Die Schmerzen sind schnell vergessen, denn jetzt
zählt nur noch dieses kleine Wesen auf Ihrer Brust. Sie und Ihr Mann können
Ihr Kind das erste Mal berühren, riechen und sehen. In Ihrer Nähe kann es
sich von der Geburt erholen - genau wie für Sie, war der Weg auch für Ihr
Kind anstrengend und hat viel Kraft gekostet. Doch durch Ihre Wärme, Ihren
Herzschlag und Nähe entspannt es sich, denn es kennt Ihren Geruch und Ihre
Stimme sowie die Stimme Ihres Partners von den neun Monaten in Ihrem Bauch.
Es fühlt sich bei Ihnen zuhause, obwohl es die Welt mit ihren Geräuschen,
Gerüchen und seltsam hellen Farben noch nicht kennt.
Auch hier zeigt sich schon die Individualität des einzelnen Kindes. Einige
begrüßen die Welt mit lautem Geschrei – andere schauen sich lediglich mit
großen Augen um! Was bei allen Kindern gleich ist: sie benötigen Wärme, da
der kleine Körper und vor allem der Kopf sehr schnell auskühlen. Dem Kind
geht es so wie Ihnen nach dem Verlassen eines Schwimming-Pools- Ihre feuchte
Haut registriert jeden Windstoß als unangenehm.
Noch vor wenigen Jahren wurde das Kind direkt gewogen, vermessen, gebadet,
kurz gesagt: von der Mutter entfernt. Heute wird in den meisten Kliniken
Wert auf Bonding (engl. Bindung) gelegt. Den Eltern wird Zeit eingeräumt Ihr
Kind mit allen Sinnen zu erfahren. Psychologen sind sich einig, dass dieser
erste Kontakt zwischen Eltern und Neugeborenem, das erste Befühlen, Riechen,
Schmecken, Sehen und Hören die soziale Bindung fördert und ungeheuer wichtig
für das menschliche Urvertrauen ist.
Legen Sie Ihr Kind direkt nach der Geburt an. Das beschleunigt den
natürlichen Effekt der Nachwehen und die Plazenta wird schneller geboren. In
diesen ersten Minuten ist Ihr Baby noch immer mit Ihnen verbunden - durch
die Nabelschnur. Während der Schwangerschaft hat die Plazenta die
Sauerstoff- und Nährstoffversorgung Ihres Kindes gewährleistet, jetzt wird
sie nicht mehr benötigt. Zuerst pulsiert sie noch kräftig, da noch Blut
hindurch gepumpt wird. Ist die Nabelschnur auspulsiert, wird die Hebamme
oder Ihr Partner sie abklemmen und durchtrennen. Das ist ein aufregendes
Gefühl, an dass er lange denken wird. Abklemmen und Schneiden tut weder
Ihnen noch Ihrem Kind weh, denn in der Nabelschnur sind keine Nerven. Die
Plazenta gehört zu Ihrem Kind. Vielleicht überlegen Sie sich ja ein Ritual
(z.B. das Pflanzen eines Baumes) um die Plazenta feierlich zu verabschieden.
Die Plazenta löst sich durch ein oder zwei Nachgeburtswehen von der
Uteruswand und wird schmerzlos geboren. Das Abheilen der so entstandenen
Wunde an der Plazentahaftfläche dauert 4-6 Wochen und wird von außen durch
das Aussehen der Lochien (Wochenfluss) beurteilbar (Querverweis). Ihre
Hebamme wird die Plazenta sehr genau anschauen und auf Vollständigkeit
untersuchen. Reste dürfen nicht verbleiben, weil sie unter Umständen zu
stärkeren Blutungen, Infektionen oder Wucherungen führen können. In manchen
Krankenhäusern wird deshalb routinemäßig Oxytocin als zusätzliches
Wehenmittel verabreicht, um das Ausstoßen der Plazenta zu unterstützen.
Mit der Plazenta folgen die Eihäute. Sie hinterlassen in der Gebärmutter
keine große Wunde, da sie keine großen Blutgefäße enthalten und sich quasi
wie eine Tapete von der (Uterus)wand lösen. Wenn die Placenta mit ihren
Eihäuten geboren ist, ist die Geburt beendet.
Jenni Zwick
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