etwas ungemütlich werden, da der Operateur das Kind durch Druck Richtung
Ausgang schieben muss. Das Kind wird abgenabelt und der Hebamme übergeben,
die sich mit dem Anästhesisten oder dem Pädiater von der Vitalität der
Kindes überzeugt. Plazenta und
Eihäute werden manuell von der Gebärmutterwand gelöst und der
Gebärmutterhalskanal evtl. geweitet, damit der Wochenfluss abfließen kann.
Gebärmutter und Bauchhöhle müssen jetzt noch in mehreren Schichten
verschlossen werden. Während dieser Zeit können Sie ein leichtes
Schlafmittel bekommen.
Seit 1995 kommt auch die in Jerusalem entwickelte Misgav-Ladach-Technik zum
Einsatz. Im Unterschied zur oben beschriebenen Methode wird dabei der erste
Schnitt deutlich höher angesetzt, die Bauchwandschichten stumpf (fast nur
mit den Fingern) gedehnt und das Abschieben der Harnblase unterlassen. Die
Entwicklung des Kindes und die Entwicklung von Placenta und Eihäuten sind
gleich. Beim Verschluss der Bauchdecken wird auf eine Naht des Bauchfells
und des Unterhautfettgewebes verzichtet. Alles in allem verkürzt sich
dadurch die herkömmliche Op-Dauer von ca. 30-40 Minuten auf ca. 15 Minuten.
In den Medien wird diese Form des Kaiserschnitts als die „sanfte Form“ der
Sectio beschrieben. Setzt man „sanft“ mit schmerzfrei oder schonend gleich,
trifft der Begriff nicht zu, denn das Dehnen der Bauchmuskulatur erfordert
Kraft. Der Begriff hat eher für den post-operativen Verlauf seine
Berechtigung. Verschiedene Studien zeigen einen geringeren Blutverlust,
geringeren Schmerzmittelbedarf sowie kürzere stationäre Aufenthalte.
Die Methode nach Misgav - Ladach ist nicht mehr anwendbar, wenn eine
vorhergehende Sectio auf herkömmliche Weise (Pfannenstiel - Straßmann)
durchgeführt wurde.
Während der Kaiserschnitt zu jedem Zeitpunkt der Geburt durchgeführt werden kann, gibt es für eine Geburtsbeendigung durch Forzeps (Geburtszange) oder Vakuumextraktion (Saugglocke) bestimmte Vorbedingungen.
So muss z.B. die Fruchtblase gesprungen und der Muttermund vollständig eröffnet sein, sonst können die Zangenlöffel den kindlichen Kopf nicht umfassen oder mit der Saugglocke kein Vakuum aufgebaut werden. Ebenso muss ein Missverhältnis im Beckenausgang ausgeschlossen sein. Ob sich der Geburtshelfer dann für den Forzeps oder das Vakuum entscheidet, hängt vom Höhenstand des Kindes und der Haltung des Kopfes ab, da z.B. eine Glocke nicht an jedem Teil des Kopfes angelegt werden kann.
Jenni Zwick
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